Unterkunft füllt sich

Unterkunftsleiter Max Schmid informierte die derzeit amtierende Bürgermeisterin Dr. Johanna Mertins über die Belegungssituation und zeigte den Inhalt eines Grundausstattungspaketes für Asylbewerber. Bild: Völkl

Sie kamen schneller, als Max Schmid dachte: Am Montag fanden 14 Asylbewerber in der neuen Gemeinschaftsunterkunft an der Wernberger Straße eine Bleibe auf Zeit. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen ist sie in drei Wochen voll belegt.

Pfreimd. (cv) Max Schmid, der die Gemeinschaftsunterkunft in Neunburg vorm Wald leitet, ist auch für Pfreimd zuständig. Neunburg ist auf 146 Personen ausgelegt, das frühere Bürogebäude im Pfreimder Gewerbegebiet für 63. Am Montag aus dem Urlaub zurück, wurde Schmid von den ersten Ankömmlingen überrascht. "So schnell ging es noch nie mit der Belegung". Elf Syrer, eine Frau aus dem Kosovo, eine Afrikanerin mit Kind sind eingetroffen. Am Donnerstag werden sieben Syrer und sechs Personen aus Sierra Leone, darunter eine dreiköpfige Familie, erwartet. Schmid rechnet mit einer zügigen Vollbelegung in drei Wochen. Die Asylbewerber bleiben im Schnitt sechs Monate.

23 Zimmer

Das Gebäude mietete die Regierung der Oberpfalz von der FBH GmbH (Bertlein Stiftung) an. Der Eigentümer "kümmert sich sehr", so Schmid. Das Objekt mit 951 Quadratmeter Gesamtfläche wurde zum ortsüblichen Quadratmeterpreis für vier Jahre angemietet, die Nebenkosten trägt Regierung der Oberpfalz.

Schmid führt durch das Haus: Auf drei Etagen sind 23 möblierte Zimmer entstanden. Bei der Aufteilung versucht man Rücksicht auf Religion und Nationalität zu nehmen. Auf den Etagen gibt es Duschen und Toiletten, Küchen im Obergeschoß. "Die Herde haben eine automatische Abschaltung", berichtet Schmid. Im Keller stehen Waschmaschinen und Trockner. Eine Fluchttreppe wurde gebaut, eine Brandmeldeanlage ist eingebaut, es gibt ein Notfalltelefon.

Die Neuankömmlinge erhalten ein Grundaustattungspaket: Bettdecke Kopfkissen, Bettwäsche, Topf, Pfanne, Teller, Kaffeetasse, Besteck - und eine Rolle Klopapier. Auch Putzmittel werden gestellt, allerdings nur zum Reinigen der Gemeinschaftsflächen. Das können die Asylbewerber für einen Euro die Stunde übernehmen. "In Neunburg wird gerne davon Gebrauch gemacht". Schmid ist gerade dabei Piktogramme aufzukleben: Die Verständigung läuft in "Bavarian English", mit Händen und Füßen, mit Zeichensprache. "Eine Frau, daneben eine Dusche - das versteht jeder", zeigt Schmid auf seine Vorlagen. Anfangs gibt es viele Fragen.

Am Dienstag Mittag waren keine Bewohner anzutreffen. Der erste Weg führte mit dem Bus nach Schwandorf zur Ausländerbehörde und zum Sozialamt, "sonst können die Leute keine Lebensmittel kaufen". Schon ist man beim Alltag: Wo fährt ein Bus? Wo ist ein Supermarkt?

In Pfreimd ist von der Regierung der Oberpfalz aus finanziellen Gründen kein Hausmeister vorgesehen und die Sozialarbeiterin ist mit Neunburg völlig ausgelastet. Die amtierende Bürgermeisterin Dr. Johanna Mertins, in der Schmid eine aufgeschlossene Gesprächspartnerin fand, drängt auf eine Lösung, damit die Menschen nicht sich alleine überlassen bleiben.

Auch die Stadt hilft

Die Stadt tut ihr Möglichstes: Ortspläne liegen bereits auf, Kinder werden in Schulen und Kindergärten untergebracht, auch eine Asyl-Klasse ist im Gespräch. Die Stadt ist angesichts der bereits in dezentralen Unterkünften - Häusern und Wohnungen - lebenden 40 Asylbewerber nicht unvorbereitet. Dr. Mertins ist froh, dass Pfreimd auf den Arbeitskreis Asyl bauen kann, dem Ehrenamtliche, die Stadt, die Kirchen und Vereine angehören: "Das ist einfach toll". Dr. Mertins könnte viele Beispiele aufzählen. "Eine Hochschwangere zum Arzt nach Regensburg fahren, wer macht das schon?" Pfreimd leistet in der Unterbringung "einen großen Beitrag", stellt Dr. Mertins mit Blick auf bald 100 Asylbewerber fest. "Ziel ist es, den Menschen einen guten Start zu ermöglichen". Und was wünscht sich Max Schmid? "Dass die Politik flexibler wird", meint er mit Blick auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. "Es gibt 1000 Fragen".
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