Unterwegs auf verbotenen Pfaden

Unter anderem durch Waidhaus führte die "Verbotene Straße" als wichtige West-Ost-Handelsverbindung, die im Laufe der Jahrhunderte auch "Prager Straße" und "Waidhauser Straße" hieß. Repro: fjo

Die Frage nach der "Verbotenen Straße" wäre bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär" wohl hoch dotiert. Mögliche Antwortalternativen wie "Mautstrecke in Österreich", "gesperrter Forstweg" oder "illegale Privatstrecke" dürften die Suche nach der richtigen Lösung wenig erleichtern.

Einfacher müsste die Antwort den Bewohnern der Region zwischen Nürnberg und Prag fallen, und ganz speziell im Raum Hirschau, Weiden, Vohenstrauß und Waidhaus. Denn untrennbar ist "Verbotene Straße" mit dem Altlandkreis verbunden. Sowohl für die Bezeichnung "Goldene Straße", wie für die "Verbotene Straße" hat die Region ein Alleinstellungsmerkmal.

Uralte Handelsverbindung

Als uralte Handelsverbindung existierten die Vorläufer der heutigen Autobahn A 6 zwischen der Frankenmetropole und Böhmens Hauptstadt seit vielen Jahrhunderten. Hierfür bildete sich die Bezeichnung "Goldene Straße" heraus. Kaiser Karl IV. war es durch Kauf und Tausch verschiedener Landstriche im 14. Jahrhundert gelungen, den gesamten Streckenverlauf über böhmisches Gebiet zu führen.

Diese Route zweigte allerdings in Hirschau nach Weiden ab, führte weiter nach Bärnau und dann über Tachov bis Stríbro, wo sich die Strecken wieder vereinigten. Die neue Route war genau und penibel festgelegt, ihre Benutzung den Fernhändlern vorgeschrieben. Zudem war die Trasse zur Reichsstraße erhoben.

Die Benutzung bot darüber hinaus auch mehrere Privilegien. Denn die neue Wegführung entsprach einem politischen Konzept, was der Bau von Burgen zur Sicherung und Überwachung des Warenverkehrs ebenso untermauerte, wie die Anlage von Tausch- und Versorgungsstationen.

Doch der Weg über Waidhaus war der ursprünglichere und ältere. Er wurde selbst in der Zeit Karls IV. häufig und intensiv weiter benutzt. Vor allem deswegen, weil diese südliche Variante über Wernberg und Pfraumberg die kürzere und dadurch wohl auch die schnellere blieb. Möglicherweise bildete sich bereits im späten Mittelalter der Begriff "Verbotene Straße" unter den Reisenden und Handelstreibenden, weil es Kaiser Karl IV. und seine Nachfolger nicht gerne sahen, wenn Wegzölle und andere Abgaben auf diese Weise verloren gingen.

Streit mit Landgrafen

Schließlich führte die "Verbotene Straße" ein gehöriges Stück durch das Gebiet der Landgrafen von Leuchtenberg, mit denen der Kaiser im Streit lag. Doch Strafzölle, Beschlagnahmungen oder gar Festnahmen sind bei Benutzung der "Verbotenen Straße" nicht überliefert. Die Heimatforschung fand lediglich heraus, dass es ab 1490 viele Klagen vor allem aus den Städten Tachau, Bärnau und Weiden gab, weil immer häufiger die kürzere Strecke gewählt wurde.

Seit dem 16. Jahrhundert zogen die Nürnberger Händler dann den Weg über Waidhaus allgemein vor. Auch wenn die ersten einfachen Straßenkarten, die nun aufkamen, diese "Verbotene Strecke" völlig außen vor ließen. Es dauerte noch einmal rund 100 Jahre, bis sich die Situation änderte, und schließlich beide Varianten endlich gleichwertig nebeneinander aufgeführt wurden.
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