Unvorstellbares geprobt

Es war kein Ernstfall, aber spaßig war die Übung am Bahnhof Haidenaab am Samstag auch nicht. Etwa 500 Einsatzkräfte des Landkreises Bayreuth übten den Katastrophenfall - inclusive Blut, Schweiß und vieler angenommener Toter.

Unter blauem Himmel liegen Tote und blutende Verletzte auf den Gleisen. Die Sonne scheint auf den giftigen Dunst, der aus den entgleisten Waggons wabert. Die Kulisse am Tag nach Halloween ist gespenstisch surreal. Ein giftbeladener Güterzug hat kurz zuvor einen Tanklastwagen gerammt. In die Unfallstelle kracht ein Personenzug: Von den 33 Verletzten erliegen zwölf ihren schweren Verletzungen.

In den oberfränkischen Dörfern probten die Helfer des Landkreises und der Stadt Bayreuth den Ausnahmezustand. Knapp 500 Einsatzkräfte der Feuerwehren, des BRK, der Malteser, des Technischen Hilfswerkes (THW) sowie von Polizei und Bahnpolizei waren vor Ort, um den "Super-Gau" unter Realbedingungen zu proben. Sogar an störende Schaulustiger hatten die Organisatoren gedacht. Im Landratsamt Bayreuth saß die Führungsgruppe Katastrophenschutz und koordinierte mit der Integrierten Leitstelle die Entscheidungen. Den Einsatz vor Ort leitete Kreisbrandrat Hermann Schreck. Er hatte seine Schaltzentrale am Ortseingang von Göppmannsbühl aufgeschlagen.

Einsatzkräfte als Opfer

Im Mittelpunkt stand nicht nur die Rettung der Verletzten und das Beheben des Schadens: Auch diejenigen, die zum Retten geschickt wurden, mussten sich schützen. Im Regieplan war dies ausdrücklich vorgesehen, zu den Opfern gehörten die Feuerwehrleute, die als erstes zur Unfallstelle eilten und dort Chlorgas ausgesetzt waren. Die folgenden Einheiten versammelten sich außerhalb der Gefahrenzone. Vor allem dem Atem- und Chemieschutz sowie der Versorgung vieler Verletzter auf einmal galt die Aufmerksamkeit der Einsatzleitung. Eminent wichtig waren die Schutzanzüge, der Einsatz von Schadstoffeinheiten und die Einrichtung von Dekontaminationsplätzen.

Bei der Übung gingen immer wieder neue Anforderungen an die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt, Landrat Hermann Hübner hatte übungsmäßig den Katastrophenfall für den Landkreis ausgerufen. Er machte sich mit dem Speichersdorfs Bürgermeister Manfred Porsch ein Bild vor Ort. "Übungen wie diese sind für einen tatsächlichen Katastrophenfall enorm wichtig", sagte Hübner. Es sei nicht zu erwarten, dass eine Übung dieser Dimension ohne Probleme ablaufe. "Sonst bräuchte es die Übung nicht: Und Schwierigkeiten sind da, um sie lösen.", so Hübner. Als Beobachter fungierten auch neun Feuerwehrführungskräfte aus dem Landkreis Forchheim. Carolin Rausch, Sprecherin des Kreisfeuerwehrverbandes, betonte, dass es in den nächsten drei Monaten eine Nachbesprechung geben soll. "Dann wird man auch ansprechen, wo Verbesserungspotential besteht", sagte Rausch.

Neues Warnsystem

Die Übung war außerdem Premiere für ein neues Warnsystem. Hübner und Staatssekretär Gerhard Eck drückten in Bayreuth den Startknopf für das EWF-System (Emergency-Warning-Functionality): Dieses soll künftig die landesweite Warnung der Bevölkerung bei Großschadensereignissen oder im Katastrophenfall über Digitalradio ermöglichen.
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