Verband interessiert sich nicht für Leistungen des Ausnahmeschwimmers
DSV ignoriert Philipp Wolf

Philipp Wolf in seinem Element: Der 22-jährige Altenstädter verpasste bei der "Deutschen" in Wuppertal die Medaillenränge nur knapp. Seine Leistungen scheinen den Verband nur wenig zu interessieren. Bild: Schwarzmeier

Berlin, Potsdam oder Essen sind in Deutschland die Schwimmzentren: Da ist selbst München auf der Landkarte ganz klein. Das spüren auch Schwimmer wie das Oberpfälzer Ausnahmetalent Philipp Wolf.

Selbst im Wasser ist er für sie Luft: Seit Jahren gilt Philipp Wolf (22) als großes Schwimmtalent, nicht nur in der Region, sondern in ganz Deutschland. Vor einigen Jahren holte er bei einer Jugendeuropameisterschaft eine Staffelmedaille für Deutschland. Der junge Mann aus Altenstadt/WN wechselte vor zwei Jahren vom SV Weiden zur SG Stadtwerke München - nicht nur wegen des Studiums, sondern auch um bessere Trainingsbedingungen zu haben.

Am Wochenende war Philipp Wolf bei den deutschen Kurzbahnmeisterschaften am Start. Zwei Mal - über die 100 Meter Kraul und die 200 Meter Rücken - verpasste er das Siegertreppchen nur ganz knapp. Mit Platz vier über beide Strecken ist er aber unweigerlich in der deutschen Spitze angekommen.

Wolf schwimmt so mit

Doch vom Deutschen Schwimmverband (DSV) nimmt keiner Notiz davon. Oder will keiner Notiz nehmen? "Da hat niemand mit mir gesprochen", erzählt Wolf von Begegnungen am Beckenrand in der Wuppertaler Schwimmoper. "Das ist schon schwach." Kein Wort von Bundestrainer Henning Lambertz oder anderen Mitgliedern des DSV-Trainerstabs. Kein "Wie läufts im Training" oder "Wie sehen die Zukunftsplanungen aus". Nichts. Wolf schwimmt, wie einige aus dem Münchner Team, in Deutschland so mit.

"Ich weiß nicht, was ich machen muss, damit die einen anreden", fragte sich Wolf nicht nur am Montag. Dabei hätte der Oberpfälzer sogar die Kriterien für die Teilnahme an der Kurzbahn-Weltmeisterschaft Anfang Dezember in Doha (Katar) erfüllt. In den Richtlinien für die nationalen Titelkämpfe heißt es, die ersten Vier über 100 Meter Kraul würden zur Nominierung für eine mögliche Staffel vorgeschlagen.

Wolf wurde Vierter. Bisher hat Deutschland aber keine 4 x 100 Meter-Staffel gemeldet. Das, so vermuten einige, würde dann vor Ort in Doha passieren, wenn gewisse Leute nicht da sind.

Entscheidende Monate

"Ich bin aber nicht sauer", sagt Wolf. Man glaubt dies dem jungen Mann, der mit seiner ruhigen Art ohnehin kaum aus der Fassung zu bringen ist. Mit dem WM-Ticket habe er auch nicht gerechnet. Von seinem großen Traum, der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, lässt er sich aber nicht abbringen.

Dass es für einen Einzelstart wohl nicht reichen wird, weiß er. Aber ein Staffelticket ist das große Ziel. "Unmöglich ist das sicher nicht", sagt er. Der Student des Bauingenieurwesens (3. Semester) überlegt sogar, an der Uni etwas kürzer zu treten. Sein Ex-Trainer in Weiden, Peter Dehling, sieht jetzt die entscheidenden Monate für Wolf kommen.

Knapp besser zu sein reicht nicht

Mit den Zeiten von Wuppertal hat sich Wolf auch in der Weltrangliste weiter verbessert. Mit den 48,04 Sekunden über die 100 Meter Kraul liegt er in der Bestenliste im Jahr 2014 auf Rang 39 - noch vor Paul Biedermann. Über die 200 Meter Rücken (1:56,20 Minuten) liegt er auf Platz 46.

Auf diese beiden Strecken wird sich der 22-Jährige künftig konzentrieren. Sein Ex-Coach Peter Dehling weiß aber, dass Wolf auch da nur eine Chance hat: "Er muss denen mal richtig eine Zeit hinknallen. Für Philipp reicht es anscheinend nicht, nur knapp besser zu sein als andere."
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