Verbot soll bleiben

Ärztin Dr. Susanne Kreutzer (rechts) und Pfarrer Dr. Christoph Seidl (links) sprachen sich gegen eine aktive Sterbehilfe aus. Sie plädierten vielmehr für ein Sterben in Würde. Bild: jzk

Sterbehilfe - ja oder nein? Was ist erlaubt, was strafbar? Kontrovers diskutieren Politik und Gesellschaft diese Fragen. Dem Bundestag liegen derzeit vier unterschiedliche Gesetzes-Entwürfe vor.

Kemnath. (jzk) Ob Sterbehilfe überhaupt gesetzlich geregelt werden kann oder soll, beleuchtete die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Tirschenreuth in Zusammenarbeit mit der Pfarrei. Im Pfarrheim sprachen eine Ärztin und ein Theologe über "Würde, Freiheit und Sinn am Lebensende". Beide boten den Zuhörern Entscheidungshilfen an. Aus medizinischer und seelsorgerischer Sicht zeigten Dr. Susanne Kreutzer und Christoph Seidl auf, dass Sterben etwas sehr Individuelles sei.

"Die aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten", betonte die ärztliche Leiterin der Palliativstation am Krankenhaus Neustadt/Waldnaab. Die passive Sterbehilfe, also das Unterlassen von lebensverlängernden Maßnahmen, sei erlaubt. Ebenso sei die Beihilfe zum Suizid grundsätzlich nicht strafbar.

Keinem zur Last fallen

Klar sprach sich Kreutzer für ein weiteres Verbot der aktiven Sterbehilfe aus. "Wir wollen in Deutschland keine Vereine wie ,Dignitas' oder ,Exit', die gegen ein nicht geringes Honorar Begleitung und Beihilfe zum Selbstmord anbieten." Viele alte Menschen seien einsam, krank und litten unter starken Schmerzen. Da sie keinem zur Last fallen wollten, erscheine ihnen Selbstmord als "billigste und schnellste Lösung", meinte die Ärztin. Werden aber die Krankheit behandelt sowie die Schmerzen und das Gefühl der Einsamkeit behoben, verschwinde oft der Gedanke an eine mögliche Selbsttötung. In zehn Zimmern werden auf ihrer Palliativstation Patienten behandelt, die an unheilbaren Erkrankungen leiden. Durch eine individuelle Therapie, umfassende medizinische und pflegerische Betreuung sowie spirituelle Begleitung "wollen wir ihre Lebensqualität am Ende ihres Lebens verbessern".

"Aktive Sterbehilfe führt zur Fremdbestimmung", gab Seidl zu bedenken. Der Bischöfliche Beauftragte für die Krankenhaus- und Hospizseelsorge stellte die vier Gesetzesentwürfe vor, die im November im Deutschen Bundestag beraten werden. Diese reichten vom generellen Verbot bis zur Freigabe der Sterbehilfe. Von entscheidender Bedeutung sei, dass schwerkranke Menschen von der Gemeinschaft unterstützt werden, in der sie leben. "Helfen ist eine Aufgabe, die die gesamte Gesellschaft herausfordert, aber nicht erst beim assistierten Suizid", sagte Theologe.

In Würde sterben

Der Krankenhausseelsorger sprach sich entschieden für ein Sterben in Würde aus. "Christen können aufgrund ihres Glaubens bei der Frage der Sterbehilfe zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen", wusste er. Sätze wie "Das ist doch kein Leben mehr" sollten Mitglieder einer christlichen Gemeinde, die Kranke gut betreut und auffängt, nicht in den Mund nehmen. Eine Patientenverfügung könne für Angehörige und Arzt sehr hilfreich sein.

Nach jedem Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an. Dennoch blieben viele Fragen offen. KEB-Bildungsreferent Hans Stelzl dankte den Referenten mit Präsenten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.