Vergangenes unter der Erde

Gut ausgeleuchtet bieten die Bierkeller in Luhe ein prächtiges Farbenspiel. Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Preißer und Astrid Locke-Paul setzen sich für den Erhalt der Gewölbe ein. Auf diesem Bild sind die Ebenen zu erkennen, auf denen Bier und Kartoffeln (rechts) beziehungsweise Eis (links) zur Kühlung der Waren gelagert wurden. Bilder: Götz (4)

Die einen gehen dorthin zum Lachen, andere verstecken da ihre Leichen. In Luhe hatten die Keller im Koppelberg eine ganz andere Funktion.

Luhe. Unter dichtem Gebüsch und unter Bäumen verbergen sich die heimlichen Schätze von Luhe. Ohne gutes Schuhwerk, Bauhelm und Taschenlampe kommt man hier nicht weit. Erst geht es hinauf auf den Berg, dann hinunter ins Gewölbe. Es ist dunkel, an den Wänden haben sich Mücken angesammelt. Jugendliche feierten hier schon Partys, hier und da finden sich leere Flaschen. Manch einer, der ein Dach über den Kopf gesucht hat, hat seine Matratze da gelassen. Ein Hippie hat sich auch schon hier her verirrt, er hat sich an einer der Wände mit einem Peace-Zeichen verewigt. Sand und bröckelndes Gestein machen den Kellern zu schaffen. Aus der Decke dringen Wurzeln in die Höhlen.

Retten, was zu retten ist

"Das war früher nicht so", erzählt Astrid Locke-Paul. Weil die Erbauer der Keller wussten, dass Bäume ihren Gewölben schaden, war der Berg, unter dem sich die Keller befinden, kahl. Kein Baum, kein Strauch blühte dort. Locke-Paul ist Markträtin, Geopark-Rangerin, Lehrerin in Teilzeit, Mutter zweier Kinder. Seit kurzem kümmert sie sich um die Bierkeller in Luhe. Gleich hinter ihrem Haus befinden sich zwölf dieser Gewölbe. "Es waren aber mit Sicherheit viel mehr, da bin ich mir sicher", sagt sie. Sie setzt sich für die fast vergessenen Lagerräume ein.

Bewaffnet mit Helm, Taschenlampe und - ganz wichtig - Handschuhen kämpft sie sich durch das Dickicht, durch Brennnesselstauden und herumliegende Äste. Das Laub ist feucht, es hat geregnet, auf den Blättern ist es rutschig. Um zu den Kellern zu gelangen, klettert sie durch teilweise schmale Öffnungen.

Doch der Weg lohnt sich: Ist das Gewölbe erst einmal gut ausgeleuchtet, bietet sich ein Farbenspiel: Grau- und Rottöne gehen hier ineinander über, die Wände sind marmoriert, tauchen die Keller in eine angenehme Atmosphäre. "Wir befinden uns hier in einer Störungszone am Rand des Naabgebirges", weiß die gebürtige Schwandorferin. "Das geht bis tief in die Erde."

Innerhalb dieser Zonen haben sich die Gesteinsschichten im Lauf von Millionen Jahren immer wieder verschoben. "Das hinterlässt Spuren", sagt die Markträtin und streicht über die Stelle, auf der sich die Gesteinsschichten treffen. Solche Bewegungszonen im Gestein gibt es auch hier im Kleinen: Das Gestein ist hier zerbrochen, zerborsten, manche Brocken wurden sogar quer gestellt. Das sei einzigartig, nicht mal die Sandkeller in Schwandorf könnten damit punkten. Einige Keller sind teilweise schon eingefallen und unbegehbar. "Deswegen müssen wir die, die noch in Ordnung sind, retten", appelliert Locke-Paul an ihre Marktratkollegen. Manche von ihnen meinen, es gebe Wichtigeres, als die Keller zu sanieren. "Wenn wir nur einen oder zwei retten können, dann wäre das schon toll", sagt sie weiter.

Das hofft auch Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Preißer. Er hat sich für den Markt Luhe beim Förderprogramm Leader beworben. Erst im Oktober bekommt er Bescheid, ob die Sanierung der Keller gefördert wird. "Aber ich denke schon", zeigt sich der Rathauschef zuversichtlich.

40 Brauer und noch mehr

Einige der Keller hat der Landesbund für Vogelschutz (LBV) für Fledermäuse hergerichtet. Allerdings ist das nur ein Bruchteil. Die anderen Gewölbe müssten saniert und so ausgebessert werden, dass sie nicht mehr einsturzgefährdet sind. "Viele wissen gar nicht, dass sie einen Keller haben, oder wollen auch gar nichts damit zu tun haben", bedauert Preißer. Ein Keller ist ans Haus gebunden, zu dem er gehört. Wenn ein Haus verkauft oder vererbt wird, ist automatisch der Keller dabei. "Das ist wie mit dem Braurecht", weiß Preißer. "Das ist auch ans Haus gebunden."

Und das ist auch in Luhe so: Laut Preißer gab es 40 Brauer, die Lagerraum für ihr Bier benötigten. Deswegen wichen sie auf den Koppelberg aus, in den sie ihre Gewölbe schlugen. Im hinteren Bereich sind sie gemauert und dadurch auch stabiler. In den Wänden sind Nischen, die als Kerzenhalter dienten. Die Mulden sind verrußt. Der Länge nach hat der Boden eine Stufe. Auf der höheren wurden die Waren gelagert, Bier und Kartoffeln. Auf der niedrigeren Ebene das Eis, das die Lebensmittel kühlen sollte. "Damit Getränke und Essen nicht im Wasser standen", erklärt Locke-Paul. "Das Eis haben die Leute aus der Naab und der Luhe geholt", weiß der Bürgermeister. Nach hinten werden die Keller höher, damit das geschmolzene Eis nach unten den Berg ablaufen konnte.

"Wenn man noch was erhalten will, müsste man alles so stabil machen, dass für die Nachwelt was erhalten bleibt", hofft Locke-Paul. Ideen zur Nutzung hat sieauchschon: Adventsmärkte oder Gruselführungen für Kinder.
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