"Vergelt's Gott, Herr Pfarrer"

"Nun überreichen wir die Torte mit einem allerletzten Worte: Die Zeit mit Ihnen war sehr schön." Von rechts: Martina Messer, Pfarrer Irudayaraj Devadass, Annalena Rettinger, Franziska Krauß, Hermann Neubauer und Erich Geier. Bild: bk

Der Abschied ähnelte dem Empfang vor 15 Jahren. Mit einem großen Unterschied: Pfarrer Irudayaraj Devadass blickt in viele traurige, ja wehmütige Gesichter. Die Botschaft des Dieners der Barmherzigkeit bleibt.

Devadass kam am Sonntag mit Pfarrer Franz Winklmann aus dem Pfarrhof. Fahnenabordnungen, Laiengremien, Bürgermeister, Gemeinderäte, Ministranten eskortieren unter Vorantritt der Stadtkapelle Grafenwöhr die Geistlichen in die selten so gefüllte Pfarrkirche.

Festliche Musik kommt von der Orgelempore: Der Kirchenchor animiert auch mit modernen geistlichen Liedern zum Mitsingen. Ein Bild des Pfarrers steht vor dem Volksaltar mit dem Aufdruck "Vergelt's Gott!"

"Diese 15 Jahre waren für mich eine sehr erfüllte und lehrreiche Zeit", schaut Devadass zurück. Er spricht von einer göttlichen Führung, dass er nach Kaltenbrunn gekommen sei. "Ich bin aufgenommen worden wie zu Hause. Deshalb fällt es mir nicht leicht, jetzt zu gehen. Ich war sehr gerne bei Euch." Es ist eine Stunde des Dankes. Der Seelsorger bezieht in sein "Vergelt's Gott!" all seine großen und kleinen Helfer im inneren Kreis der Pfarrei ein. Er würdigt jene namentlich, die ihn mit Rat und Tat unterstützten, für ihn Vater, Mutter, Schwester, Bruder, Freund waren und die ihn an ihrem Leben teilhaben ließen, das Gemeindeleben bereicherten.

Devadass hebt neben den Spendern aus der Pfarrei auch die jahrelange großherzige Hilfe des OWV Weiherhammer für die indischen Waisenkinder hervor. Er sagt Danke für jedes ehrliche, gute Wort und er bittet all jene um Verzeihung, deren Erwartungen er nicht erfüllen konnte. "Ich bin eben auch ein begrenzter Mensch."

Dann der Appell: "Steht zusammen, gerade jetzt, wo kein Pfarrer mehr am Ort ist. Übt Güte, Liebe und Treue und seid barmherzig! Baut weiter an der Kirche. So bleibt Pfarrgemeinde lebendig."

Er mahnte, auf alte und einsame Menschen zu schauen. Für Christen gebe es keinen Abschied, sondern eine stete Verbundenheit mit Gott. "Er ist immer bei uns, egal was kommt. Bleiben wir im Gebet verbunden. Gott segne euch alle, Gott segne Kaltenbrunn, Dürnast, Kohlberg und Weiherhammer!" Diese Erfahrung legt Devadass den Gläubigen beinahe wie ein Vermächtnis ans Herz. Sie stehen spontan auf und spenden langen Applaus.

"Heute ist kein Freudentag, sondern eher ein trauriger" sagte Kirchenpfleger Karl Bauer. "Aber trotz aller Wehmut haben wir auch Grund zur Dankbarkeit. Sie gehen als der dienstälteste und erste ausländische Geistliche der vergangenen 100 Jahre und als der letzte Pfarrer in die Geschichte von Kaltenbrunn ein." Bauer erinnert an stressige Zeiten mit Projekten und Renovierungen. Ob Alltagsgeschäft oder Besuche von Kranken, Alten und im Kindergarten, Pfarrer Devadass habe immer Ruhe und Geduld bewahrt, nie auf eigene Ansprüche gepocht.

"Eine Torte verziert mit 15 Kerzen, die kommen von ganzem Herzen, für jedes Jahr ist's eine, wenn auch nur ganz kleine." Die Sprecherin des Pfarrgemeinderats, Martina Messer, gab Devadass beim Anzünden 15 Wünsche mit. "Wir werden sie sehr stark vermissen."
Weitere Beiträge zu den Themen: Kaltenbrunn (1268)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.