Verkleiden und erschrecken
Die Fosenochd

Eine Faschingsgruppe aus dem Jahr 1929 vor dem Rathaus von Schwarzhofen. Bild: hw
"Lustig ist die Fasenacht, wenn die Mutter Kücheln backt, wenn sie aber keine backt, freut mich keine Fasenacht". Dieses Gedicht ist aus dem Erstklass-Lesebuch in guter Erinnerung geblieben. Mit dem Begriff "Fasenacht", in der Oberpfalz "Fosenochd" oder Fosnat genannt, können heute vermutlich viele Kinder nichts mehr anfangen, ebenso wenige wie mit dem Begriff "Maschkerer". Inzwischen hat das eher im südlichen Bayern geläufige "Fasching" die "Fosenochd" abgelöst, auch wenn der jährliche TV-Quotenrenner des Bayerischen Fernsehens "Fastnacht aus Franken" heißt.

Über die Herkunft des Begriffs Fasching oder der "Fosnet" streiten sich die Brauchtumsforscher. Offensichtlich sind hier verschiedene Bräuche zusammenkommen. Die Karnevalstradition, sich vor dem Beginn der Fastenzeit nochmals auszuleben (carne vale = Fleisch, leb wohl), stammt wohl aus dem Mittelalter

Allerdings zweifelt die Forschung inzwischen an, ob unser Faschingsbrauchtum tatsächlich auf die Römer zurückgeht, wo während der Saturnalien üppig gegessen und getrunken und die Rollen getauscht wurden. Viele traditionelle Masken, Figuren und Umzüge weisen eher auf vorchristliche Riten mit dem Zweck des "Winteraustreibens" hin. So haben sich wohl heidnische Riten mit christlichen Vorstellungen, vor allem des Mittelalters, verbunden. Der seit dem späten Mittelalter bei den "Mummereien" auftretende Narr wird als Zeichen der Vergänglichkeit gedeutet.

Ab den 1860er Jahren waren es vor allem die Vereine, die sich nun auch in kleineren Städten wie Schwandorf neben den Wirten verstärkt als Organisatoren von Faschingsveranstaltungen etablierten. "Carnevals-Unterhaltungen" mit Bällen waren um 1860 neben den Märkten die wichtigsten jährlichen Attraktionen in Schwandorf, wie der Anzeigenteil des "Naabthal-Boten" vermeldet. Den Ball in der "Goldenen Gans" am 10. Februar 1866 etwa richtete das "Vereinigte Eisenbahn-Personal" aus, wozu der Wirt "Extra-Bier" ausschenkte. Der Conditor Kießling empfahl dazu "Faschingskrapfen, Punsch-Essenz sowie feine und ordinäre Liqueure" zur geneigten Abnahme.

Die Gesellschaft "Eintracht" lud ebenfalls 1866 zur "Maskierten Knödelpartie" ein und der Gesangsverein "Liedertafel" versah seine liebevoll gestaltete Einladung zur "Faschings-Unterhaltung" in den "Vereinslocalitäten" mit dem Hinweis, sämtliche Teilnehmer möchten doch bitte maskiert erscheinen, einzuführende fremde Gäste wolle man dem Vorstand vorstellen und bei der "Production", solle das Rauchen eingestellt werden. Veranstalter einer "Großen maskierten musikalisch-mimischen-humoristischen Faschingsunterhaltung" war 1886 ebenfalls die "Liedertafel", während am 30. Januar 1895 in der Gastwirtschaft "Zum Holzgarten" der Wirt einen "Fastnachtsball mit maskierter Bauernhochzeit" inserierte.

Natürlich konnte man sich um 1900 bei Michael Beer in Schwandorf auch schon mit entsprechenden Fastnachtsartikeln eindecken, wie etwa "Gesichtsvisieren von Papier, Gaze und Seide in allen Farben, Nasen in allen Größen, Kopfbedeckungen aller Art, dann Bärten usw." An anderen Orte machte man sich mit dem Verkleiden weniger Mühe: Da gingen doch die Dorfburschen in einem Dorf im Oberpfälzer Jura nach dem 2. Weltkrieg zur "Fosnat" als "Kongoneger": Mit Ruß geschwärzt und nur mit einem Strohröckchen bekleidet. Angeblich waren einige der hartgesottenen "Neger" nicht nur oben, sondern auch unten "ohne".

Nach Meinung des Sprachforschers Johann Andreas Schmeller hat die Fas(t)nacht bzw. Fosenochd nichts mit dem Fasten zu tun, sondern hat eine enge sprachliche Verwandtschaft zum kölnischen (!) "Fastelovend" und habe damit eine gemeinsame Sprachwurzel mit dem in verschiedenen Sprachen vorkommende "fas" oder "fasa", was "erschrecken" oder auch "verkleiden" bedeutet. Demnach wäre sogar bei einer richtigen oberpfälzischen "Fosenochd" ein kräftiges kölsches "Alaaf" und ein "Helau" nicht einmal ganz verkehrt. (hw)
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.