Vermisst im Qualm

Diesmal war es nur eine Übung - doch so ein Dachstuhlbrand kann jederzeit auch ein Ernstfall sein. Die Suche nach Vermissten unter einem verqualmten Gebälk und ihre Bergung über eine Leiter trainierten Feuerwehrleute aus Rieden und Vilshofen. Die Verantwortlichen waren erfreut, dass auch viele Nachwuchskräfte dabei waren. Bild: sön

"Offener Dachstuhlbrand nach Explosion in Kläranlage, mehrere Personen vermisst": Nach dieser Alarmmeldung war keine Zeit zu verlieren. Auch wenn es nur um eine Übung ging.

(sön) Der Einsatzbefehl kam von der Integrierten Leitstelle Amberg: Per Sirene verständigte sie die Feuerwehren Vilshofen und Rieden, die nach wenigen Minuten mit ihren Fahrzeugen am Unglücksort waren. Die Leitung übernahm Oberlöschmeister Jürgen Piller.

Noch unter Schock informierte der Klärwärter die Einsatzkräfte darüber, dass sechs Personen vermisst würden - fünf auf dem stark verqualmten Dachboden des Technikgebäudes und eine weitere bei der Abwasser-Förderschnecke. Es habe eine Explosion gegeben, deren Druck einen Menschen ins Regenrückhaltebecken geschleudert habe: Er sei verletzt und bewusstlos. Damit war für die Retter klar: Die Personenrettung hat Vorrang. Die Verantwortung für den Einsatz der Atemschutzgeräteträger trug Thomas Appel, für die Höhen- und Tiefenrettung Riedens Kommandant Rainer Salbeck.

Da bei der Förderschnecke stark reizende Gase austraten, konnten die Einsatzkräfte den Verletzten nur mit Schutzmaske und Filter bergen. Atemschutzgeräteträger beider Wehren kletterten über eine Leiter in den verqualmten Dachboden. Zur Suche der Vermissten wurden auch Wärmebildkameras genutzt. Sanitäter der Riedener Wehr versorgten den Verletzten im Regenüberlaufbecken. Mit dem Wasser aus dem Tank ihres Fahrzeugs übernahmen die Vilshofener die erste Brandbekämpfung. Sie bauten mit Kommandant Rudi Beck als Abschnittsleiter auch eine Wasserversorgung von der Vils her.

Dann die Entwarnung: Die Verletzten auf dem Dachboden wurden gefunden und, durch Leinen gesichert, über die Leiter geborgen. Schwieriger wurde die Rettung eines Schwerverletzten, der sich im Gebälk verkrochen hatte. Die Opfer bei der Förderschnecke und im Regenrückhaltebecken wurden in einer von den Riedenern eingerichteten Sanitätsstelle erstversorgt.

"Übung erfolgreich abgeschlossen", hieß es nach knapp einer Stunde. Vilshofens Kommandant Rudi Beck lobte bei der Manöverkritik im Gerätehaus, dass Organisation und Leitung hervorragend geklappt habe. "Die Atemschutzgeräteträger fanden alle Vermissten", freute sich auch Thomas Appel, der dennoch einige Kritikpunkte ansprach. 3. Bürgermeister Gerhard Schnabel dankte den Wehrleuten, dass sie für solche Übungen ihre Freizeit opferten, "um euren Mitbürgern helfen zu können". Eine Brotzeit rundete die Übung ab.
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