Verschärfung nach Party-Rauferei

Drei Prozesstage waren vor dem Landgericht angesetzt. Doch dann ging alles sehr rasch. Mit der Folge, dass der genaue Ablauf einer Massenschlägerei am Steinberger See nicht mehr näher erörtert werden musste.

Der Gastgeber hieß "Elvis" mit Spitznamen, er feierte an einem Sommerabend vor zwei Jahren mit vielen jungen Gästen seinen Geburtstag am Steinberger See. Im Verlauf der Party wurde dann ein Teilnehmer bei einem Streit am Kiefer verletzt. Er griff zum Handy, rief einen Freund an, schilderte ihm die Lage und bat um Unterstützung. Reiner Zufall dabei: Der Freund und dessen Bekannter befanden sich zu diesem abendlichen Zeitpunkt gerade beim Angeln am Steinberger See. Sie brachen ihren Fischzug ab und rückten als eine Art Rollkommando bei der Fete an. Danach wurde es turbulent und chaotisch.

Die beiden Angler erschienen bei der Geburtstagsfeier, wollten die Schuldfrage klären und sorgten für ein schmerzhaftes Intermezzo. Einer von ihnen, 35 Jahre alt und bis dahin nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, hatte sich beim Anmarschweg durch den Wald mit einem armstarken Ast ausgerüstet. Seinen Knüppel schwingend sprengte der Mann mit Gardemaß die Party, schlug mit Fäusten zu, versetzte einem der Gäste einen wuchtigen Kopfstoß. Sein Begleiter (29), eher schmächtig, soll sich passiv verhalten haben. In erster Instanz war das deutlich geworden.

Geldstrafe reicht nicht

Irgendwann drehte sich die Situation auf dem Festplatz. Die beiden ungebetenen Eindringlinge, vor denen sich etliche Partyteilnehmer im Wald versteckt hatten, wurden selbst zu Gejagten. Etliche der Gäste rotteten sich zusammen, verfolgten beide bis zu einem Parkplatz und droschen dort massiv zu. Die Folge: Der 35-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch, sein Begleiter trug lebensgefährliche Kopfverletzungen davon und musste in eine Spezialklinik.

Vor dem Schwandorfer Amtsgericht wurde heuer im Frühjahr das Verfahren gegen eine Geldauflage gegen ihn eingestellt. Wer dem Mann die schweren Verletzungen beibrachte, konnte im Rahmen gesonderter Ermittlungen nur schwierig geklärt werden. Gegen einen von ihnen soll jetzt von der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben worden sein.

Der 35-Jährige, Vater zweier Kinder und in Schwandorf wohnhaft, bekam wegen Körperverletzung eine Geldstrafe in Höhe von 3750 Euro. Gegen diese vom Amtsgericht Schwandorf verhängte Ahndung legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Sie hatte ein Jahr Haft mit Bewährung verlangt. Nun sollten die Geschehnisse am Steinberger See vor der Dritten Strafkammer des Amberger Landgerichts erneut umfangreich erörtert werden. Abermals mit einem Heer von Zeugen. Doch dazu kam es nicht.

Neue Bewertung

Dem 35-Jährigen und seinem Anwalt Wilhelm Wartha (Schwandorf) wurde unmittelbar nach Prozessbeginn vom Kammervorsitzenden Gerd Dreßler verdeutlicht: "Ich sage es gleich: Wir halten die in erster Instanz verhängte Geldstrafe nicht für ausreichend." Ein klares Signal, dem sich Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier anschloss.

Ergebnis nach einigen juristischen Debatten: Sechs Monate mit Bewährung. Damit wurde vor Augen geführt: Haft, auch wenn sie zur Bewährung ausgesetzt wird, ist höher anzusetzen als eine nach Tagessätzen festgelegte Geldstrafe.
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