Verschluckt vom Toten Winkel

"Siehst Du den Toten Winkel?"

Kinder haben völlig andere Vorstellungen von Größendimensionen als Erwachsene. Das macht es nicht einfach, ihnen die damit verbundenen Gefahren zu vermitteln.

(sön) "Wenn ich den Fahrer nicht im Spiegel des Lkws oder Busses sehen kann, bin ich im Toten Winkel. Das heißt, dass der Fahrer auch mich nicht sieht." Das ist das zentrale Anliegen der Verkehrserzieherin Dagmar Mayer vom ADAC Nordbayern bei ihren Kursen zur Minimierung dieses Gefahrenpotenzials. Ihre gelehrigen Schüler diesmal: die beiden örtlichen Grundschulklassen der dritten Jahrgangsstufe.

"Des is owa a Riesen-Feuerwehrauto", staunten nicht nur die Buben der Klasse 3b auf dem Hof des Transportunternehmens Scharl. Zu löschen gab es nichts, das voluminöse Einsatzfahrzeug diente als hautnahes Anschauungsobjekt. Erst war die 3b mit ihrer Klassleiterin Rita Götze dran, dann kam die 3a mit Margit Heindl auf den Speditionshof. "Jedes Jahr", so die Verkehrserzieherin, "sterben viele Radfahrer oder Fußgänger bei Unfällen mit rechts abbiegenden Lkws".

Vorsicht an Ampeln

Passieren würde das meist wegen des Toten Winkels, der besonders die schwächsten Verkehrsteilnehmer, sprich Kinder, auf dem Schulweg oder während ihrer Freizeit förmlich verschlucke. Dieses Unfallrisiko sei besonders hoch, führte Mayer aus, wenn ein Lastwagen an einer Ampel stehe und nach rechts abbiegen wolle. Kinder oder Menschen, die rechts neben so einem großen Fahrzeug laufen oder zu Fuß unterwegs sind, geraten schnell in einen Bereich, in dem sie von den Leuten am Steuer nicht mehr gesehen werden. Zu erkennen wären sie lediglich im Rückspiegel des Lkws oder Busses, doch da gebe es diese gefährliche Lücke im Sichtfeld, die Toter Winkel genannt wird. Trotz aller kindgerechten Erklärungen blieb es nicht nur bei der Theorie. Die Mädchen und Buben durften auf dem Fahrersitz des Feuerwehrautos Platz nehmen, um die Größenverhältnisse zu erleben und auf die Suche nach dem Toten Winkel zu gehen. Eindrucksvoll lag er als mit einer Folie markierte Fläche schließlich auf dem Boden. "Da passt ja die ganze Klasse rein und der Fahrer kann nichts sehen", brachte die ADAC-Verkehrserzieherin so die Grundschüler zum Staunen.

Blickkontakt herstellen

Die Unterweisung nahm jeweils eine Stunde in Anspruch und Meyers abschließender Appell, "Blickkontakt schafft Partnerschaft", richtete sich an diejenigen, die nicht teilgenommen hatten: Fahrer von Autos. Kleinlastern, Lkws oder Bussen. "Bei Unsicherheiten lieber auf die Vorfahrt verzichten und so einen schlimmen Unfall vermeiden." Bereits eine Woche zuvor hatten die vierten Klassen diese Sicherheitsaktion absolviert.
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