Verständnis für Zweifler

Ja. Mir ist klar, dass Veränderung Verunsicherung bringt. Eschenbach hat etwa beim Krankenhaus schlechte Erfahrungen gemacht. Ich sehe aber vor allem eine große Chance.

Mit einer Standortgarantie für die Wirtschaftsschule Eschenbach kehrte Schulleiter Thomas Reitmeier aus dem Ministerium in München zurück. Ändern wird sich nach der Fusion mit Weiden dennoch einiges.

"Wenn wir nicht mit der Zeit gehen, gehen wir mit der Zeit." Für Studiendirektor Thomas Reitmeier bedeutet "mit der Zeit gehen" mit der Wirtschaftsschule Weiden zusammenzugehen. Der Eschenbacher Schulleiter erläutert im Interview, wieso er für seine Schule keine andere Möglichkeit sieht.

Herr Reitmeier, wie geht es mit den beiden Schulen weiter?

Vergangene Woche war ich in München, um im Kultusministerium mit dem Ministerialrat Einzelheiten der Zusammenlegung zu besprechen. Ich denke, wir sprechen von einer guten Lösung."

Was heißt dies im Detail?

Ab 1. August 2015 werde ich die beiden Schulen als Schulzentrum leiten. Berufliche Schulzentren gibt es bereits, bislang sind aber unterschiedliche Schularten zusammengelegt. Wir werden eine Sonderform bilden. Dies liegt an der räumlichen Nähe der Schulen, die ist bayernweit für staatliche Wirtschaftsschulen einmalig. Alternative wäre der Anschluss an eine Berufschule oder Berufliche Oberschule gewesen.

Die Schulen bleiben rechtlich eigenständig. Schülertourismus ist damit ausgeschlossen. Das Ministerium bekennt sich zu beiden Standorten. Solange die Nachfrage besteht, wird es die Schule in Eschenbach geben.

Ist es für Sie nicht schwierig, beide Schulen zu leiten?

Natürlich ist es eine Umstellung. Im Vergleich zu den bereits existierenden Beruflichen Schulzentren erscheint mit die Aufgabe eher unkompliziert. Der Schulleiter am Beruflichen Schulzentrum Marktredwitz-Wunsiedel hat sechs verschiedene Schularten an drei Standorten in seiner Verantwortung.

Ist die Zusammenlegung eine reine Sparmaßnahme?

Das kann man so nicht sagen. Es hat sich gezeigt, dass berufliche Schulen am besten bei einer Größe von etwa 800 Vollzeitschülern mit 60 bis 90 Lehrkräften arbeiten. Solch größere Schulen können sich eine mittlere Führungsebene mit speziellen Aufgaben leisten. Davon profitieren letztlich die Schüler.

Was bedeutet die Zusammenlegung für das Personal?

Änderungen gibt es sicher für die Fachbetreuer, die sind künftig für beide Schulen zuständig. Den weiteren Weg könnte man als Nachteil sehen. Allerdings waren bislang Fachbetreuer für mehrere Fächer zuständig. Nun ist eine Spezialisierung auf ein bis zwei Fächer möglich.

Unverändert bleiben die beiden Personalräte und der Verwaltungsbereich, weil die Schulen selbstständig bleiben. Bei den Lehrkräften wäre ein Austausch möglich, um so deren Beschäftigungssicherung zu erhöhen. Eine fürsorgliche Schulleitung wäre aber schlecht beraten, ohne Not gewachsene Strukturen zu zerschlagen. Es gibt aber an der Schule in Eschenbach Weidener Lehrer und umgekehrt. Es ist also durchaus möglich, dass Lehrer selbst wechseln wollen.

Sie sehen die Zusammenlegung also durchweg positiv.

Ja. Mir ist klar, dass Veränderung Verunsicherung bringt. Eschenbach hat etwa beim Krankenhaus schlechte Erfahrungen gemacht. Ich sehe aber vor allem eine große Chance. Unter den Lehrkräften beider Schulen gibt es bereits gute Kontakte. Wenn es uns gelingt, die Stärken beider Standorte zu nutzen, können wir uns gut aufstellen. Deshalb werde ich meine Kräfte für den Erhalt beider Standorte einsetzen."

Wie soll das konkret aussehen?

Einerseits versuchen wir an beiden Standorten eine gute Ausbildung zu gewährleisten. Ein Schulentwicklungsprogramm, die Kooperation Elternhaus-Schule sowie die Weiterentwicklung des Ganztagsbereichs sollen im Vordergrund stehen. Andererseits habe ich bereits neue Ideen, die ich im Ministerium vorgestellt habe. Diese müssen reifen und ausgearbeitet werden. Ich hoffe dabei auf das Vertrauen von Schülern, Eltern und Bürger. Ich freue mich, die anstehenden Herausforderungen mit meinem Team in Eschenbach und Weiden anzugehen.
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