Viel Wirbel um Wind

"Windpark? Nein, danke" ist das Motto der Kohlberger Bürgerinitiative. Nicht alle Einwohner teilen diese Ansicht. Das zeigte die Informationsveranstaltung im Gasthaus "Weißer Schwan". Bild: war

Mitte April hat sich eine Bürgerinitiative gegen einen geplanten Windpark gegründet. Sie nennt sich "BI für ein lebenswertes Kohlberg". Ihre Argumente stellte sie in einer Informationsveranstaltung im "Weißen Schwan" vor. Über 100 Interessierte hörten sich das an.

So sehr auch die Meinungen auseinander drifteten und die Töne schärfer werden - Gegner und Befürworter hatten sich intensiv vorbereitet.

Die Gegner hatten sich Schützenhilfe von Doris Kleber und ihrer BI aus Gleiritsch geholt. Dort habe die Stadt Pfreimd die Anwohner ohne Beteiligung vor vollendete Tatsachen gestellt. "Bleiben Sie in Ihrer Gemeinde im Dialog, lassen Sie keine Barrieren aufkommen, das Projekt ist noch nicht spruchreif", riet sie.

Auf Nachfrage von BI-Sprecher und Moderator Franz Schiffl bestätigte Bürgermeister Rudolph Götz, dass offiziell noch keine Bauanfrage vorliege. Von einer Entscheidung ohne Beteiligung der Bürger könne man nicht sprechen. Es liefen lediglich Grundstücksverhandlungen zwischen potenziellen Betreiberfirmen und Eigentümern. Die Gemeinde habe, angehalten von der Regierung, vor einiger Zeit vorausblickend einen Standort für eine mögliche Windkraftanlage an der Staatsstraße nach Amberg festgelegt.

Bürgerbegehen möglich

Damit habe der Gemeinderat lediglich ein Instrument gewählt, Einfluss darauf zu nehmen, dass die Anlage möglichst weit von der Bebauung (1750 Meter) entfernt sei. Auch für den Fall, dass die 10-H-Regelung fallen sollte. Da in Kindlas bereits eine Anlage in die Planung ging, können nicht von Verspargelung der Landschaft die Rede sein.

"Wenn notwendig, ja", antwortete Götz auf die Frage nach einem Bürgerbegehren. Der Marktrat will eine Bürgerversammlung ansetzen und einen Fragebogen verteilen. Würde dann der Betreiber einen Bauantrag stellen, müsste der Rat sich entscheiden und einen Flächennutzungsplan erstellen. Auch unter Berücksichtigung der Resultate einer Windmessung, die Johann Müller ins Spiel brachte.

BI-Sprecher Schiffl sorgt sich um die Landschaft: "Wir haben nichts als unsere schöne Lage in der Schutzzone des Naturparkes und machen ein Fass für weitere Flächen auf. Habt ihr euch Gedanken über die weitreichenden Folgen gemacht?" Erwin Fischer steht an seiner Seite: "Eine enorme Verschlechterung der Lebensqualität." Widersprüche entdeckte Johann Birner in einem Marktratsbeschluss aus dem Jahr 2010. Damals hatte Kohlberg Windräder in der Nachbargemeinde Schnaittenbach mit der Begründung "optisch erdrückend für das Landschaftsbild" abgelehnt.

BI-Vorsitzende Tanja Kunkel hatte zuvor Dr. Siegfried Burger aus Gleiritsch begrüßt, der in seinem Vortrag mit dem Titel "Segen oder politischen Placebo" die Gegenargumente mit detaillierten Zahlen und Quellen untermauerte. Er stellte die Wirtschaftlichkeit dieser bis zu 200 Meter hohen Anlagen in Frage und ging davon aus, dass die Industrie mit "illusionären Zahlen" arbeite. Von Windrädern würden nur wenige profitieren. In diesem Zusammenhang fiel der Name der skandalumwitterten Holdingfirma Prokon.

Kritisch beurteilte Burger auch die Zeiträume für sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen. Diese lägen weit höher als bei fünf oder sechs Jahren. Risiken trügen auch die Verpächter der Flächen. Sie müssten Rücklagen für die Rückbaukosten der Anlagen hinterlegen.

Umstrittene Thesen

Der zweite Referent, Martin Abel, warnte vor gesundheitlichen Risiken. Die Stichworte dazu lauteten Schlagschatten, Blitzlicht, Eiswurf und Lärm, vergleichbar mit einem laufenden Wäschetrockner.

"Wir haben uns bei der Ausweisung eines möglichen Standortes schon Gedanken gemacht", hielt Marktrat Reinhard Ponitz dagegen. Er verwies dabei auf ein Gutachten der Verwaltungsgemeinschaft. Zustimmung erhielt er von seinem Etzenrichter Gemeinderatskollegen Willy Koegst. "Im Gegensatz zur Atomenergie hinterlässt Windenergie keine Schäden, und steigert auch nicht, wie vom Referenten dargestellt, den CO2-Ausstoß."

Hilde Lindner-Hausner verwies auf die 10-H-Regelung. Das würde heißen, dass die BI mit einer zwei Kilometer entfernten und 200 Meter hohen Windkraftanlage einverstanden wäre. "Wie passt das mit den vom Referenten dargelegten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zusammen? Ob 1750 oder 2000 Meter Entfernung, worin liegt der Unterschied?", fragte sie.

Zur Frage "Was bringt uns ein Windrad in Kohlberg?" erhielt Schiffl von Manuel Metka, einem jungen Kohlberger, die Antwort: "Es wird etwas für die Umwelt getan." Fortsetzung folgt in der Bürgerversammlung.
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