Viel zu schön für ein Museum

Volksnah zeigte sich der Regensburger Oberhirte nach dem Gottesdienst. Beim Frühschoppen unterhielt sich Dr. Rudolf Voderholzer mit den Gästen. Bilder: do (2)

Endlich: Die Bergkirche in Eschenbach ist fertig. Mit Bischof Rudolf Voderholzer feierte die Pfarrgemeinde die Wiedereröffnung - nur beim Geläut gab es noch Probleme.

Aufregung in der Sakristei. Es ist fünf vor 10 Uhr. Zeit zum Glockenläuten für den Gottesdienst zur Wiedereröffnung der Bergkirche. "Herr Pfarrer, die Glocken läuten nicht", schreit da die Mesnerin in die Ruhe. Dekan Thomas Jeschner läuft zum Schaltbrett und probiert's selbst. Nix geht. Dem Pfarrer kommen die Schweißperlen. Ausgerechnet jetzt. Und das heute zur Wiedereröffnung, und vor dem Bischof. Da wird der Stadtpfarrer zum Techniker. Ein Blick in den Sicherungskasten, ein Knopfdruck und die Glocken läuten. Gott und Maria sei Dank.

Gedränge im Kirchenschiff

Dabei hätte es das Glockengeläut gar nicht bedurft. Die kleine Wallfahrtskirche ist schon überfüllt, die Gläubigen drängen sich auch in den Seitengängen und vor dem Eingangsportal. Die Bierbänke vor den Stufen sind gut belegt. Die Festmesse kann nach einem imposanten Kirchenzug den Stadtberg hinauf pünktlich beginnen. Schon der von der Stadtkapelle begleitete Zug des "Kirchenpersonals", der Gößweinstein-Wallfahrer, Kommunionkinder, Vereine, Stadt-, Pfarrgemeinde- und Kirchenräten, Firmenvertretern und Pfarrangehörigen, Bischof, Stadtpfarrer und Bürgermeister ließ erahnen: Eschenbach hat am Tag der Patronin Bavarias allen Grund zu Jubel und Freude.

Rudolf Voderholzer bestätigte schon beim Betreten der Bergkirche: "Das habt Ihr wunderschön gemacht." Bereits beim Zug habe er sich beim Anblick der auf dem Stadtberg thronenden Kirche gedacht, jetzt komme die Krönung. Sinnbildlich weise das Kirchlein in Richtung Himmel und verkörpere ein monumentales Glaubensbekenntnis.

Nach den Arbeiten erstrahlt die Raumschale im Licht der Scheinwerfer und der Deckenleuchten. Die Rokoko-Farbgebung bildet den gediegenen Kontrast zum Deckenfresko der "Aufnahme Mariens in den Himmel". Die Glasmalereien der Kirchenfenster schimmern im milden Tageslicht und geben den Blick frei auf die im unteren Teil verewigten Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Im Altarraum begrüßte den hohen Gast aus Regensburg das Deckenfresko "Maria Königin", und als Krönung lädt das wertvolle Gnadenbild "Maria Hilf" zum Verweilen.

Dieses Herzstück war es auch, das den Bischof in seiner Predigt philosophieren ließ. Voderholzer zeigte sich als Kenner der Kunstgeschichte und berichtete vom Entstehen des Gnadenbildes aus "protestantischer Hand". Der Maler Lucas Cranach der Ältere sei ein Trauzeuge Luthers gewesen. Die Mariendarstellung mit dem Jesuskind sei Zeugnis der damaligen protestantischen Lehre, die Menschlichkeit Mariens als Mutter des Gottessohnes zum Ausdruck zu bringen. Entstanden sei das Bild 1537 für die Heilig-Kreuzkirche in Dresden. Dann zeichnete der Bischof den Weg vom Museumsstück zum Habsburgischen Hof nach und schilderte die Verankerung in Innsbruck.

In Bildband aufnehmen

Das Marienbildnis schenke konfessionsübergreifend Hoffnung, weil es alle Menschen anrühre. Voderholzer versprach, die Kirche bei der Neuauflage des Bildbandes "Heilige Berge, heilige Quellen - Wallfahrtsstätten in der Oberpfalz" aufzunehmen. An den Stadtpfarrer und die Marienverehrer gewandt, appellierte Voderholzer: "Lasst dieses prächtige Gotteshaus nicht zum Museum werden, sondern zum Gebetshaus." Jedermann sollte die Möglichkeit haben, zur Gottesmutter zu kommen. "Helfen Sie mit, dass diese Kirche ein Raum der Begegnung wird zwischen Gott und den Menschen - und das mit der Fürsprache der Gottesmutter."

Das weitere Mess-Geschehen war geprägt von Gesängen und Fürbitten zur "Mutter der Gnade". Mit der Wiederöffnung des Tabernakels und dem Entzünden des Ewigen Lichts fand die Feier einen weiteren Höhepunkt. Der Kirchenchor und die Stadtkapelle begleiteten die Messfeier. Den Schlusspunkt setzte Stadtpfarrer Thomas Jeschner mit seinem Dank an die Spender, die Stadt für alle öffentlichen Geldgeber und die Bischöfliche Finanzkammer.

Auf dem Parkplatz feierte die Pfarrgemeinde dann weltlich die Wiedereröffnung. Eine Feldküche der Bundeswehr mit Angehörigen des 1. Artillerie-Bataillons 131 in Weiden servierte Gemüseeintopf mit Krakauer-Beilage und der Frauenbund begeisterte mit seinem Torten- und Kuchenbüfett. Derweil zeigte sich der Diözesanbischof volksnah. Leger schüttelte er, begleitet von Stadtpfarrer Thomas Jeschner, viele Hände.
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