Vier Tage im Zeichen Bonhoeffers

"Dinge, für die es sich lohnt, kompromisslos einzustehen", unter der Überschrift lädt die Evangelische Jugend in Bayern zu vier Tagen in Flossenbürg ein. Erwartet werden vom 8. bis zum 11. April mehr als 500 Teilnehmer. Anlass für die Mammutveranstaltung ist der 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer.

Flossenbürg. (nm) Jugendbegegnungen wickelt die Evangelische Jugend schon lange ab. Sie finden im Zuge der Überlebendentreffen statt. Junge Leute sind mit dabei, wenn im Sommer Überlebende des Naziterrors, Angehörige von Opfern, Organisationen und Delegationen zusammenkommen.

Großer Kirchenlehrer

Diesmal ist alles anders. Als Termin wählten die Veranstalter bewusst den April. Am 9. April 1945 wurde Bonhoeffer im KZ Flossenbürg hingerichtet. Das Wirken des evangelischen Pfarrers war nicht immer unumstritten. Inzwischen gilt er längst und über konfessionelle Grenzen hinaus als einer der bedeutendsten Kirchenlehrer.

Eine Passage aus dem Brief an Bruder Karl-Friedrich aus dem Jahr 1935 lieferte die Vorlage für die Veranstaltung: "Es gibt doch nun einmal Dinge, für die es sich lohnt, kompromisslos einzustehen. Und mir scheint, der Friede und die soziale Gerechtigkeit oder eigentlich Christus sei so etwas."

Patrick Wolf, Vorsitzender der Landesjugendkammer, verweist darauf, dass die Aussage nach wie vor hohen Stellenwert einnehmen muss: "Es gibt viele Dinge, für die es sich lohnt einzutreten, und ebenso viele Möglichkeiten, sich für eine Sache stark zu machen: Ungerechtigkeit, Intoleranz, Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung. Wir wollen aus dem historischen Anlass heraus fragen, wofür wir uns engagieren sollen, wo Jugendliche heute ihre lohnenswerten Ziele sehen und wo es reale Vorbilder gibt, die uns inspirieren und Antrieb geben. Die Inhalte unterscheiden sich kaum von denen vor 70 Jahren."

Start ist am Abend des 8. April und die gesamte Nacht hindurch mit einer Reihe von Workshops. Am nächsten Morgen treffen sich die Teilnehmer bereits um 5.30 Uhr auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte im Arresthof. Zu dieser Stunde wurden vor genau sieben Jahrzehnten Bonhoeffer und weitere Männer aus den Reihen des militärischen Widerstands ermordet.

Gespräch mit Jack Terry

Weiter geht es von Donnerstag bis Samstag mit einer Vielzahl von Arbeitsgruppen und Plenumsgesprächen. Vorgesehen sind Infos und Hintergründe zum NSU-Prozess, ein Zeitzeugengespräch mit Dr. Jack Terry, der als 15-Jähriger den Lagerterror überlebte.

Dazu gibt es Berichte und Diskussionen zur Frage, wie Lernen aus der Vergangenheit tatsächlich aussehen muss. Enden wird das Programm mit einem Gottesdienst am 11. April mit der Präsidentin der Landessynode Dr. Annekatrin Preidel. Die Evangelische Landesjugend hat die Messlatte für die vier Tage hoch gelegt. Das gilt nicht nur für die Inhalte, sondern genauso für die Vorbereitung und die Abwicklung in der Praxis. Ein enormer Aufwand steht für die Unterbringung, die Verpflegung, die Betreuung oder auch für das zusätzliche Rahmenprogramm an. (Hintergrund)
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