Volkskundemuseum Burglengenfeld zeigt Krippen von Siegfried und Matthias Prüll
Weihnachten zu Hause in der Oberpfalz

Die Krippe "Oberpfälzer Weihnacht" ist originalen Höfen in der Region nachempfunden. Bilder: Wolke (5)
 
Die Allerheiligen-Kapelle in Regensburg bildet den Hintergrund für diese Darstellung der Geburt Christi.

Die Krippen von Siegfried und Matthias Prüll sind vor allem eines: heimelig. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn bei Vater und Sohn der Krippenbauerfamilie findet das Heilsgeschehen stets vor einer original Oberpfälzer Kulisse statt.

Die Allerheiligen-Kapelle in Regensburg, die Ruine des Klosters Gnadenberg im Landkreis Neumarkt sowie eine ganze Reihe alter Höfe: Sie alle sind bei den Prüll'schen Krippen stimmungsvoller Hintergrund für Christi Geburt. "Die Krippen versetzen jeden Betrachter in eine wunderbar romantische Advents- und Weihnachtsstimmung." Es ist nicht übertrieben, was Dr. Margit Berwing-Wittl zu den Kastenkrippen von Siegfried und Matthias Prüll zu sagen hat.

Den Zauber, den die Leiterin des Oberpfälzer Volkskundemuseums in Burglengenfeld beim Anblick der Krippen verspürt, gibt sie nun an ihre Besucher weiter. "Oberpfälzer Weihnacht. Krippen von Siegfried und Matthias Prüll" lautet der Titel der aktuellen Sonderausstellung im Volkskundemuseum. Schneebedeckte Oberpfälzer Landschaften, aber auch der von blühenden Rosen bewachsene Domkreuzgang führen hier mit liebevollem Blick durch die Landschaft und die Architektur der Region. Mit ihrer Freude am Detail und der Darstellung alltäglicher Begebenheiten am Rande erinnern die Krippen an italienische Vorbilder. In der Tat genießen die Krippenbauer Prüll in Italien hohe Anerkennung - der erste Preis bei der Internationalen Krippenausstellung 1995 in Sassuolo ging an sie.

Für die Schau im Oberpfälzer Volkskundemuseum hatten es die beiden nicht weit: Siegfried und Matthias Prüll stammen aus Burglengenfeld und stehen dem Museum nahe. Gemeinsam mit Ehefrau und Mutter Annemarie, die sich um Kleider und Ausstattung der Krippenfiguren kümmert, bescheren sie den Ausstellungsbesuchern zum wiederholten Male weihnachtliche Stimmung.

Eine der erklärten Lieblingskrippen von Berwing-Wittl ist die Darstellung mit dem Titel "Der Weg". Ihre Begeisterung für die Szenerie inmitten eines verschneiten oberpfälzischen Dorfes teilt die Museumsleiterin mit Gerhard Ludwig Müller. Als Bischof nahm dieser die Krippe 2005 in seine Weihnachtspredigt im Regensburger Dom auf. "Was mich besonders beeindruckt, ist der geistliche und theologische Tiefgang in der Darstellung" befand der Bischof seinerzeit. Die Darstellung führe von der Geburt Christi hin zur Kirche und schließlich zum Friedhof, wo ein Kreuz von der Erlösung der Menschen künde, so Müller.

Jenseits der theologischen Tiefe begeistern die Krippen auch einfach durch ihre Vielfalt und das technische Können ihrer Schöpfer. Da sind die naturgetreuen Gebäude mitsamt ihrem bröckelnden Putz, die bäuerlichen Gerätschaften, die Hundehütte, das Vogelhäuschen, die Taube, die das Geschehen von hoher Warte aus beobachtet: In geduldiger Feinarbeit hat die Familie Prüll ihre Krippen gezimmert, modelliert, genäht und verfeinert. Einen Einblick in die Herstellung gibt eine Vitrine zu Beginn der Ausstellung. Dort wird der Entstehungsprozess der Krippenfiguren vom Gerüst bis hin zur Einkleidung dokumentiert.



Für das Oberpfälzer Volkskundemuseum haben Krippenausstellungen Tradition. In regelmäßigen Abständen wird hier der weihnachtliche Brauch gezeigt und historisch beleuchtet. "Die Gewohnheit, Weihnachten durch die Darstellung der Geburt Jesu zu feiern, ist recht alt, weitaus älter als der Christbaum", erfährt man auch diesmal. Darstellungen der Geburt Christi sind bereits aus dem 4. Jahrhundert belegt.

Erst im ausgehenden 16. Jahrhundert aber fanden die Krippen in ihrer heutigen Form Eingang in den Kirchenraum. Die Jesuiten erkannten darin eine ideale Form, die Glaubenswahrheiten visuell und somit allgemeinverständlich darzustellen.

Vor allem in der Zeit der Gegenreformation und des Barock wurden die ursprünglich nur in Kirchen aufgestellten Krippen immer ausufernder. So sehr, dass es der mittlerweile aufgeklärten Staatskirche alsbald zu viel wurde. Im Bistum Regensburg galt ab 1789 das Gebot: Krippen haben sich auf die Hauptszenen der Geburt Christi und die Anbetung des Kindes zu beschränken.


Die Krippenleidenschaft wurde damit nicht gebannt sondern lediglich in den privaten Bereich verschoben. Anhänger schlossen sich in den seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten Krippenbauvereinen zusammen. Eine erneute Begeisterung für die Krippe machen Wissenschaftler seit den 1970er Jahren aus. Beliebt wurde im Laufe der Zeit das Heilsgeschehen inmitten einer vertrauten Landschaft. So auch bei Siegfried und Matthias Prüll. Die Darstellungen der Burglengenfelder Krippenbauer entführen in eine heimelig-weihnachtliche Atmosphäre.
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