Volles Rohr Arbeitskampf

Kurz vor der nächsten Tarifverhandlungsrunde in der Metall- und Elektrobranche hat die Industriegewerkschaft Metall (IGM) den Druck erhöht. Im Trabitzer Faurecia-Werk und bei Siemens Kemnath traten die Beschäftigten am Montag in Warnstreiks.

Trabitz/Kemnath. (bjp/stg) 5,5 Prozent mehr Lohn, die Verlängerung und Optimierung der Ende März auslaufenden Altersteilzeit sowie die Verankerung eines tarifvertraglichen Anspruchs auf Bildungsteilzeit: Um diese gewerkschaftlichen Forderungen streiten IGM und Arbeitgeber. "2,2 Prozent bis zum Jahresende hat uns die Gegenseite geboten, aber dafür sind wir nicht auf die Straße gegangen", hielt Sabrina Feige bei der Kundgebung um 11.30 Uhr in Trabitz fest. Ähnliches verkündete Matthias Scherr als Hauptredner in Kemnath. Rund 350 Mitarbeiter waren vors Siemens-Werkstor gekommen.

"Indiskutabel" nannte die IGM-Fachsekretärin in Trabitz, dass die Arbeitgeber offenbar die Altersteilzeit nicht mehr mittragen wollen. Strittig sei ebenfalls noch immer die neue Bildungsteilzeit, also die Option, sich auch auf Kosten der Arbeitszeit arbeitsmarktrelevant weiterzubilden, ohne für die Zeiten komplett auf Einkommen verzichten zu müssen. "Die Arbeitgeber wollen allein entscheiden, wer sich qualifizieren darf", bedauerte Feige. Dies laufe auf eine "Vergabe nach Nasenfaktor" hinaus: "Fortbilden darf sich, wer den Arbeitgebern genehm und eventuell gar bereit ist, in Vorleistung zu treten." Im Interesse einer "fairen Verteilung" wolle die Gewerkschaft keinesfalls auf ihr Mitspracherecht verzichten.

Zugang zu Fortbildung

Nicht zuletzt sollten jüngere wie ältere Mitarbeiter gleichermaßen Zugang zu Fortbildungen erhalten. Wünschenswert seien "Anpassungsqualifizierungen" für ältere Kollegen, um diesen nötigenfalls den Weg zu altersgerechteren Arbeitsstellen als Alternative zu Arbeitslosigkeit oder prekärer Zeitarbeit zu eröffnen. "Ihr seid in bester Gesellschaft", rief Feige den Streikenden zu: Bis zum vorigen Freitag hätten in Bayern 132 900 und bundesweit gut eine Million Kollegen an Warnstreiks teilgenommen, am Montag sei in der Nordoberpfalz auch in Amberg, Kemnath und Tirschenreuth gestreikt worden.

"Das ist eine Wucht, an der die Arbeitgeber nicht vorbeikommen.", gab sich die Gewerkschafterin siegesgewiss. Scheiterten die Gespräche allerdings, so sei die Urabstimmung über einen Streik der nächste Schritt. Nach der Kundgebung lud Sabrina Feige die Mitarbeiter zur Zusammenkunft im Zessauer Gemeinschaftshaus ein. Die Warnstreiks am Abend und am Dienstagmorgen verliefen ohne Kundgebungen.

"Wir für mehr Geld im Sack!" - so lautete das Motto beim Warnstreik in Kemnath. Von 13.13 bis 14.14. Uhr zeigten die Arbeitnehmer Flagge. IGM-Fachsekretär Matthias Scherr betonte die Wichtigkeit der Warnstreiks: "Dies ist euer gutes Recht." Seit dem Warnstreik von zwei Wochen habe sich vonseiten der Arbeitgeber nichts getan. "Es ist alles für eine Urabstimmung und einen unbefristeten Streik vorbereitet", warnte Scherr. Auch er rief die Forderungen der Gewerkschaft in Erinnerung. Es sei logisch, dass in Zeiten von Rekordgewinnen bei den Konzernen auch den Beschäftigten ein "Teil des Kuchens" zustehe. Scherr erinnerte an den letzten Streik, der vor genau 20 Jahren begonnen habe. "Die Arbeitgeber haben nichts daraus gelernt", bedauerte er.

"Eine Frechheit"

Begrüßt worden waren die "Warnstreikenden" von Diana Seifert, Sprecherin der IGM-Vertrauensleute in Kemnath, deren Kollegen Harald Tretter sowie Peter Hofmann vom DGB. Das bisher vorliegende Angebot der Arbeitgeber, so Seifert, sei eine Frechheit und eine Provokation.
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