Vollgas im Kirwa-Zelt

Im Sautrog unterm Dach schaukelten die Kirwaburschen Franz Hüttner und Alexander Plößl wie wild mit, während "da Huawa, da Meier und i" auf der Bühne Vollgas gaben. Das Publikum war restlos begeistert, stand zum Schluss auf den Bänken und hatte auch nach fast vier Stunden und fünf Zugaben noch nicht genug. Bild: hfz

Das Festzelt bebt beim Auftritt von "Da Huawa, da Meier und i". Dreieinhalb Stunden lang gaben die Kult-Musiker am Montag Vollgas. Die Kirwaleit von Kemnath am Buchberg feierten mit dem Konzert ein grandioses Finale ihres 25. Vereinsjubiläums.

Direkt vor der Bühne hängt unter dem Zeltdach ein Sautrog: Die Kirwaburschen Franz Hüttner und Alexander Plößl recken begeistert die Hände in die Höhe und schwingen im Takt mit. Unten klatschen zur Musik frenetisch die 700 Zuschauer. Die Stimmung in der vollen Bude könnte nicht besser sein.

Von der ersten Minute an hat die Band die Masse im Griff. Das Trio bestellt mit lautstarker Unterstützung des Publikums beim Refrain "des guate, gschmackige, bayerische Bier" und bekommt prompt sechs Maß auf die Bühne geliefert, weil gleichzeitig eine Bedienung und auch noch ein Helfer direkt vom Ausschank starten. Kein Problem: "Zruckgebn wird nix" - bei der Hitze ist jeder Tropfen des Gerstensafts willkommen.

Windrad auf den Kirchturm

Der Schweiß fließt in Strömen bei Christian Maier ("da Huawa"), Matthias Meier ("da Meier") und Siegi Mühlbauer ("i"). Die drei reißen die Zuhörer mit, die beim Singen, Klatschen und Schunkeln ebenfalls kaum zu bremsen sind. Die Botschaft in den Liedern ist meist witzig verpackt - trotzdem voller Hintersinn. Mit Humor und Ironie kommen zum Beispiel kritische Anmerkungen über Agrarpolitik, Fleischerzeugung, Windkraftwerke, Solarstrom, Maisanbau und Biogasanlagen an. "Da Huawa" und "da Meier" stellen dabei sogar lokalen Bezug her und fragen, ob eines der beiden Windräder unmittelbar neben Kemnath nicht gleich auf dem Kirchturm installiert hätte werden können, bei dessen Dach anscheinend das Kupferblech nicht gereicht hat. Da hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können.

Ein paar Späße über den Nachbarort Witzlricht ("ich find den Namen so witzig") folgen. Und von einer attraktiven Blondine will Christian Maier wissen, ob sie sich extra für den Abend im Kemnather Friseurgeschäft "Frisurenpavillon" hat stylen lassen.

Anbaggern im Disco-Zelt

Dann kommt das Kirwapaar zur Verstärkung auf die Bühne: Christina Ott und Stefan Gräf halten die Plakate mit dem Frage- und Antwort-Text für das Publikum, während die Band beschreibt, wie schwierig es für einen Kerl ist, im Höllenlärm einer leider so modernen Zelt-Disko ein fremdes Mädchen anzubaggern.

Nach einer nur kurzen Pause stehen in der zweiten Runde mehrere Songs aus dem neuen Programm "d' Würfel san rund" auf dem Programm. Es geht um Kinderstars, schmalzige Volksmusik-Sendungen à la Silbereisen und Casting-Shows.

Zwischendrin wird es mucksmäuschenstill im Zelt - Christian Maier nimmt das Publikum mit an den "Blauen See". Viel Nachdruck steckt hinter seiner Botschaft, die eigenen Wurzeln, den Dialekt, und die Heimat zu pflegen: "Bittschön sog net immer tschüss, wennst gehst!" lautet der Titel.

2016 im Luber-Saal?

Dann ein fulminantes Finale. Vom zehnjährigen Buben bis zum 75-jährigen Senior stehen alle auf den Bänken und klatschen mit. Die meisten haben auch nach fünf Zugaben noch nicht genug, aber ein paar Minuten vor Mitternacht ist trotzdem Schluss. Zum Trost verspricht Siegi Mühlbauer, 2016 wieder zu kommen. Er hat in Kemnath die Wirtin Ingrid Luber kennengelernt und will dafür sorgen, dass der legendäre, aber inzwischen fast das ganze Jahr leer stehende Luber-Saal wieder einmal aus allen Nähten platzt.
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