Vom Aussterben bedroht

Heinz Kunnert liebt seine Brieftauben. Hier erklärt er stellvertretender Bürgermeisterin Simone Walter, worauf es ankommt.

Sie haben nicht nur einen Vogel - und sind auch noch stolz drauf. Kirchenlaibachs Taubenzüchter gehören zu einer aussterbenden Art. Dabei habe ihr Hobby so viel zu bieten.

Sechs Brieftaubenzüchter gibt es noch in der Gemeinde. Heinz und Holger Kunnert und ihre Mitstreiter sind dafür umso enthusiastischer. Es sei ein aufwendiges und ein teures Hobby, sagt Heinz Kunnert. "Immerhin ist es billiger als rauchen", sagt der 66-Jährige und lacht. "Man muss halt auch ein bisschen verrückt sein", ergänzt sein 39-Jähriger Sohn. In andern Regionen in Deutschland seien Preisflüge und Wetten auf die Tauben normal, bei den bayerischen Brieftaubenzüchtern gehe es nur um die Ehre.

Trotzdem treten 2500 Tauben der Vereine Bindlach, Immenreuth, Pressath, Thurndorf, Pegnitz und Kirchenlaibach an. Hier gibt es zwei Clubs, die "Grenzlandflieger" und die "Pointstürmer". Knapp 300 Tiere schicken die sechs Züchter auf die Reise. Der Kabinenexpresslaster der Reisevereinigung Pegnitz bringt sie zum Start, zum Beispiel ins 225 Kilometer entfernte Pfungstadt in Südhessen. Tags darauf werden die Tauben dort freigelassen, fliegen bei gutem Wind bis zu 110 Kilometer in der Stunde zielsicher zurück in die Heimat. 13 Samstage hintereinander geht das so. Bis zu 675 Kilometer betragen die Flugstrecken. Nur bei schlechtem Wetter wird der Auflass verschoben - im schlimmsten Fall müssen die Tiere im Transporter zurück, denn bei widrigen Bedingungen wollen die Züchter ihre Tiere nicht verheizen. Für den Transport zahlen die Züchter zwischen 43 und 46 Cent pro Taube.

Heinz Daschner, der Vorsitzende der Grenzlandflieger, bedauert, dass sich immer weniger junge Leute für das Hobby interessierten. Die Zahl der Züchter in der Reisevereinigung sei in den vergangenen zwei Jahren von 70 auf 52 zurückgegangen. "Unsere Zunft wird halt bald aussterben", fürchtet Daschner. Der Jüngste im Verein ist mit acht Jahren Holger Kunnerts Sohn Luca.

Opa Heinz ist derzeit Herr von 309 Brieftauben. Das ist mit viel Arbeit verbunden. Zweimal füttern am Tag, einmal Käfige und Stall saubermachen - dreimal die Woche baden. "Ja, das gehört auch dazu. Die Tiere müssen sauber sein." Bei dem Aufwand tue es weh, wenn ein Tier nicht zurückkehrt. Schuld seien oft Greifvögel.

Nachdem der Kabinenexpress mit den Tauben abgefahren ist, gehen die Züchter zum gemütlichen Teil über. In der Scheune von Heinz Kunnert gibt es warmen Leberkäs und Bier. Neben den Kunnerts gehören Heinz Daschner, Josef Dötsch, Max Opitz, Erich Walter, Otto Fischer und Heinz Pietsch dazu. Titelverteidiger ist Otto Fischer, seine Tauben waren auch beim ersten Flug dieser Saison vorne. Viel zu gewinnen gibt es für Brieftaubenzüchter nicht. Aber das ist den Züchtern egal. "Viel wichtiger ist die Kameradschaft, dass wir uns zusammensetzen und plaudern können", sagt Heinz Kunnert.
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