Vom Schniapfl der alten Zeit

Die letzten Ringelblumen aus dem Goglhof-Garten schmücken den Tisch, an dem Josef Schmaußer (links) erzählt und Hans Pirner (rechts) sowie Theo Stümpfl musizieren. Bild: hka

"Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand." Das vielstrophige, mit märkischem Platt geschmücktes Gedicht von Fontane über den Birnen verschenkenden Ribbeck auswendig vorzutragen, ist das eine. Damit einen Oberpfälzer Heimatabend zu eröffnen ungewöhnlich.

Schon im Januar, beim letzten Auftritt Josef Schmaußers auf dem Goglhof, stöhnte Hermann Gnahn: "So vül homma no nie äizwängt!" Diesmal musste der Vorsitzende des Freundeskreises Goglhof alles zusammensuchen und in die Stube schleppen, um für die vielen Besucher zusätzliche Sitzgelegenheiten zu schaffen. Und Hausherrin Margarete Jäkel wusste es zu würdigen, "dass unsere Gäste statt in ihrem bequemen Fernsehsessel auf harten Bänken sitzen".

Drei Zugpferde

Es sind an diesem Abend drei Zugpferde, die den Besucheransturm verursachen: Theo Stümpfl und Hans Pirner, bekannte und gerngesehene Musikanten auf dem Goglhof, und vor allem Josef Schmaußer, Lehrer, Heimatpfleger, Mundartforscher und Autor aus Hohenkemnath. Er ist einer, der Fontane rezitieren kann, der aber auch glücklich ist, dass er "grod no den Schniapfl von da altn Zeit" erlebt hat. Als vorletzter "Häitabou" in seinem Dorf, als Kind einer Bauernfamilie, die bis in die 1960er Jahre in ihrem Hof noch ohne Traktor und nur mit zwei Kühen ausgekommen ist, will er "die gute alte Zeit" nicht verherrlichen, erinnert sich aber dankbar "an die Wärme, die wir als Kinder erleben durften".

In seinen Geschichten und Texten erzählt er vom einfachen Leben, insbesondere vom Abschluss des Bauernjahres. Das Erdäpfelklauben gehörte dazu, mit der ganzen Familie auf dem Acker, das Schnitzen der Rüben, das Einkellern, aber auch die Kirwan in den Nachbarsdörfern, auf die man sich gefreut und die man vor allem am Montag besucht hat. "Die einfache Zeit hat mich geprägt", gesteht Schmaußer. Er liebt heute noch den Geruch eines umgeackerten Feldes, den Duft von Heu und Getreide, freut sich auf den "ersten Schnäistewerer", braucht und liebt den Wechsel der Jahreszeiten.

Sitten und Gebräuche

Die Liebe zur vergangenen Zeit und ihren Sitten und Gebräuchen macht sein Interesse aus an Dialektausdrücken, an Bauernregeln, an der Art, wie die ländlichen Feste gefeiert wurden. Die Kirwa in Hag, das "Café Lauterach" der Wirtin Monika Weiß, die Wirtschaften "Wild Vaitl"oder "Götz Gustl" in Amberg, in denen sein Vater von Zeit zu Zeit eingekehrt ist, all das hält Josef Schmaußer fest, schriftlich, damit es nicht vergessen wird.

Vom Ende des Jahres ist es nicht weit zum Ende des Lebens. Vom Leichtrunk erzählt der Heimatpfleger, zeigt der Gästerunde alte Sterbebilder, schildert den früher üblichen Transport der Särge auf dem Leiterwagen. "Mit dem Absterben in der Natur wird dem Menschen die Vergänglichkeit vor Augen geführt", weiß er, verweist auf Allerheiligen und Allerseelen und die damit verbundenen Bräuche, die bei Katholiken und Protestanten durchaus unterschiedlich sein können.

Lebhaft wird es in der Stube, als es um die Dialekt-Unterschiede geht, und zwar nicht nur im Landkreis, sondern schon auch schon am Goglhof, denn ob kloi oder kloa, hom oder haoud, solche Signalwörter zeigen die Herkunft eines Menschen an, weiß Schmaußer. Und er dankt den Gästen für ihr Mitmachen: "Ich krieg immer wieder was geschenkt", sagt er und notiert sich Ausdrücke, die auch für ihn, den Experten, neu sind.

Kirwa-Stückln

Was aber wären all diese Worte ohne die Musik? Das Duo Theo Stümpfl, Gitarre, und Hans Pirner, Akkordeon, verbindet die Geschichten mit den Stückln, wie sie auf den Kirwan hier gespielt worden sind und gespielt werden. Die Fenster sind beschlagen in der Goglhof-Stube vom Atem der vielen Besucher, draußen ist noch immer eine frostfreie Nacht, keine Gefahr also, dass es auf der Heimfahrt "haal", das heißt glatt, werden könnte.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eberhardsbühl (89)November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.