Vom Steinbruch zur Bühne

Die Katholische Theatergruppe spielte im Jahr 2006 das Stück "Liebe, Geld und Altpapier" auf der Naturbühne des Schönbergs. Bilder: rgr

Ob es nun Schillers "Räuber" waren, ein Stück von Johann Nestroy, Goethe oder Wolfgang Bräutigam - die Naturbühne am Schönberg bot jedes Mal eine erstklassige Kulisse. Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm hat einiges über die lange Tradition auf dem Schönberg herausgefunden.

Grafenwöhr. (rgr) Auf eine rund 90-jährige, wenn auch immer wieder unterbrochene Tradition kann der Schönberg als Kulisse zurückblicken. "Während der Annaberg mit seiner Kirche, der Lourdesgrotte, der Gruft und dem Kreuzweg mehr religiösen Charakter trägt, dienen die schattigen Schönberganlagen zur Abhaltung weltlicher Festveranstaltungen", schreibt Oberlehrer Schenkl in einem um 1935 erschienenen Stadtführer. Das Gebiet der heutigen Naturbühne auf dem Schönberg war nach dem Ersten Weltkrieg bis 1920/21 ein Steinbruch.

Noch heute legendär

Nachdem Baumeister Hans Buchfelder die Ausbeutung aufgegeben hatte, lag dort eine hügelige Fläche mit Erdabraum. 1920 wurde zum ersten Mal das Johannisfeuer in dem aufgelassenen Steinbruch abgebrannt. Nachdem der Platz planiert war, bepflanzte Brauereibesitzer Florian Göppl den Ostabhang des öden Schönbergs mit Eichen, Birken, Ahornbäumen und verschiedenen Sträuchern.

Der ehemalige Grafenwöhrer Bürgermeister Wolfgang Brunner schrieb 1953: "Wegen der Gestaltung des Schönbergs besprachen wir uns immer wieder ... Als ich im Jahre 1933 Bürgermeister geworden war, kam Hans Siller sofort zu mir und legte seinen Plan für die Naturbühne auf dem Schönberg vor. Wir fuhren nach Wunsiedel zum Direktor der Bayerischen Landesbühne. Dieser machte uns Mut und gab uns wertvolle Winke für die Gestaltung der Bühne. Die Stadt übernahm die Finanzierung, und ich konnte dem baufreudigen Siller die Aufsicht über die Gestaltung des Schönbergs übertragen. Am 13. Juni 1933 konnten wir das erste Theaterstück steigen lassen. Es hieß ,Es brennt an der Grenze', von Kyser, aufgeführt von der Leitung der Bayerischen Landesbühne."

Schenkl bezeichnet es im Stadtführer als "vaterländisches Schauspiel". "Ein finanzieller Gewinn wurde nicht erzielt, aber die Naturbühne in Grafenwöhr gewann Ansehen bei vielen Menschen aus nah und fern, nachdem die Pläne für Theateraufführungen bei den alten Grafenwöhrern zuerst nur geringen Widerhall gefunden hatten", schrieb Brunner.

Während des Kriegs wurde die Naturbühne nicht bespielt. Mit dem Schauspiel "Die Räuber" von Friedrich Schiller setzten die Theaterfreunde Grafenwöhr die Aufführungen auf dem Schönberg 1949 fort. Im August desselben Jahres gab es drei Aufführungen des Stücks, einstudiert und inszeniert von Oberspielleiter Stefan Preußner von der Oberpfälzischen Landesbühne Weiden.

Die Schauspieler probten im Sitzungssaal des Rathauses. Das Bühnenbild entwarfen die Grafenwöhrer Gustav Härtl und Michael Hößl. Die Kostüme kamen vom Stadttheater Regensburg, die Darsteller waren Grafenwöhrer, Eleonore Paulus spielte die einzige Frauenrolle. Akteure und Zuschauer sprechen noch heute von den Aufführungen.

Am 11. September 1949 standen Schauspieler von Bayreuth auf der Naturbühne mit dem klassischen Stück von Goethe: "Iphigenie und Tauris". Erich Spahn und Anton Peter mussten dafür 5000 D-Mark Kaution stellen. Dank der Grafenwöhrer glich sich das aber wieder aus.

Im Stadtanzeiger von 1973 schreibt Josef Richter: "Die Naturbühne auf dem Schönberg ... darf eine Sehenswürdigkeit der Stadt genannt werden. Leider haben Witterungseinflüsse und mutwillige Zerstörungen von Menschenhand argen Schaden an verschiedenen Teilen der Bühne angerichtet. Die Stützmauern mussten erneut instandgesetzt und die Einfahrt zur Bühne von Felsentrümmern freigelegt werden." Der Heimatverein um Walter Birke hielt später den Schönberg instand. Abgesehen vom jährlichen Schönbergfest war die Naturbühne im Dornröschenschlaf. Erst 1985 kam wieder eine Gruppe junger Schauspieler zum Schönberg.

Wie Bayreuth und Wunsiedel

Heimatvereinsvorsitzender Werner Biersack verglich diese Aufführung humorvoll mit anderen Festspielorten: Bayreuth habe seine Wagner-, Wunsiedel seine Luisenburg- und Grafenwöhr seine Schönberg-Festspiele. "Was anschließend die 21 Schauspieler fast zwei Stunden lang auf die Bühne zauberten, überraschte alle Zuschauer." Die Theatergruppe des Gymnasiums Eschenbach führte Nestroys "Freiheit in Kräwinkel" unter Leitung von Studienrat Thomas Frankenberger auf.

Viel zu lachen und schöne Erfolge feierte auch die Katholische Theatergruppe unter Regie von Wolfgang Bräutigam. Leider machten die Mängel der Bühne das Spielen nicht mehr möglich. Die sind in den vergangenen Jahren behoben worden (wir berichteten). Am Freitag, 18. September spielt die Katholische Theatergruppe zur Neueröffnung nach der Renovierung der Naturbühne einen Sketch.
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