Vom Weiher zu Weha?

Der ausgewiesene Wanderweg Weha (unteres Schild) ist bei Wanderfreunden bekannt. Bilder: hwk
 
Ruhestandslandwirt Josef Zeitler weiß, wo der Ortsname Weha herkommt: Er hat Aufzeichnungen des Heimatforschers Josef Besold.

Ein Dorf, vier Buchstaben und 66 Einwohner: Beim Blick auf die Landkarte ist der Name "Weha" eine der Ortsbezeichnungen, von der man nicht genau weiß, wo sie eigentlich herkommt. Einer ist sich über die Begriffsherkunft des Dorfes am Fuße des Rauhen Kulms (Gemeinde Kastl) dagegen ganz sicher.

"Von den Weihern, die früher und zum Teil noch heute bei Weha sind", sagt Josef Zeitler. Der 81-jährige Landwirt bezieht sich auf die Veröffentlichungen der früheren Heimatforscher Josef Scheidler und Josef Besold. "Das Dorf dürfte somit auch in enger Verbindung mit dem Schloss Wolframshof stehen", erklärt Zeitler weiter und winkt ab bei der Frage, ob Weha vielleicht von "Wehr" kommen könnte. "An der Haidenaab gibt es schon Wehre, aber die sind doch viel zu weit weg, um daraus den Ortsnamen abzuleiten", ist sich der Ruhestandslandwirt sicher.

In Dialekt übernommen

Die Ortschaft mit den 66 Einwohnern - 35 männliche und 31 weibliche - kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: In offiziellen Urkunden taucht Wolframshof zum Beispiel 1054 das erste Mal auf. Es ist auch bekannt, dass es am Rauhen Kulm bereits sehr frühe Siedlungen gab. Deshalb ist es nicht abwegig, dass zwischen dem Basaltkegel und der Haidenaab ebenfalls früh eine Siedlung entstanden ist. In den Leuchtenberger Lehenbüchern und in Urkunden des Klosters Speinshart taucht die Ortschaft erstmals Ende des 14. Jahrhunderts auf. Ein Schriftstück von 1394 ist heute noch vorhanden, in dem die Leuchtenberger die Mühle von "Mulhofen" (Mühlhof) und zwei Güter zu "Weach" der Frühmesse zu "Kastel" schenken. "Im Laufe der Zeit wurde wohl die Aussprache im Dialekt zum offiziellen Namen übernommen." Die Texte hierzu hat Zeitler aus einem Buch von Heimatforscher Besold.

Das Dorf liegt am Fuße eines der schönsten Naturwunder Deutschlands an der Grenze zum Landkreis Neustadt/Waldnaab. Spätestens seit diesem Titel und mit der Ausweisung einer Wanderroute vom Dorf auf den Aufsichtsturm ist Weha Wanderfreunden ein Begriff, weiß Zeitler. "Vom Wanderparkplatz oder vom Bahnhof Kemnath-Neustadt aus brechen viele zum Aufstieg auf und kommen über den ,Deiflsoarschkern' wieder runter."

Beim Begriff "Teufelsarschkern" lohnt es sich, genauer nachzufragen: Zeitler, der schon sein ganzes Leben lang in Weha lebt, erzählt die Geschichte von der markanten Landschaftsformation gern: "Früher war es so, dass sich die Leute oftmals fürchteten, wenn sie in den Wald hinaus mussten. Wenn es dann nass, kalt und schon dämmrig war oder es Nebel gab, dann entstanden solche Geschichten vom Teufel oder anderen Wesen, die sich umtrieben." Vermutlich beruht der Name auf der Landschaftsform des Punktes - ein tiefer Geländeeinschnitt zwischen zwei Hügeln, der von einem Wassergraben durchzogen ist.

Bahn, Basalt, Bruch

Durch den Bau der Eisenbahn hat Weha fast vor der Haustür einen Bahnhof, weil die Kemnather in ihrer Stadt keine eigene Haltestelle wollten. Dadurch ging die Eisenbahnlinie Bayreuth-Weiden relativ weit abgelegen durch den Kulmwald. Mit der Eisenbahn kam auch der Basaltabbau nach Weha, bei dem sich etliche Leute im Steinbruch etwas dazu verdienen konnten, erzählt Zeitler weiter. Am "Kühhübel", eine 511 Meter hohe Erhebung vulkanischen Ursprungs, wurde mehrere Jahrzehnte größtenteils Schotter zu Straßen- und Schienenbauzwecken gebrochen. Der Steinbruch wurde um das Jahr 1860 eröffnet und etwa bis Ende des 19. Jahrhunderts genutzt. Durch den Abbau wurde ein zirka 30 Meter tiefer kraterartiger Trichter in den Berg getrieben. Nach dem Abtrag der Basaltkuppel wurde die Förderung in einem unterirdischen Gang weiter betrieben. Der Steinbruch mit seinem tiefen Trichter ist heute komplett zugewachsen.

Zeugnis aus der Geschichte

1988 wurden bei einer Pflanzaktion auf einer Wiese zwischen Weha und Reisach zwölf Münzen gefunden. Dabei handelte es sich um elf Taler, die zwischen 1616 und 1631 geprägt worden sind, sowie ein Goldgulden aus dem Jahr 1622. Warum wurde das Geld vergraben? Im Dezember 1631 eroberten schwedische Heere die Stadt Eger, vier Regimenter Tillys wurden in die nördliche Oberpfalz abkommandiert. Ab dieser Zeit kehrten die Grauen des Krieges mit unzähligen Plünderungen, Mord und Totschlag in die Region ein. Am 15. Januar 1632 wurde Kastl geplündert. Von Kemnath wird berichtet, dass die Stadt "fast zum grundt ruiniert" war.

Beim Fund fiel auf, dass es sich hierbei nur um "Großgeld" handelte. Minderwertige Münzen aus dem täglichen Umlauf waren nicht dabei. Deshalb ist anzunehmen, dass der ehemalige Besitzer aufgrund der Plünderungen sein Erspartes in Sicherheit bringen wollte. Auch wenn es sich nur um einen geringen Wert handelt, so ist es trotzdem ein Zeugnis aus der Zeit des 30-jährigen Krieges in unserer Region.
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