Von Afrika nach Asien

Seit mehr als 15 Jahren schenken sie erblindeten Menschen das Augenlicht. Und schenken ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen: Prof. Dr. Dieter Dausch und Barbara Birner operieren ehrenamtlich Menschen in Afrika und Asien, die sich eine OP nicht leisten können.

Angefangen hatte alles mehr oder weniger durch einen Zufall: Prof. Dr. Dieter Dersch war für einen Kollegen eingesprungen. Dann aber wurden aus dem Zufall mittlerweile mehr als 15 Jahre ehrenamtlicher Einsatz für augenkranke Menschen. Mehrere Projekte haben die beiden seitdem ins Leben gerufen: "Africa Luz Deutschland", eine Klinik, ein Kinderhaus, Ausbildungseinrichtungen und ein Gesundheitshaus. Barbara Birner ist die Geschäftsführerin des Vereins, Dausch dessen Vorsitzender.

Doch von vorne: 1997 reiste Dr. Dieter Dausch mit einem befreundeten französischen Arzt in den Tschad. "Er brauchte einen Ersatzmann, weil ein anderer Kollege ausgefallen war", erinnert sich Dausch. Und der Ersatzmann war bitter nötig: Dass Ärzte kommen, um die Armen kostenlos an den Augen zu operieren, hat sich schnell herumgesprochen. Mehrere Hundert Menschen suchten täglich die Ärzte auf. Die operierten und untersuchten im Wechsel die Betroffenen: Während der eine gerade im "Operationssaal" stand, hielt der andere Sprechstunde. Zehn bis zwölf Stunden pro Tag operierten die Mediziner. Von Anfang an dabei war Barbara Birner: Sie ist Arzthelferin in der Augenarztpraxis von Dr. Dausch. "Eine OP können sich die Leute nicht leisten", weiß Dausch. "Nur einen sogenannten Star-Stecher."

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Zwischen Zelten, in denen die Helfer drei Wochen lang übernachteten, war der Lkw aufgestellt. Der lieferte den Ärzten das Wasser, das sie für die Augenoperationen benötigten. Der Großteil der Hilfesuchenden litt am Grauen Star - eine weit verbreitete Augenkrankheit in dem afrikanischen Land. Die hohe Sonneneinstrahlung in dem am Äquator liegenden Land ist dafür verantwortlich.

Das mit Klimaanlage ausgestattete Fahrzeug schaffte für die Operateure bessere Arbeitsbedingungen als es ein afrikanisches Krankenhaus bietet. Ab der Mittagszeit mussten die Ärzte allerdings auf das Händewaschen verzichten: Das Wasser war durch die Sonne so stark aufgeheizt, dass es schlicht zu heiß war. Hieß: "Nach jeder Operation mussten die Ärzte die Handschuhe wechseln ", erzählt Barbara Birner.

Durch einen Zeitungsartikel wurden Birner und Dausch auf eine Armenklinik in Nepal aufmerksam. "Diesen Armen wollten wir helfen", erklärt die Arzthelferin. Den Wirkungskreis verlegten sie in das asiatische Land nach Kathmandu. Hier waren die Gegebenheiten besser als in Afrika. Mit der "Chhatrapatti Free Clinic" fanden die Ärzte ein festes Haus mit europäischem Standard. Dort führten sie neben Operationen auch Untersuchungen durch und verordneten den Patienten Brillen. "Nach einiger Zeit erbauten wir dann eine extra Augenstation mit einem OP-Raum", erzählt Barbara Birner. "Dieses Projekt ist abgeschlossen." Soll heißen: Dort arbeiten nun einheimische Ärzte stundenweise ehrenamtlich. Birner: "Hilfe zur Selbsthilfe also."

Zufällig lernten Dausch und sein Team den Nepalesen Sher Kintzl kennen. Der Nepalese war von dem Deutschen Heinz Kitzl adoptiert worden und genoss eine Ausbildung an der Universität in Neu Delhi. Sehr erzählte von den armen Menschen im Royal-Chitwan-Nationalpark. Birner und Dausch machten sich daraufhin selbst ein Bild von der Lage der ländlichen Bevölkerung in dem Dschungelgebiet - eine Anregung für neue Projekte.

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Kinder, Kranke, Elefanten

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Durch eine großzügige Spende aus Deutschland konnte "Africa Luz" im Gebiet des Chitwan-Nationalparks ein Kinderhaus errichten. Waisenkinder und Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen werden dort mit Kindern anderen Kindern aus dem Dorf verpflegt und betreut. Abends gehen die Waisen mit zu den Familien der anderen Kinder. So ist keines von ihnen allein.

Neben dem Kinderhaus bietet !Africa Luz" auch Ausbildungsprojekte an: Junge Mädchen können sich als Näherin ausbilden lassen. Nach einem Jahr bekommen die Frauen eine Nähmaschine gegen eine Leihgebühr von 100 Euro. So können wieder neue Maschinen gekauft werden. Wer das nicht will, kann die Maschine auch wieder an die Hilfsorganisation zurückgeben.

Das zweite Projekt ist der "Elephant Dung Paper Shop": Junge Männer erhalten hier die Gelegenheit, die Papierherstellung aus Elefantendung zu erlernen. In der kleinen Papierfabrik ergaben sich sechs Arbeitsplätze, die sich selbst finanzieren. Der Rest der Einnahmen geht wieder in die Projekte von "Africa Luz" zurück. In dem kleinen Laden, der gut gelegen an einer Bushaltestelle liegt, können Touristen Tüten, Karten oder kleine Notizbücher aus Elefantendung-Papier kaufen. Beide Unternehmen sind abgeschlossen.

Neuestes Projekt: das Gesundheitshaus. "Wir haben in Chitwan ein Grundstück gekauft und dort eine Notfallklinik errichtet", erzählen Dausch und Birner. Im April dieses Jahres konnten sie diese einweihen. Das Haus soll für die Tausend Menschen in den umliegenden Dörfern die ärztliche Versorgung sichern. Nepalesische Ärzte können hier abwechselnd ehrenamtlich ihre Sprechstunden abhalten. "Was wir in Afrika machen und jetzt in Nepal tun ist pures Ehrenamt", betont Barbara Birner. "Die Anreise und die weiteren Kosten übernehmen wir alle selbst. Das heißt: Die Spenden gehen wirklich zu Hundert Prozent an 'Africa Luz'." Bei ihren vielen Reisen und Hilfsprojekten haben die beiden auch sehr viele Freunde gefunden. "Die Nepalesen sind sehr nette, freundliche und hilfsbereite Menschen", weiß Dr. Dausch.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/meinvereinundich
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)12-2014 (6638)
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