"Von Anfang an Vollgas"

Oberbürgermeister Andreas Feller ist seit einem Jahr im Amt. Im Interview nennt er die größeren, anstehenden Vorhaben der Stadt. Bild: Götz

Schonfrist gab es keine: Schon am ersten Tag musste Oberbürgermeister Andreas Feller tief in den Stadtsäckel greifen. Das ist ein Jahr her. Die ersten 365 Tage im Amt nennt der OB im Interview "anstrengend, aber schön".

Herr Oberbürgermeister, wie schnell ist das erste Jahr im Amt vergangen?

OB Feller: Wie im Flug. Eine schöne Zeit. Anstrengend, aber schön. Sechs- bis Sieben-Tage-Wochen.

Gab's überhaupt Zeit für eine "Eingewöhnungsphase"?

Wenn man sich so eine Art Schonfrist vorstellt, nein. Von Anfang an Vollgas. Es wäre auch ein Fehler gewesen, mir am Anfang nur die schönen Dinge zu geben, da kommt's dann hinterher nur geballt. So war alles gut gemischt. Ich wurde sehr herzlich empfangen, werde bei jedwedem Thema mitgenommen.

Bislang gab es kaum strittige Themen im Stadtrat. Ausnahme: Der Windpark Neukirchen. Fiel es Ihnen schwer, mit der Entscheidung für die 10-H-Regelung den Windpark zu kippen?

: Ich war vor meinem Amt zwölf Jahre im Stadtrat, als Oberbürgermeister kann ich das nur bestätigen, was ich vorher auch gesagt habe, in der Sache wird auch mal hart diskutiert, dann eine Lösung gefunden. In diesem Fall zwar nicht, aber das ist Demokratie. Ich will keine Politik vorbei am Bürger. Lassen Sie es mich so formulieren: Als Wohnnachbar von zwei Industriebetrieben weiß ich, was Hintergrundgeräusche, Lärmbelastung, bedeuten. Ich habe mir verschiedene Windräder und -parks angesehen. Das hat zu meiner persönlichen Entscheidung dagegen geführt. Trotzdem habe ich das Thema, wie es zu verlangen ist, neutral in den Stadtrat eingebracht.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit im Stadtrat?

Gut. Die Diskussionen sind meist sachorientiert und zielführend.

Die Finanzen der Stadt sind in den kommenden Jahren knapp. Lassen sich größere Projekte noch anpacken?

Ja sicher. Die Oberpfalzhalle wird heuer fertig. Ein weiteres großes Projekt wird die Sanierung der Lindenschule sein. Auch der Geh- und Radweg an den neuen Naabbrücken nach Krondorf wird uns finanziell anstrengen. Alles nacheinander und mit Augenmaß.

Im Herbst soll die Testphase für die Beruhigung der Friedrich-Ebert-Straße beginnen. Ist nach dem Gutachten von Prof. Kurzak die zweite Naabbrücke vom Tisch?

Keineswegs. Das Thema zweite Naabbrücke ist sowieso ein langfristiges Thema. Zur Friedrich-Ebert-Straße: Auch hier möchte ich betonen, dass es keinen Grund zur Aufregung geben sollte. Ich habe die Fortschreibung zum Verkehrsentwicklungsplan im Planungsausschuss vorstellen lassen. Ganz offen, ohne jede Zielvorgabe. Das wiederholt sich jetzt im Verkehrsausschuss, der den Probebetrieb beschließen könnte. Selbstverständlich reden wir noch mit "der Innenstadt". Bevor ich mit der breiten Öffentlichkeit in die Diskussion gehe, bitte ich aber schon zu verstehen, dass ich den Stadträten nicht zumuten will, über solch wichtige Themen und Diskussionen erst aus den Medien zu erfahren. Dafür sind sie gewählt.

Welche Termine aus dem ersten Jahr im Amt sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Es gab viele schöne Termine, vor allem mit Ehrenamtlichen und Kindern, aber meine erste Unterschrift am 2. Mai 2014 wird mir besonders in Erinnerung bleiben. Eine Zahlungsanweisung mit über 575 000 Euro. Da hab ich überrascht schon sehr genau hingeschaut. Liegt das Dokument einfach in einem Pultordner, mit im Vergleich dazu eher Belanglosigkeiten.

Was schätzen Sie an Ihrer neuen Aufgabe besonders?

Die Vielfältigkeit und dass ich immer mit Menschen zu tun habe. Manchmal wäre ich gern etwas hemdsärmeliger, spontaner und schneller bei Entscheidungen. Verwaltungswege müssen aber mal eingehalten werden.

Und wo gibt's Verdruss?

Nirgends. Richtig verärgert hat mich noch nichts. Und wenn's trotzdem mal ärgerlich ist, drüber schlafen, dann schaut die Welt schon wieder anders aus.

Abschließend: Was haben Sie sich fürs zweite Jahr besonders vorgenommen?

Weiter zuhören, mich kümmern und so weiter machen. Dann hoffe ich, dass so manches positive Gespräch was wird. Zum Wohle Schwandorfs.
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