Von Den Haag nach Etsdorf

So farbenfroh ist Europa: Im Etsdorfer Tempel-Museum sind zwölf preisgekrönte Entwürfe für neue Europa-Fahnen zu sehen. Bild: Marcus Rebmann

Für eine Patenschaft reicht's noch nicht. Doch Etsdorf und Den Haag haben mehr gemeinsam, als manche denken. Schuld daran ist wieder mal das Tempel-Museum.

Das rund 500 000 Einwohner zählende Den Haag gilt als größtes Dorf der Welt. Den Haag hat nie das Stadtrecht erhalten. Das hat die Gemeinde in Südholland schon mal mit dem 500 Einwohner starken Etsdorf gemeinsam. Hinzu ist eine hochkarätige Ausstellung gekommen. Die Schau der Stiftung Design and Government unter dem Titel "Europa-Fahnen" wanderte vom Ausstellungshaus an der Nordsee zum Tempel-Museum (Link zum Tempel-Museum) am Steinköppl.

Museums-Direktor Wilhelm Koch kann auf diese Weise - ziemlich exklusiv in Deutschland - die zwölf preisgekrönten Entwürfe für eine neue Europaflagge präsentieren. Designer aus der ganzen Welt waren im Jahr 2010 aufgerufen, sich Gedanken zu machen, wie der Sternenkranz auf blauem Grund weiterentwickelt werden könnte. 1400 kreative Köpfe aus 63 Ländern haben Vorschläge eingereicht.

"Da sind ein paar ganz interessante Beiträge dabei", befindet Koch, selbst gelernter Designer. Er ist begeistert, weil sich in der Ausstellung die Vielfalt Europas widerspiegle. Auch den Museums-Besuchern gefällt die bunte Fahnen-Parade. "Erst vor ein paar Tagen war wieder ein Bus mit Senioren da. Morgen kommt eine Gruppe von Radfahrern." Die Senioren seien vorher beim Dorfwirt essen gegangen und nachher noch einmal zum Kaffeetrinken dort eingekehrt. "Das kriegt schön langsam die Richtung, in die ich das Ganze lenken wollte", sagt Koch. Die ungewöhnliche Einrichtung belebe das Dorf - auch wirtschaftlich. Wer das Tempel-Museum bis Ende September ansteuert, kann gleichzeitig eine weitere Ausstellung genießen: Die Foto-Schau "Walhalla" von Marcus Ebner. Der Berliner Fotograf hat den Ruhmestempel an der Donau abgelichtet - aus ungewöhnlichen Perspektiven. Die Fotos entstanden 2014 zum Abschluss der zehnjährigen Renovierung des Baudenkmals. "Antikisierende Bauformen im Äußeren stehen in spannendem Verhältnis zum inneren Ausstellungsraum", heißt es im Begleittext zur Schau.

Zu sehen sind unter anderem die Gewölbe im Unterbau und die für das 19. Jahrhundert wegweisende schmiedeeiserne Dachkonstruktion. Der Verein der Freunde der Glyptothek erhielt vor kurzem erst eine Extra-Führung zu den Ecken des Bauwerks, die für die Öffentlichkeit eigentlich nicht zugänglich sind.

Seltener 60er-Jahre Bau

Im nächsten Jahr wird das Gebäude, in dem das Tempel-Museum untergebracht ist, 50 Jahre alt. 1966 wurde die Etsdorfer Schule eröffnet und Wilhelm Koch gehörte zur ersten Schulklasse, die das Haus nutzen durfte. "Die Architektur des Gebäudes ist noch im unverfälschten Stil dieser Zeit. Das gibt es nicht mehr oft", betont Koch. "Wir legen darauf Wert, dass wir bei Renovierungen sehr behutsam umgehen. Und zum Geburtstag lassen wir uns noch was einfallen."
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