Von der Naab zur Neiße

Görlitz ist eine Stadt mit einem sehr schönen Zentrum, dessen sanierte Fassaden von vielen Besuchern bewundert werden. Bild: Dobler
 
Der frühere Landrat Dieter Liebig aus Görlitz (sitzend links) und sein damaliger Schwandorfer Amtskollege Hans Schuierer (Mitte, beim Unterschreiben) begründeten die Partnerschaft, die 1991 in die Unterzeichnung entsprechender Urkunden mündete. Bild: hfz

Der Kontakt kam damals eher zufällig zustande. Kurze Zeit nach der Wende erhielt der damalige Schwandorfer Landrat Hans Schuierer Besuch von einer Delegation aus dem sächsischen Kreis Görlitz. Das war ein Besuch mit Folgen, wie sich zeigen sollte.

Teil der Delegation war damals war auch der eben erst gewählte Landrat Dieter Liebig, der bei einem Abendessen im Hotel "Bayerischer Hof" bekannte, man sei schon sehr bewusst nach Schwandorf gefahren. Bewusst deswegen: In Görlitz gab es riesige Braunkohletagebauten, die der Rekultivierung harrten.

Auch bei Schwandorf war über lange Zeit hinweg ausgekohlt und beispielhaft rekultiviert worden. Von daher interessierten sich die Görlitzer Mandatsträger für die von der ehemaligen Bayerischen Braunkohle Industrie (BBI) abgewickelten Maßnahmen und wollten sie besichtigen.

Seit 7. Juni 1991

Aus dieser zweitägigen Visite resultierten Kontakte. Sie wurden zunehmend enger und brachten es schließlich mit sich, dass der Gedanke an einer Partnerschaft erwuchs. Görlitz und Schwandorf wurden einig, ratifizierten am 7. Juni 1991 diese Verbindung.

Seit nahezu 25 Jahren bestehen die Beziehungen zwischen Schwandorf und Görlitz. War es in den Jahren nach der Wende mehr die Hilfe aus Bayern beim Aufbau einer neuen Verwaltung gewesen, hat sich mittlerweile eine enge Partnerschaft herausgebildet, die viele Bereiche erfasst und bis hinein in die Vereine und in das Private reicht.

"Es passiert befriedigend viel", skizzierte Franz Pfeffer von der Schwandorfer Kreisverwaltung das Hinüber und Herüber. Pfeffer muss es wissen - er war selbst schon öfter im Partnerlandkreis unterwegs.

Vor einem guten Jahr war der damals noch neue Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling ebenfalls bei den Partnern im östlichsten Eck der Republik zu Gast. Die Einladung in den Partnerlandkreis Görlitz erhielt Ebeling schon bald nach seinem Amtsantritt. Gemeinsam mit dem Görlitzer Landrat Bernd Lange besuchte Ebeling damals die Gedenkfeier "25 Jahre friedliche Revolution in der Oberlausitz", bei der an die Bürgerbewegung erinnert wurde, die 1989 die deutsch-deutsche Grenze zu Fall brachte. In der Folge der Grenzöffnung hatte es die ersten Kontakte zwischen den Landkreisen gegeben, die 1991 in die offizielle Partnerschaft mündeten.

Viele Anknüpfungspunkte

Landrat Thomas Ebeling hält wie sein Vorgänger Volker Liedtke daran fest: Die Partnerschaft mit dem Landkreis Görlitz soll mit Leben erfüllt sein. Er würde es gerne sehen, wenn die bestehenden Kontakte verschiedener Gruppen weiter gepflegt und ausgebaut würden. Görlitz sei "eine schöne Stadt", betonte Ebeling. Sie leide jedoch sehr unter dem demografischen Wandel, wohingegen in Schwandorf die Lage mit Blick auf die Prognosen bis 2030 relativ stabil sei. Es gibt zahlreichen Themen, die beide Landkreise verbinden: die Nachnutzung ehemaliger Kohletagebaue, die Grenzlage zu Polen beziehungsweise Tschechien, der Fachkräftemangel, die Situation der Schulen und auch ganz aktuell die Unterbringung von Flüchtlingen. Berührungspunkte zwischen Schwandorf und Görlitz sieht der Landrat übrigens auch in der Teichwirtschaft. Die Oberlausitz verfügt über große teichwirtschaftliche Flächen. Praktisch: Präsident des sächsischen Landesfischereiverbandes ist der Görlitzer Landrat Bernd Lange.

Nächstes Jahr Feier

Überlegungen laufen auch zum Partnerschaftjubiläum an, das 2016 begangen wird. Das 20-jährige Bestehen wurde 2011 in Görlitz gefeiert. Diesmal ist Schwandorf am Zug.
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