Von George Gershwin bis zu den Andrews Sisters - Ensemble begeistert Publikum am Schafferhof
Schmeichelnder Swing mit Romeo Franz

Neuhaus. (gag) War das Romeo Franz auf der Bühne? Der gut gekleidete und frisierte Mann, der mit Charme, Witz und Ironie moderierte, sah dem Mann auf dem Pressefoto mit den langen Haaren kaum ähnlich. Doch er war es.

Und er hatte drei hervorragende Musiker mitgebracht. Rainer Glas, Multitalent aus Erlangen, den man als Bassist im Thomas-Fink-Trio kennt, Unge Schmidt an der Rhythmusgitarre, ehemaliges Mitglied des bekannten Schnuckenack-Reinhardt-Ensembles, und schließlich an einer 38 Jahre alten "Gibson L-5" mit eingraviertem Namen Joe Bawelino, der unglaublich locker und wendig sein Instrument beherrschte. An der Violine glänzte Romeo Franz, Meisterschüler des legendären Sinti-Geigers Schnuckenack Reinhardt, dem der Ruf als einer der besten Swinggeiger vorauseilt.

Titel von Caterina Valente

Der erste Titel des Quartetts war jedoch nicht von einem Swing-Komponisten, sondern von Caterina Valente. "Und dazu braucht der Mensch Musik" war so bearbeitet worden, dass etwas wundervoll Neues dabei herauskam. Von Anfang an bewiesen die Musiker mit individuellen Soli ihre Qualität.

Bei "Minor Swing" von Django Reinhardt oder "'s wonderful" von George Gershwin wippten die Köpfe und Füße der Zuhörer. Weich, sanft, einschmeichelnd die Improvisationen, angeführt von Joe Bawelino, der sein Instrument zupfte, streichelte, klopfte oder den Bund mit der ganzen Hand strich.

Oberpfälzer Begeisterung

Mit bekannten Swingnummern ging es weiter. Den Billie Holiday-Song "All of me" ebenso wie "Bei mir bistu shein" von den Andrews Sisters quittierte das Publikum mit Oberpfälzer Begeisterung - für einen Ludwigshafener wie Romeo Franz nicht gleich als solche erkennbar.

Lang und ausschweifend leitete Franz jedes Stück ein, mit weicher Stimme, wie man es von einem Romeo erwarten kann. Die Improvisationen zu "I can't give you anything but Love" oder verschiedene ungarische Melodien wurden sogar mit "Bravo"-Rufen kommentiert. Ein Höhepunkt war, als Joe Bawelino und Unge Schmidt vierhändig auf der Gibson ein mitreißendes Solo auf "Lady be good" spielten. Als jedoch die Band mit "Those were the Days" Abschied nehmen wollte, hatten sie nicht mit dem frenetischen Applaus und den "Zugabe"-Rufen des Publikums gerechnet.

So griffen Romeo Franz und sein Ensemble nochmals zu den Instrumenten und spielten zuerst weich und gefühlvoll, dann ausgefeilt temperamentvoll "Sweet Georgia Brown".
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