Von "Mephisto" zu "Marihuana"

Mit einer Klarinette hat Gerhard Windschiegls musikalischer Lebensweg angefangen. Mittlerweile spielt der Weidener mit Neuhauser Wurzeln vor allem Gitarre aber auch auf vielen weiteren Instrumenten, die er in seinem Musikzimmer unterm Dach stehen hat. Von einer Tante bekam er vor kurzem das alte Cello mit einer Saite. Bild: ui

Das Cello und zwei schwarze Flöten sind die neuesten Errungenschaften im Musikzimmer von Gerhard Windschiegl. Klarinette hat er gelernt, Gitarre spielte er in zahlreichen Bands und zuletzt hat der Multiinstrumentalist eine autobiografische CD veröffentlicht.

"Ich sage immer, alles ist frei erfunden", meint der gebürtige Neuhauser, wenn er über die Entstehungsgeschichte der Scheibe mit dem Titel "Altneuhaus im Waldnaabtal" spricht. "Im Nachhinein ist es mir aufgefallen, dass sie eigentlich mein Leben spiegelt."

Windschiegl vertonte ein neu ausgegrabenes Liebeslied aus der Jugend, Erlebnisse als Wehrpflichtiger und die Trennung von der Familie vor sieben Jahren durch einen Job in Oberschleißheim. Dort arbeitete er zwei Jahre als technischer Berater bei einem großen Lkw-Hersteller.

Den musikalischen Start absolvierte der mittlerweile selbstständige Prüf-Ingenieur als Siebenjähriger bei den "Neuhauser Boum". Der Vater hatte eine alte Klarinette - "da könnte doch einer drauf spielen" - und die Jugendblaskapelle suchte Nachwuchs. "Was das für eine Klarinette war, hat keiner gewusst. So habe ich eine andere gebraucht und bekommen", erinnert sich Windschiegl, der damals die zweite Klasse besuchte.

Dirigent war zu der Zeit Theo Storch. Im Mittelpunkt standen Festzelt- und Wertungsmusik. Unter den drei jüngsten Aktiven der "Neuhauser Boum" war zu der Zeit auch Windschiegls Klassenkamerad Rupert Beer, der es mit Norbert Neugirgs "Altneihauser Feierwehrkapell'n" zu Berühmtheit gebracht hat.

Genervt von Blasmusik

Mit Beginn der Lehre als Betriebsschlosser war für den Klarinettisten Schluss bei der Blaskapelle. "Irgendwann hat es genervt. Die anderen sind ins Freibad gegangen und du musstest bei irgendeinem Feuerwehrfest marschieren." Windschiegl suchte sich einen privaten Gitarrenlehrer. Nachdem der Schüler fünf Griffe beherrschte, sagte der Lehrer: "Du kannst genug. Ich habe keine Zeit mehr." Damit war für den jungen Mann Schluss mit dem Unterricht, aber nicht mit der Musik.

Der ehemalige Flügelhornist der "Neuhauser Boum", Bernhard "Cheesy" Käs, hatte gesehen, wie Windschiegl mit der Gitarre auf dem Mofa zum Lernen gefahren war. In "Cheesys" Band mit Freddie Köck und dem Neuhauser Helmut Michl fehlte nach Köcks Weggang ein Musiker. Den sollte Windschiegl als Gitarrist machen. "Kann ich nicht", war seine erste Antwort. "Du bekommst von mir eine Grifftabelle, musst Dir aber eine E-Gitarre kaufen", reichte, um den Klarinettisten zum Ja zu überreden.

Windschiegl setzte sich in den nächsten Bus, fuhr nach Weiden und kaufte sich im Musikhaus Lindner eine E-Gitarre. "Ich hatte keine Ahnung, auf was ich schauen muss." Um die 750 Mark hat das gute Stück gekostet mit dem Windschiegl bei den "Mephistos" loslegte.

Bei einem Wettbewerb in der Windischeschenbacher Discothek "Atlantis" wurde die Kombo hinter "Pop nach 8" und "Phoenix", die Köck abgeworben hatten, Dritter. Als Schlagzeuger war damals Hans "Babi" Bablitschky dabei, mit dem der 53-Jährige heute immer noch ab und zu Musik macht. Beim Gasthaus "Schiml" war die Truppe damals fast etwas wie die Hausband beim Tanz.

"Das war schon einen coole Zeit", die für den jungen Windschiegl mit dem Besuch der Berufsoberschule in Scheyern zu Ende ging. Auch die anderen Bandmitglieder verließen zum Studieren oder Arbeiten die Heimat. "Mephisto" löste sich auf.

"Bei meinen Eltern auf dem Dachboden ist Platz zum Proben", sagte Werner Schick, der zeitweise auch schon bei "Mephisto" als Schlagzeuger dabei war, und gründete eine neue Band. Mit dabei waren außerdem "Cheesy" Käs und Helmut Brandl. Später kam Tom Winderl dazu. Von Schick stammte auch der spätere Name der Combo: "Marihuana Brass Band" oder kurz MBB. Im Repertoire war Party-Musik von den Blues Brothers über Aretha Franklin bis zu Willy Michl, CCR, Janis Joplin, James Brown und den Commitments. Die Sängerinnen Martina Model und später Carola Böhm, damals noch unter ihrem Mädchennamen Kolb, und Karl-Heinz Kuhl als Keyboarder vervollständigten MBB. "Gerhard ist ein Multiinstrumentalist. Er war unser musikalisches Hirn", meint Schick, der heute in Frankfurt arbeitet und für den Schafferhof die Konzerte managt.

Schluss nach DJK-Ball

Die Auftritte im Weidener "Club" in der Postgasse waren stets ausverkauft. MBB spielte auch in der Mälzerei in Regensburg und bei Privatfeiern. Der letzte große Gig war 2005 der DJK-Ball im Josefshaus in Weiden, wo sich MBB auf der Bühne mit den "Starlights" abwechselte. "Wir haben dann irgendwann gesagt: 'Es reicht.'"

Als Duo hatte Windschiegl auch mit Thomas Gleixner zusammengespielt. Die beiden hatten Musik-Kassetten im Treppenhaus aufgenommen und Gleixner war dabei, als Windschiegl 2007 einen Teil der jetzt auf CD veröffentlichten Lieder im Café "Federkiel" in Rotzendorf präsentierte.

Den Anstoß zur CD gab wohl ein kleines elektronisches Kasterl, ein Looper, den sich der in Weiden wohnende Vater zweier Töchter gekauft hatte. "Ich habe ihn in meinem Musikzimmer ausprobiert und mal wieder ein paar Lieder gespielt. Dann habe ich mich hingesetzt und wollte die Lieder für mich, meine Kinder und eventuell mal Enkel als Erinnerung festhalten."

Zu sehen und hören ist Windschiegl ab und zu bei einem Musikantentreffen, beispielsweise in Kondrau oder Schirmitz. "Das Schöne an Musikantentreffen ist, dass du nicht für den ganzen Abend verantwortlich bist. Du kannst etwas ausprobieren und sprichst Musiker an." So hat er auch Thomas Urbanek aus Weiherhammer kennengelernt, der im "Roten Ochsen" in Schirmitz sein Schlagzeug aufgebaut hatte.

Schwierige Proben

Die beiden spielen bereits sporadisch miteinander. Außerdem probt er mit "Babi" für ein Programm. Bablitschky hat dafür von Cyndi Laupers "Time after time" eine deutsche Version geschrieben. "Solche Sachen wollen wir weiter machen." Windschiegls Traum ist ein Konzert, bei dem auch Carola Böhm als Sängerin mit dabei ist. Die aber wohnt in Nürnberg, so dass sich das Proben schwierig gestaltet. Eventuell mit dabei ist auch Barbara Reich mit dem Akkordeon.

"Ich arbeite auf den Ruhestand hin, damit dann etwas vorbereitet ist für eine Band", schmunzelt der Prüfingenieur und Sachverständige. Bis dahin hat vielleicht das alte Cello von der Tante aus Wurz nicht nur eine, sondern wieder sechs Saiten und der Musiker hat sich neben Klarinette, Saxofon, Gitarre und vielen anderen ein weiteres Instrument beigebracht.
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