Von Schweinen und Menschen

Für heute genug gefressen - da wird dann auch wieder interessant, was das für komische Menschen sind, die mit weißen Ganzkörperhüllen in den Stall kommen. Als neugierige Sau riskiert man dann schon mal einen Blick über den Rand der Box hinaus. Die Tiere, die Stefan Schmid hält, haben einen Pietrain-Eber als Vater und eine Sau der deutschen Landrasse als Mutter. Diese Kreuzung gilt als Garant für gute Fleischproduktion. Bild: Hartl

Wenn die Tür zum Stall aufgeht, versteht man nicht mehr, warum man in diesem Overall steckt und aussieht wie der Spurensicherer im "Tatort". Hier stinkt es ja gar nicht richtig. Stefan Schmid lacht, als er das Erstaunen bemerkt. Nicht die einzige Überraschung im Schweinestall.

(ll) Die Verkleidung der Besucher, das wird schnell klar, soll weniger sie selbst vor dem Stallgeruch schützen, sondern die Schweine vor Krankheitserregern, die die Gäste einschleppen könnten. Deshalb auch die Kunststoffhüllen über den Schuhen. Wäre ja schade, wenn fremde Keime die gute Bilanz von Stefan Schmid in Sachen Tiergesundheit verderben würden.

Nicht nur schade, sondern ab einem bestimmten Punkt sogar eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens. Die Hygiene im Stall erspart dem Gailoher kostspielige Tierarzt-Einsätze und sie lässt seine gesunden Tiere ordentlich wachsen. Dass hier kein großer Gestank entstehen kann, liegt an der Unterflurentlüftung. Sie sorgt zudem dafür, dass die Luft für jedes der mit 120 Tieren belegten Abteile separat entsorgt wird. Auch auf diesem Weg breiten sich also keine Krankheiten aus.

5500 Tiere im Jahr

Stefan Schmid weiß, dass der Gestank der schwerwiegendste Vorbehalt ist, den Anwohner gegen Schweineställe äußern. Wie gerade auch wieder bei Ensdorf. Das war bei Schmid nicht anders. "Aber seit wir aus dem Dorf raus sind, haben wir keine Probleme mehr mit Klagen über den Geruch", sagt er. Schon beachtlich, denn von seinen 2000 Mastplätzen in zwei Ställen sind knapp 1900 immer belegt, so dass er pro Jahr 5500 Schweine über die Erzeugergemeinschaft vermarkten kann; also etwa 100 pro Woche.

Weil die Preise immer am Freitag gemacht werden und von Tag zu Tag schon mal um sieben Cent pro Kilo schwanken können, muss er sich gelegentlich ärgern, wenn er am Donnerstag 100 Tiere zum billigeren Satz verkauft hat. Aber an dieses Spiel gewöhnt man sich. Viel mehr macht Stefan Schmid die Preisschere zu schaffen, die sich auftut zwischen dem, was er für Futter zahlt, und dem, was er für seine Tiere erlösen kann. Als er vor zwölf Jahren seinen ersten Stall baute, kostete der Doppelzentner Soja rund 28 Euro. Heute sind es 50. Beim Schweinepreis kann er diese Bewegung nicht erkennen: "Ich kriege 1,60 Euro pro Kilo Schlachtgewicht. Mein Vater hat schon 3,20 Mark bekommen. Das verstehe ich nicht. Wer heute ein Auto kauft, der zahlt das Doppelte wie früher." Da brauche sich dann aber auch niemand zu wundern, wenn die Landwirte nur noch mit Subventionen existieren könnten. "Und zum Schluss zahlt das der Verbraucher wieder über die Steuern."

Er will nicht wachsen

Wer Stefan Schmid fragt, ob er nicht einen weiteren Stall bauen könnte, um mehr Einkommen zu erwirtschaften, der merkt, warum der Gailoher vom Landwirtschaftsamt als Beispielbetrieb für die Pressefahrt zum internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe ausgewählt wurde. Schmid führt zwar auch die zu geringen Abstände zum Wald und zu den Nachbarn (600 Meter) als Grund an, warum er nicht weiter wachsen will. Aber noch mehr hängt seine Abneigung mit dem Umstand zusammen, "dass es dann als Familienbetrieb nicht mehr zu schaffen ist. Das kannst du von der Arbeit her nicht mehr bewältigen."

Bisher funktioniert es, wenn seine Frau und sein Vater mithelfen sowie sein Sohn, der den Betrieb nach seiner Landwirtschaftslehre einmal übernehmen soll. Immer weiter wachsen ist ohnehin keine Lösung, sagt Schmid. "Ich will ja Mensch auch noch sein."
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