Von seinem Bildungswert
Breitenschach

In unserer von Schnelllebigkeit, Konsumdenken und einem hohen Maß an äußerer Ablenkung geprägten Zeit wächst die Bedeutung von ausgleichender, zur Besinnung führender Tätigkeit. In dieser Hinsicht bietet das Schachspiel vielfältige Möglichkeiten. Abgesehen von den positiven Auswirkungen auf das menschliche Denken, beinhaltet es eine Fülle von persönlichkeitsbildenden Aspekten.

Konkret: Schach fördert vor allem die Konzentrationsfähigkeit, das folgerichtige, logische Denken und das Urteilsvermögen.

Fast noch am wichtigsten: Von unschätzbarem Wert ist das durch ständiges Anwenden und Üben sich herausbildende Phänomen der Entwicklung eigener Problemlösungsstrategien.

Tatsächlich ist vor allem durch Schach eine derartige Schulung für Gedächtnis und Intellekt möglich, die auch für andere Fachrichtungen, z.B. Schule und Beruf, von großer Bedeutung ist.

Deshalb der Rat: Lernen und spielen Sie Schach! Haben Sie keinen Partner, sind sie bei einem Schachclub in Ihrer Nähe gerne gesehen. Informationen hierüber finden Sie auf der Homepage des Schachverbands Oberpfalz www.schachverband-oberpfalz.de

Die nachfolgende Partie, 1994 in der Bundesliga gespielt, entnehmen wir dem vorgestellten Buch und folgen den Bemerkungen des Autors.

Weiß: GM Peter Enders

Schwarz: GM Artur Jussupov

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.d4 Eine starke Alternative ist hier 3.Sxe5.3...Sxe4 4.Ld3 d5 5.Sxe5 Sd75...Ld6ist auch möglich. 6.Sxd7 Lxd7 7.0-0 Le7Ein Lieblingszug Jussupovs. Aktiver sieht 7...Ld6 aus. 8.c3?! Zu ängstlich gespielt. Die Theorie empfiehlt hier 8.c4 Sf6 9.Sc3 Le6 10.c5 Dd7 11.Lf4 0-0 12.Te1 Te8 mit beiderseitigen Chancen. 8...0-0 9.Dc2 Ld6 Der Läufer wird auf eine bessere Position überführt. 10.Lxe4? Der Bauer ist leider vergiftet.

Weiß sollte mit 10.Sd2 f5 11.Sf3 usw. die Entwicklung seiner Kräfte fortsetzen. 10...dxe4 11.Dxe4 Lb5! 12.c4 Erst jetzt erkennt Weiß die Gefahr: 12.Td1 Te8 13.Dxb7 Le2 14.Te1 La6! 15.Txe8 Dxe8 16.Dxa6 Dxe1+ 17.Df1 Lxh2+! mit Damengewinn. 12...Lxc4 13.Te1 Ld5! Der Gewinnzug.

Ein schönes Beispiel zum Thema: Die Stärke des Läuferpaares. 14.Dd3Aber nicht 14.Dxd5 Lxh2+, erneut mit Damengewinn. 14...Dh4 15.h3 Etwas besser wäre 15.g3 Dh3 16.Df1 usw. 15...Tae8! Weiß kommt nicht zur weiteren Entwicklung. 16.Td1 Oder 16.Le3 Df4! 17.Lxf4 Txe1+ 18.Kh2 (18.Df1 Txf1+ 19.Kxf1 Lxf4 und Schwarz behält eine Mehrfigur.) 18...Lxf4+ 19.g3 Th1#. 16...Le4 17.Dc4 Lf3! Der entscheidende Schlag! Weiß gab auf wegen 18.Tf1 (18.gxf3 Dxh3 nebst Matt) 18...Le2 mit Qualitätsgewinn.

Tagesnotizen: Die dem heute vorgestellten Buch entnommene Taktikaufgabe Nr. 82a stammt aus dem Linares Open 1996 und wurde zwischen der Aserbaidschanerin Ilaha Kadimova, damals bereits Studentenweltmeisterin und je zweifache weibliche Junioreneuropa- und -weltmeisterin, und dem Italiener kubanischer Herkunft Lexy Ortega gespielt. Zwar besitzt die damals 21-Jährige einen Mehrbauern, Schwarz dafür freie Linien für seine Schwerfiguren. Sehen Sie, wie Schwarz am Zug diese zu seinen Gunsten nutzt?

Nach längerer Zeit kommt mit Aufgabe Nr. 82b ein renommierte Problemschachkomponist, der Straubinger Gymnasiallehrer Stefan Felber, mit einem Selbstmatt in drei Zügen zu Wort. Selbstmatts sind an dieser Stelle ein eher seltener Gast. Manchen mag die Forderung dieser Aufgaben widerstreben, zieht doch Weiß an, um Schwarz gegen seinen Willen zu zwingen, den weißen König matt zu setzen. Wie mag Weiß dabei vorzugehen haben? Die Mühe des Lösens wird mit herrlichen Zugfolgen belohnt.

Lösungen: In Taktikaufgabe Nr. 81a (Fridman-Graf, W: Kg1, Dd4, Td1, Te1, Lb2, Lg2, Sb6, Ba2, b3, f2, g3, h3 [12], S: Kh8, Df8, Ta6, Td8, Lc8, Sd5, Sg6, Ba5, c6, f6, g7, h6 [12]), die aus einer beim Gibraltar Open 2012 gespielten Partie stammt, ist zu sehen, dass der die weißen Steine führende deutsche Spitzen-GM Daniel Fridman seinem jungen deutschen Gegner, damals noch titellos, schon einige Felderschwächen zugefügt hat. 1.Sxc8!bringt ihn endgültig auf die Siegesstraße.

Der Textzug raubt dem schwarzen Turm die Deckung. Nach 1...Txc8 gewinnt der Doppelangriff 2.Dd3 auf die beiden ungedeckten Figuren, Turm a6 und Springer g6, eine Figur und damit die Partie. Schwarz gab sich deshalb geschlagen. Nicht schwer, aber sehen muss man es halt. Wir merken uns: Man achte auf ungedeckte Figuren!

Zwei Jahre später verstärkt der Unterlegene, mittlerweile zum Internationalen Meister avanciert, den Schachbundesligisten SG Trier.

Mit dem Sechszüger in Aufgabe Nr. 81b (W: Kg1, Db6, Lh3, Se6 [4], S: Kc8, Dd7, Bd6 [3]) stellten wir eine weitere Miniatur mit schwarzer Dame aus dem Fundus des Flensburger Internationalen Meisters für Schachkompositionen Dr. Baldur Kozdon vor.

Bei Analyse der Ausgangsstellung erkennen wir, dass der schwarze König zugunfähig ist. Ferner fällt die Springer/Läufer-Batterie auf der Diagonale c8/h3 auf, die noch von der schwarzen Dame maskiert ist. Die sofortige Nutzung der Batterie durch beliebigen Wegzug des Springers scheitert am ungedeckten Hintermann der Batterie.

Auch nach 1.Sf4? oder 1.Sg5?, beides deckt den Hintermann, ist nach 1...Dxh3 2.Sxh3 Kd7 kein Matt in Sicht. So liegt es nahe, den ungeschützten Läufer durch den König zu decken, um das Mattnetz mit Dame und Springer zu spinnen. Da 1.Kg2? wegen 1...Db7+ nebst Damentausch nicht in Frage kommt, führt 1.Kh2!auf den richtigen Weg. Da nun 1...d5? schon zu einem Matt in fünf führt (2.Sc5 Dxh3+ 3.Kxh3 d4 4.Db7+/Dc6+ Kd8/Kb8 5.Dd7#/ Db7#), stemmt sich Schwarz am besten mit 1...Dh7!gegen das drohende Matt, doch gibt es gegen die Zugzwangfolge 2.Sf8+ Dxh3+ 3.Kxh3 d5 4.Da7 d4 (4...Kd8? 5.Dd7#) 5.Se6, mit Rückkehr des Springers auf sein Ausgangsfeld, 5...d3 6.Dc7# keine Rettung.

Trotz der sechs Züge/elf Halbzüge diesmal eine nicht allzu schwer zu lösende Miniatur mit schwarzer Dame, die der Autor fein komponiert hat!
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