Von Slawenfürsten und Kaufleuten

Nach rund zwei Jahren Bauzeit wird im Frühsommer 2015 in Lübeck das Europäische Hansemuseum eröffnet. Es soll die rund 800-jährige Geschichte des mittelalterlichen Wirtschafts- und Städtebundes erlebbar machen.

Lebensecht gestaltete Szenen und beeindruckende Dokumente versprechen die Ausstellungsgestalter. Doch ein Teil der Exponate war ursprünglich gar nicht vorgesehen. Beim Bau des Museums stießen Archäologen auf so bedeutende Zeugnisse der Vergangenheit, dass Bauherren und Planer beschlossen, sie in das Museum zu integrieren. "Diese Funde sind wichtig als Belege für die Geschichte, die wir erzählen wollen, und auch als Exponate an sich", sagt der Architekt und Ausstellungsdesigner Andreas Heller. "Deshalb haben wir im Frühjahr 2013 die Planungen noch einmal geändert und die museal aufbereitete Grabungsstätte in die Ausstellung integriert", sagt er. Das sei der Wunsch der Bauherren und der Historiker gewesen. "Ihnen war der Erhalt der archäologischen Befunde sehr wichtig, auch wenn sich dadurch die Eröffnung um etwa ein Jahr verschoben hat", sagt Heller.

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42 Millionen Euro

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Nach seinen Angaben zählt das Haus mit einem Investitionsvolumen von rund 42 Millionen Euro zu den zehn größten Museumsneugründungen in Deutschland nach 1945. Den Löwenanteil der Kosten trägt die Lübecker Possehl-Stiftung, das Land Schleswig-Holstein steuert 9,4 Millionen Euro bei.

Rund 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche wird das Europäische Hansemuseum haben. Neben dem rot verklinkerten Neubau, der in den Burghügel hineingebaut wurde, wird auch das 1227 entstandene ehemalige Burgkloster in den Museumskomplex einbezogen. "Hier wird es keine Exponate geben, die Räume sollen für sich selbst sprechen", sagt Heller. Im Neubau und im Obergeschoss des Klosters dagegen werden szenische Darstellungen verschiedene Stationen der Hansegeschichte zeigen - von der Gründung 1193 bis zum letzten Hansetag 1669.

"Daneben gibt es aber auch Räume mit konventionellen Exponaten. Da wird zum Beispiel ein auf Birkenrinde geschriebener Vertragstext aus dem Jahr 1220 zu sehen sein, der bei Ausgrabungen in Nowgorod im Nordwesten Russlands gefunden wurde", sagt Heller. Die Menge der archäologischen Funde beim Bau des Museum erstaunte selbst die Fachleute. "Aus früheren Grabungen und wegen der exponierten Lage des Areals ahnten wir zwar, dass sich hier einiges im Boden verbirgt. Aber einige Funde haben uns doch sehr überrascht", sagt Grabungsleiter André Dubisch.

Dazu gehören Hinweise, dass die hier um 800 errichtete slawische Burg rund 100 Jahre lang verlassen war. "Wir haben innerhalb der Burgbefestigung viel Keramik aus dem 10. und aus dem 12. Jahrhundert, aber kaum welche aus dem 11. Jahrhundert gefunden. Das stützt die Theorie, dass die Burg tatsächlich 100 Jahre lang verwaist war", sagt Dubisch. Das könnte den Bericht des zeitgenössischen Chronisten Helmold von Bosau belegen, wonach Graf Adolf von Schauenburg 1143 eine von dem Slawenfürsten Kruto verlassene Burg wiederbelebt habe.

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Aufwendiger als geplant

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Die Kosten für den Museumsbau sind seit 2008 von geplanten 24 Millionen Euro auf 42 Millionen Euro gestiegen. "Das fanden wir nicht immer lustig, aber wir stehen zu unserem Wort, das Museum zu finanzieren", sagt Menken. Vermutungen, die archäologischen Funde hätten zu den Kostensteigerungen und der Bauverzögerung geführt, weisen Menken und Heller unisono zurück. "Die Sanierung des Burgklosters war wesentlich aufwendiger als geplant. Die ersten Besucher des Europäischen Hansemuseums werden voraussichtlich die Außenminister der G7-Staaten sein, die im April 2015 in Lübeck tagen. Für das Publikum werde das Museum spätestens im Juni 2015 eröffnet, sagt Menken. (dpa)
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