Von Stadtmühle und "Nidern Mül"

116 Seiten Interessantes und Informatives aus der Stadtgeschichte - das bietet die neue Ausgabe der "Heimat Eschenbach". Dafür sorgten die Autoren (von rechts) Bernd Thurn und Pater Benedikt Schuster, Hans Ott (Mitte) und Albert Furtner (Zweiter von links). Karlheinz Keck (links), der Vorsitzende des Heimatvereins, zweiter Bürgermeister Karl Lorenz (Dritter von links) und Kulturbeauftragter Willi Trummer (Dritter von rechts) dankten ihnen für ihre Recherchen. Bild: rn

Der 36. Jahrgang der heimatgeschichtlichen Serie "Heimat Eschenbach" liegt auf. Das Titelblatt ziert diesmal ein Aquarell von Jean Claude Sauvage mit der Pietá am Eschenbacher Schloss. Karlheinz Keck, der Vorsitzende des Heimatvereins, kritisierte, dass das Gebäude - das ehemalige Landratsamt - "seiner historischen Bedeutung nicht gerecht wird".

Zur offiziellen Vorstellung des neuen Heftes trafen sich auf Einladung des Heimatvereins zweiter Bürgermeister Karl Lorenz, Kulturbeauftragter Willi Trummer und die Autoren der Publikation in der guten Stube des Taubnschusterhauses. Keck sprach dabei von einem "wieder ganz anständigen Heft". 116 Seiten Text- und Bildbeiträge garantieren für viele Stunden abwechslungsreiches und informatives Lesevergnügen.

Verbunden mit einer regen Aussprache stellten die Autoren ihre Beiträge vor. In zwei Aufsätzen mit insgesamt 33 Seiten ging Albert Furtner der Geschichte der Stadtmühle und der Eschenbacher Mühle nach. Die erste Erwähnung der Stadtmühle fand er in einem Lehensbrief des Pfalzgrafen Johann aus dem Jahr 1433. Ab 1570 wird die Stadt Eschenbach als Eigentümerin geführt. Dass die Mühle ab 1600 zwei Funktionen hatte, las er aus der Angabe der Todesursache - "durch die Seeg erstossen" - des Mühleninspektors in der Sterbematrikel heraus.

Die Geschichte der Eschenbacher Mühle verfolgte er ab dem Jahr 1441. Als "Nidern Mül" wird sie bereits im "Böhmischen Salbüchlein Kaiser Karls IV. über die Nördliche Oberpfalz 1366/68" geführt. Der Leser erfährt unter anderem vom Verweis wegen "yblem mahlens", vom Zurückhalten von Wasser, Bestrafung wegen Unsauberkeit, Familien- und sozialen Verhältnissen sowie Mühlbeschauen wie im März 1616, bei der von den 20 vorgefundenen Gänsen nur 16 erlaubt waren.

Mit Tricks gegen Bankrott

Hans Ott beschäftigte sich mit den Folgen der Schlacht am Weißen Berg bei Prag im Jahr 1620. Die Oberpfalz wurde ein Jahr später von bayerischen Truppen besetzt und 1628 ein Teil Altbayerns. Der Wechsel zum Katholizismus wurde Pflicht und die Regierungsstellen meistens mit Leuten aus Ober- und Niederbayern besetzt. Ott beschreibt auch die soziale Lage in Eschenbach um das Jahr 1780. Dabei kam er zu dem Schluss: "Die Stadtgemeinde wirtschaftete mit Tricks, um den Bankrott zu verschleiern. In den Pfarrrechnungen herrschte das Chaos."

In einem längeren Kalendarium listeten Furtner und Ott "Wetterkapriolen durch die Jahrhunderte" auf. Sie beginnen mit der klimatischen Katastrophe 536 und enden 1966, als ein Sturm das Dach des Gymnasiums beschädigte. 1135, 1158, 1171 und 1681 waren die "Sommer so heiß, dass viele Wälder ausbrannten und viele Bäche austrockneten". Gemeinsam untersuchten die beiden Heimatforscher auch die Beweggründe der Auswanderer. Beispielsweise galten für Oberpfälzer Studenten bis 1628 Universitäten in Ingolstadt, Leipzig oder Wien als Ausland. Unter dem Titel "Von der Landwehr zur Feuerwehr und Bürgerwehr" beleuchtete Hans Ott das Wehrwesen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.

"Ganz tolle Geschichten"

Zweiter Bürgermeister Karl Lorenz bedankte sich für die "große Mühe" der Autoren. Ihnen sei es gelungen, "ganz tolle Geschichten der Eschenbacher Historie aufzuarbeiten". Das Heft ist für sieben Euro in der Stadtapotheke erhältlich.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eschenbach (13379)Januar 2015 (7958)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.