Von wegen Oldie

Baujahr 1962 ist der Steyr Puch 650 TR. Thomas Hartmann hatte die weite Anreise aus Kaufungen nach Friedenfels nicht gescheut.

Die Zeiten sind für Harald Demuth inzwischen unwichtig. Ruhig lässt es der zweifache deutsche Rallye-Meister schon seit Jahren angehen. Beim Friedenfelser Berg-Classic-Preis zeigt der Waldershofer aber - er kann's noch.

Friedenfels. (eg) Die Reifen müssen mit einem Spezialkleber behandelt sein. Anders lässt sich nicht erklären, warum der Opel Manta 400 in den Kurven nicht abfliegt. Links, rechts, links rechts. 50 Meter geradeaus. Links, rechts, links, rechts. Harald Demuth schaltet: rauf, runter, rauf, runter. Das Lenkrad, natürlich ohne Servolenkung, ist ständig in Bewegung. Die Tacho-Nadel leistet Schwerstarbeit. Zwischen 80 und 120 pendelt sie. Kurz vor dem Ziel muss sie rauf auf 160 Stundenkilometer.

Gefühlte 100 Sekunden

"Wie war's?", will der deutsche Rallye-Meister nach gefühlten 100 Sekunden wissen. Länger dürfte er für die 3,15 Kilometer von Friedenfels Richtung Poppenreuth nicht gebraucht haben. "Super! Sensationell!", mehr kann der Co-Pilot zunächst nicht sagen. Er muss die Fahrt erst verdauen. "Freut mich, wenn es gefallen hat", sagt der 64-Jährige und klärt auf: "Das waren noch Reserven drin. 10 Prozent, würde ich sagen."

Es ist ein Motorsport-Großereignis der besonderen Art: Auf der legendären Strecke zwischen Poppenreuth und Friedenfels im Landkreis Tirschenreuth kämpfen die Piloten um den Friedenfelser Berg-Classic-Preis. Ausrichter sind der AC Friedenfels und der MSC Wiesau. Bilder von Armin Eger.


Beim Friedenfelser Berg-Classic-Preis geht es sowieso nicht um Höchstgeschwindigkeit, sondern um Gleichmäßigkeit. "Drei Mal müssen die Fahrzeuge fahren und dabei versuchen, immer die gleiche Zeit zu erreichen", erklärt Organisationsleiter Stefan Schmalzreich. "Bei wem die Abweichung am geringsten ist, der gewinnt."

Beim Vorsitzenden des AC Friedenfels läuft am Wochenende fast alles zusammen. "Stefan, hast du kurz Zeit? Stefan, kannst du mal vorbeischauen?" Schmalzreich kommt nicht zur Ruhe. Und das schon seit Freitag. Da sind die ersten Fahrzeuge, insgesamt sind es 125, in der Steinwaldgemeinde angekommen. Klassiker, wie der Steyr Puch 500 oder 650, NSU-Prinz, Fiat 500, VW Käfer, Porsche, Autobianchi, alte Opel, BMW, Austin Mini oder Alfa Romeo, teilweise 50 Jahre und älter, stehen Kotflügel an Kotflügel zwischen der Brauerei und dem Schloss der von Gemmingen-Hornbergs.

Legendärer Werbespot

"Wir sind zufrieden", zieht Schmalzreich am Sonntagmittag eine Bilanz der Veranstaltung, die der MSC Wiesau und der AC Friedenfels nach 2012 zum zweiten Mal durchziehen. Die ersten Läufe sind zu diesem Zeitpunkt schon vorbei, während noch Hunderte von Zuschauern zur Strecke unterwegs sind und natürlich Harald Demuth, der außer Konkurrenz fährt, sehen wollen.

Die Rallye-Fans kennen den legendären Werbespot des Waldershofers: 1986 fuhr er mit einem Audi 100 CS Quattro (136 PS) die Sprungschanze im finnischen Kaipola hoch. Zuvor, in den Jahren 1982 und 1984, sicherte sich Demuth die deutsche Rallye-Meisterschaft. Es folgten zig Rennen in den Jahren danach. Aber nur einmal, 1972, war er in Friedenfels beim Bergrennen dabei. "Die Strecke bin ich sicher mit meinem Mountainbike schon öfter hochgefahren, als mit dem Auto", sagt der 64-Jährige. Am Sonntag aber möchte er die vier Räder nicht missen: "Die Ursprünglichkeit des Opels, ohne Schnickschnack. Das ist meins."

Als er den Manta 400, diesmal gemütlich vom Ziel zurück nach Friedenfels steuert, winken ihm die Zuschauer zu. Sie kennen ihn eben immer noch, den Rallye-Meister.
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