Von wegen Schnick-Schnack-Schnuck

Am Sonntag will Charlie (Max Tidof) seinen freien Tag. Und da lässt er gar nicht mit sich handeln, auch wenn Elizabeth (Natalie O'Hara) und Josephine (Martine Schrey) sich noch so sehr an ihn schmiegen und mit ihren Reizen gar nicht geizen.

Amberg.Das tun die beiden übrigens schon den ganzen Theaterabend lang. In der Komödie "Auf und davon" des australischen Autors Peter Yeldham umgarnen die beiden Schwindlerinnen mit falschen Tränen, geklautem Gräfinnentitel und findigen Betrügertricks reiche Männer in Tokio und anderswo, um die eigene leere Kasse wieder aufzufüllen. Wenn Geld geflossen ist und der Galan seinen Lohn einfordert, nämlich Sex, dann tauchen die beiden blitzschnell ab. Das geht solange gut, bis eben Charlie die Bühne betritt. Der ist nämlich mindestens genauso ausgebufft wie die beiden Hübschen "Ich habe keine Skrupel, die Armen zu schröpfen, aber die Reichen haben eben viel mehr Geld", lautet sein Motto.

Aus Duo wird Trio

Ab sofort rüstet er das Gaunerduo zum Trio auf. Aber auch wenn sich alle einig sind, dass es "keine Geschichten innerhalb des Teams" geben soll, bleibt's doch nicht nur beim Geschäftlichen und plötzlich stellt sich für zwei Frauen die Frage: Wie teilt man sich einen Mann? Vielleicht im Schnick-Schnack-Schnuck Verfahren?

Es ist schon recht amüsant und charmant zu beobachten, wenn Betrüger sich gegenseitig betrügen. Jeder führt jeden hinters Licht, spielt dem anderen etwas vor und verwirrt mit all den Lügenmärchen auch das Publikum. Ja, wer oder was ist denn nun dieser Charlie? Ein Gangster? Ein Banker? Ein Kommissar? Der "abgebrühteste Lügner des Jahrhunderts" oder "ein Gauner mit Herz"? Film- und Fernsehschauspieler Max Tidof ist ein toller, vielseitiger Typ. Er passt in jedes Charlie-Sakko.

Besonders erheiternd ist sein Auftritt in perfektem Schwizerdütsch als Finanzjongleur mit schief sitzender Perücke, qualmender Pfeife, Karojacke und Rollstuhl. Natalie O'Hara, die man als Gastwirtin aus "Der Bergdoktor" kennt, und Martine Schrey ergänzen sich perfekt. Mit viel Temperament und in flotten Kleidern (Kostüme: Barbara Krott) verdrehen sie liebeshungrigen Geldsäcken - super karikiert von Axel Weidemann - den Kopf. Sehr schnell gewinnen sie auch die Sympathien der Zuschauer im sehr gut besuchten Amberger Theater. Die Bühne wird zur Suite eines Nobelhotels, sagen wir mal Hilton, umfunktioniert. Egal ob in New York, Paris, Istanbul oder Tokio, die Möblierung ist immer die gleiche: Sessel, Couch und beleuchtete Bar. Bei Bedarf erscheint mit einem pfiffigen Dreh auch ein Kuschelbett. Nur das Personal, Zimmermädchen und Kellner (Susanne Theil und Gideon Rapp), turtelt in immer wechselnden, landestypischen Kleidern durch die Szene.

Mit viel Spielwitz

In diesen kleinen Passagen, die auch mittels ideenreicher Lichtprojektionen unterstützt wurden, beweist Regisseur Manfred Langner viel Spielwitz. Wie beim Stein-Papier-Schere-Spiel reizt er sein exzellentes Schauspielerteam vom Tournee-Theater Thespiskarren zu immer neuen Varianten, mit dem Ziel, das Publikum mit leichter Kost prickelnd und spannend zu unterhalten. Gut gelungen - bravo.
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Schröpf (1449)Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.