Voneinander profitiert

Mit Hanne an der Hand und Uli im Kinderwagen, so war Kathi Fuchs im eiskalten Winter 1945 auf der Flucht. Von Oppeln in Schlesien kamen die drei, in Rosenberg fand ihre beschwerliche und gefahrvolle Reise ein glückliches Ende. Zusammen mit Oma Fuchs und ihrer Tochter Liesel, später auch mit Ernst Fuchs, dem Familienvater, landeten sie im Meierfeld bei der Familie Heinrich, dem Elternhaus unserer Autorin. Ein Zimmer und zwei Kammern mit schrägen Wänden, der Wasserhahn auf dem Gang, der Abort unten im Flur, das war Standard damals und genügte. Das Miteinander war für heutige Verhältnisse unglaublich beengt, es wohnten ja noch zwei weitere Parteien auf dem gleichen Stockwerk. Und trotzdem: Es ging gut, man nahm sich an, verstand sich, profitierte voneinander. Vor allem die Kinder. "Wir lernten hochdeutsch, sie bayerisch reden. Wir fürchteten uns gemeinsam vor dem Nikolaus, spielten miteinander Indianer, bauten eine Schneeburg und gruselten uns vor den Geistern im dunklen Treppenhaus. Oma Fuchs erzählte uns Geschichten vom Rübezahl, und meine Mutter und Kathi Fuchs tauschten Kochrezepte aus", erinnert sich Helga Kamm heute.

Es war ein Zusammenleben auf Zeit. Nach zehn Jahren bauten die Schlesier ein Haus in Sulzbach, blieben aber weiter verbunden. (hka)
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