Vor 150 Jahren starb Adolph Kolping - Publizist, Pädagoge und katholischer Sozialreformer
Arbeiterführer in schwarzer Soutane

In Schwandorf erinnert ein Denkmal auf dem Adolph-Kolping-Platz an den katholischen Sozialreformer. Bild: Alexander Unger
 
Auch heute, 150 Jahre nach dem Tod von Adolph Kolping, unterstützen Kolping-Bildungswerke Jugendliche bei der Berufswahl und der Ausbildung. Bild: Petra Hartl

Als Kind eines Schäfers und als Kaplan lernte der Priester Adolph Kolping Armut unmittelbar kennen. Doch bei Mitleid blieb er nicht stehen. Er organisierte das Proletariat, kämpfte gegen die Ausbeutung – aber mit Karl Marx wollte er nichts zu tun haben.

Er machte Karl Marx die Proletarier abspenstig: Adolph Kolping sorgte im 19. Jahrhundert für ein Revival der katholischen Kirche, indem er sich der „sozialen Frage“ annahm. „Wer Menschen gewinnen will, muss das Herz zum Pfande einsetzen.“ Nach diesem Leitspruch handelt Kolping sein Leben lang. Er ist einer der einflussreichsten geistlichen Publizisten, der Mitte des 19. Jahrhunderts seine Stimme erhebt, um für Sozialreformen zu werben. Er gründet Gesellenvereine, in denen er bedrängten jungen Menschen zur Seite steht. Aus ihnen geht das Kolpingwerk hervor, das heute in 61 Ländern vertreten ist. Am 4. Dezember vor 150 Jahren stirbt der hoch geachtete „Gesellenvater“ in Köln.

Unabhängige Vereine


Kolpings „Erfolgsgeheimnis“ sieht der Theologe und Buchautor Christian Feldmann in dessen geschickter Verbindung von Vereinsautarkie und Anbindung an die katholische Kirche. Der Geistliche war einer der Ersten, die die übliche saubere Scheidung von irdischen Problemen und himmlischem Heil durchbrachen. Denn nach Kolpings Überzeugung gibt es keine Trennung zwischen religiösem und irdischem sozialen Leben. Im Gegenteil. „Mitten in den dramatischen Umbrüchen des industriellen Zeitalters wurde Kolping zum Pionier eines sozialen Christentums“, schreibt Feldmann.
Am 8. Dezember 1813 wird Adolph Kolping in Kerpen geboren, in einer Zeit, deren Wandel zur neuzeitlichen Industriegesellschaft Massenarmut hervorbringt: Immer mehr Handwerker rutschen gesellschaftlich und sozial ab. Kolping besucht die Volksschule, wird Schuhmacher. Doch der junge Handwerker ist ehrgeizig und will das enge Gesellendasein hinter sich lassen. Er fällt die Entscheidung, Priester zu werden. Kolping macht in Köln das Abitur nach, studiert und wird 1845 zum Priester geweiht. Als Kaplan in Elberfeld findet der junge Theologe seine Lebensaufgabe im 1846 gegründeten Katholischen Gesellenverein. Hier sucht Kolping nach Wegen, die sozialen Fragen seiner Zeit aktiv zu lösen. In der Textilstadt, heute ein Stadtteil von Wuppertal, lernt er die Not gestrandeter Industriearbeiter kennen. Der junge Priester schreibt: „Das lecke Schiff der Industrie lag auf dem Strande, das Schiffsvolk irrte trostlos auf nacktem Ufer, jeder Unbill der Verhältnisse preisgegeben.“


Seine Gesellenvereine sollen der Proletarisierung entgegenwirken und die Bildung der Handwerker und Arbeiter verbessern. In ihnen verankert Kolping die systematische Erwachsenenbildung. Die Selbsthilfeorganisationen bilden eine Art Familienersatz. Durch Freizeit- und Bildungsangebote wollen sie verhindern, dass Handwerker ins Proletariat abrutschen – und sich so dem Christentum entfremden.

Kolping setzt sich für traditionelle Werte wie Ehe und Familie, ein Aufwachsen in verlässlichen Beziehungen, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn ein. „Das Familienleben und sein Wohlbestand ist wichtiger als alle Wissenschaft der Gelehrten, als alle Kunst der großen Geister, als alle Macht der Mächtigen“, schreibt der Priester. Und Kolping setzt auf den Aufbau einer soliden beruflichen Existenz.

Domvikar in Köln


Schnell wird Kolping zur prägenden Figur des Vereins und formt ihn mit pädagogischer Begabung zum Vorbild für weitere solche Einrichtungen. Als Kolping 1849 als Domvikar nach Köln berufen wird, hat der Verein schon weite Verbreitung gefunden. Als der Geistliche am 4. Dezember 1865 kurz vor seinem 52. Geburtstag stirbt, existieren mehr als 400 seiner Gesellenvereine in Deutschland und vielen Ländern in Europa. Die Organisation zählt fast 25 000 Mitglieder.
„Kolping sieht Bildung nicht nur als Voraussetzung für ökonomische, sondern gerade als Prämisse für gesellschaftliche Veränderung“, würdigt Thomas Dörflinger den Gründer. Bildung sei für ihn nie nur Mittel zum Zweck gewesen: „Sie ist Teil der Würde des Menschen“, betont der CDU-Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende des Kolpingwerkes Deutschland. Adolph Kolping gelte zurecht gemeinsam mit dem Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811–1877) als Wegbereiter der katholischen Soziallehre.

Seit 1991 selig


Am 27. Oktober 1991 spricht Papst Johannes II. Kolping selig. „Man kann sagen, dass das heutige Evangelium in besonderer Weise mit dem Leben und der Tätigkeit dieses Priesters zu tun hat“, sagt das Kirchenoberhaupt. Kolping habe viele Lichter des Evangeliums auf die damals sehr schwierige Frage der sozialen Gerechtigkeit in den wechselseitigen Beziehungen von Arbeit und Kapital geworfen.
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