Vor 50 Jahren: Steine flogen gegen die Kapelle

Der Kapellenbau vor 50 Jahren war ein Kraftakt für die Fiedlbühler - nicht nur wegen der Kosten. Die Gegner des Projekts setzten den Initiatoren damals hart zu. Ein Widerspruch gegen die Baugenehmigung scheiterte. Später wollten genau diese Gegner über einen Rechtsanwalt eine Baueinstellung erwirken. Als auch das erfolglos blieb, griffen sie zu anderen Mitteln, wie eine noch vorhandene handschriftliche Notiz von Hans Dirscherl bewies. "Am 2. September 1963 war Baubeginn, und vom 3. auf 4. September wurde ein Teil des Mauerwerks eingeschmissen. Eine Woche später warfen die Täter einen Stein ins Dach, worauf zehn Ziegeltaschen zerbrachen. Ende September sind 56 Gehwegplatten abhanden gekommen."

"Bereits 1960 bildete sich in Fiedlbühl eine Interessengemeinschaft, vertreten durch den späteren Kreis- und Stadtrat Hans Dirscherl, die den Bau einer Kapelle anstrebte", erinnerte sich der Rathauschef. Dirscherl befand sich bei der Jubelfeier trotz seines hohen Alters - er wird noch in diesem Monat 85 Jahre - unter den Gästen. Damals dokumentierte der Fiedlbühler ganz genau, warum die kleine Ortschaft eine Kapelle bekommen sollte: Durch den Bau würde für ältere Menschen, die den beschwerlichen Weg nach Altenstadt und Vohenstrauß nicht mehr gehen könnten, ein Betraum geschaffen für Andachten, ebenso für die Wallfahrer zum Fahrenberg sowie nach Pleystein, die häufig über den Fiedlbühl gehen. Zum anderen wollten die Fiedlbühler gegenüber den anderen Ortschaften im Umkreis, die alle eine Kapelle besaßen, nicht zurückstehen. Der damalige Stadtpfarrer Sebastian Riedl erklärte sein Einverständnis, und so beschloss der Gemeinderat in seiner Sitzung am 16. November 1960, das Gartengrundstück an der Weggabelung vor der Gaststätte Wenzl für den Kapellenbau zur Verfügung zu stellen. Die vom Bauunternehmer Czornik und Co. am 18. Januar 1961 gefertigten Baupläne tragen die Unterschrift von Hans Töppel, dem Vater des heutigen Kreis- und Stadtrats Wolfgang Töppel, informierte Wutzlhofer. Mit Bescheid vom 28. September 1961 erteilte das Landratsamt Vohenstrauß die Baugenehmigung.

Eine Herkulesaufgabe war die Finanzierung der mit 1993,86 Mark veranschlagten Baukosten, die nur über Bar- und Sachspenden bewältigt werden konnten. Unzählige Stunden an Eigenleistung durch freiwillige Helfer summierten sich dazu. Doch die Anstrengungen wurden belohnt, und am 1. Dezember 1963 wurde die Kapelle eingeweiht. Die Gegner gaben sich selbst da noch nicht geschlagen: Zwei Tage zuvor wurde ein Glas der Eingangstür eingeworfen. Schließlich nahm doch noch alles ein gutes Ende. Am 10. Juni 1964 wurde dem Landratsamt mitgeteilt, dass der Bau am 30. April 1964 vollendet worden war.

Seit nunmehr 50 Jahren lädt das kleine Gotteshaus die Gläubigen zur Besinnung ein. Viele kamen in dieser Zeit ins Kirchlein, darunter prominente Gäste wie der frühere bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel, der 1970 bei einer Wanderung die Kapelle entdeckte. Dabei fiel ihm auf, dass die Madonna recht verfallen war. Spontan erklärte sich der Münchner bereit, eine neue Holzfigur zu stiften.

Am 25. September 1970 löste er sein Versprechen ein. Gerne hätte das Stadtoberhaupt Dr. Goppels beide Söhne bei der Jubiläumsfeier begrüßt. Wegen anderer Termine war es ihnen jedoch nicht möglich. Allerdings ließen sie die Gäste durch den Bürgermeister herzlich grüßen. Viel Lob erntete Barbara Hammerl, die sich seit Jahrzehnten vorbildlich um die Pflege des Kleinods kümmert. Seit sie gesundheitlich etwas angeschlagen ist, unterstützt sie Klaus Neumann. An diesem Festtag brachte der Bürgermeister einen Blumenstrauß nur für sie alleine mit. Hans Dirscherl überreichte er ein Weinpräsent. (dob)
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