Vor GI bekreuzigt

Zügig gingen die Amerikaner daran, das öffentliche Leben neu zu ordnen und nebenbei "Imagepflege" zu betreiben. "Wie die meisten Deutschen war ich Opfer der Nazipropaganda", erinnerte sich der damals zwölfjährige Ambros Prechtl: "So wurden die Amerikaner allgemein, und die ,Neger' insbesondere als grausame Mörder hingestellt. Als ich den ersten Schwarzen sah, habe ich mich bekreuzigt und meine Rechnung mit dem Himmel gemacht, denn ich war mir sicher, dass der mir die Gurgel abschneiden würde."

Im ersten Stock der Sparkasse am Primianusplatz richteten die neuen Herren eine Militärregierung für den Kreis Kemnath ein. Am 8. Mai setzten sie den Kaufmann und Sozialdemokrat Josef Högl zum Nachfolger des NSDAP-Bürgermeisters Hans Strickner ein. Entnazifizierung, Vertriebenenintegration und Neuaufbau von Verwaltung und Wirtschaft sollten in den folgenden Jahren Deutsche wie Amerikaner beschäftigen: der Startschuss zur Verwandlung des "idealen Truppenübungsplatzgeländes mit hinterländisch aussehenden Einwohnern", wie Militärregierungsdirektor Eli Slopak 1946 das Kemnather Land meinte bespötteln zu dürfen, in eine moderne Vorzeigeregion. (bjp)
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