Vorliegende Baugenehmigung noch mal um zwei Jahre verlängert
Für Glyptothek fehlt das Geld

Eine Glaskonstruktion schafft im Tempelinneren eine Ausstellungshalle.

In Berlin und Athen kann noch so gestritten werden - in Etsdorf fließt trotzdem der Ouzo. "Jamas" hieß es am Freitagabend im Dorfwirtshaus, als die Freunde der Glyptothek einmal mehr auf den geplanten Nachbau des Aphaia-Tempels anstießen.

Und wieder zeigte sich eine Parallele zwischen Oberpfälzern und Hellenen: Beiden fehlt das Geld. Seit nunmehr acht Jahren liegt die Baugenehmigung für das eigenwillige Projekt vor. Erst vergangene Woche hat Initiator Wilhelm Koch das Dokument um weitere zwei Jahre verlängern lassen. "Wir können nicht anfangen. Es fehlt einfach der große Mäzen", erklärte der Künstler.

Die Freunde der Glyptothek nahmen diese Nachricht im Gasthaus zum Steinköppl mit Gelassenheit auf. Sie sind es gewohnt, dass sich die Dinge langsam entwickeln und dann meist besser werden als eigentlich gedacht. Wie der Tempel-Marathon zum Beispiel. Die Laufveranstaltung, die alle zwei Jahre am Tag der deutschen Einheit stattfindet, hat in Läufer-Kreisen mittlerweile Kult-Status erreicht.

Die Säulenhalle mit den Abgüssen antiker Figuren steht zwar noch nicht, aber ihr Schaulager existiert längst. Das Tempel-Museum, eingerichtet im ehemaligen Schulhaus, hat sich zum kulturellen Dreh- und Angelpunkt des Dorfes entwickelt. Kulturschaffende aus ganz Europa waren dort schon zu Gast. Es dient aber auch den örtlichen Vereinen als Veranstaltungshaus. "Besser könnte es nicht laufen", bilanzierte Koch.

Der Künstler ist nicht nur Vorsitzender des Fördervereins, sondern leitet auch die Stiftung, die als Bauträger für die Glyptothek auftritt. Etwa 80 000 Euro an Stiftungskapital sind bereits vorhanden, hinzu kommen rund 20 000 Euro an Spendengeldern, die für den Baubeginn fest zugesagt sind. "Wenn wir alles zahlen müssten, bräuchten wir etwa eine Million", rechnete Koch vor. "Mit 500 000 Euro könnten wir aber zumindest einmal anfangen."

Die Projekt-Idee ist weiter gereift. Mittlerweile steht fest, dass die Glyptothek ein "Europa-Tempel von Bürgern für Bürger" werden soll. Eine internationale Begegnungsstätte zur Feier von 2500 Jahren Demokratie, gelegen an der Europastraße 50 - einer Magistrale, die den Atlantik mit dem Schwarzen Meer verbindet.

Zwei neue Ausstellungen

Der ideelle Unterbau wächst von Jahr zu Jahr. Heuer kommen zwei wuchtige Bausteine hinzu: Am Sonntag, 3. Mai, eröffnen im Tempel-Museum zwei neue Ausstellungen. Zum einen die zuvor in Den Haag gezeigte Schau "Europa-Fahnen - Entwürfe für ein neues Europa-Symbol". Designer aus aller Welt hatten sich dazu mit 1400 Vorschlägen an einem Ideenwettbewerb beteiligt. Zu sehen sind die zwölf Siegerkonzepte.

Einblicke in Walhalla

Außerdem startet am selben Tag die Bilderschau "Walhalla 2015 - Fotografien von Marcus Ebener, Berlin". Die Fotos entstanden zum Abschluss der zehnjährigen Renovierung der Walhalla 2014 und gewähren Einblicke in den Baukörper, die normalerweise nicht möglich sind. So sind Aufnahmen von den Gewölben unter der Säulenhalle zu sehen oder Bilder von der schmiedeeisernen Dachkonstruktion.

Die hitzigen Wortgefechte zwischen dem griechischen und dem deutschen Finanzminister lassen die Freunde der Glyptothek kalt. "Gerade in Zeiten wie diesen sieht man ganz deutlich, dass so ein Projekt wichtig ist", zeigte sich Wilhelm Koch am Freitag überzeugt.
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