Vuelta bei der 70. Auflage hochkarätig besetzt wie selten - Degenkolb auf Etappenjagd
Froome führt Feld bei Tour-Revanche an

Die Tour de France hat er schon gewonnen. Nun will Christopher Froome auch bei der Vuelta die Siegerpose einnehmen. Bild: dpa
Nur Vorjahressieger Alberto Contador fehlt. Ansonsten kommt es bei der exzellent besetzten 70. Vuelta a España zur großen Tour-de-France-Revanche. Die ersten Vier des Pariser Podiums - Chris Froome, Nairo Quintana, Lokalmatador Alejandro Valverde und Vincenzo Nibali - stehen am Samstag am Start. Dazu kommt der Italiener Fabio Aru. Froome will nach Jacques Anquetil (1963) und Bernard Hinault (1978) der dritte Radprofi werden, der Tour und Vuelta in einer Saison gewinnt.

Aus deutscher Sicht will sich John Degenkolb nach seiner persönlichen Tour-Enttäuschung auf den 3357 Kilometern zwischen Marbella und Madrid schadlos halten. Der Mann des Frühjahrs, der im Vorjahr in Spanien das Punktetrikot und vier Etappen gewann, will sich mit einer Top-Vuelta auch für die WM in Richmond empfehlen.

DIE FAVORITEN: Froome, der in den Kriterien nach der Tour kräftig abkassierte, ist der Mann, den es zu schlagen gilt. Der zweifache Toursieger will die Vuelta nach zwei zweiten Plätzen endlich einmal gewinnen. Aber der schmächtige Brite muss sich gegen schlagkräftige Doppelspitzen durchsetzen. Movistar greift wie in Frankreich mit Quintana und Valverde an, Astana mit Nibali und Aru. "Chris kommt mit großer Moral. Wir gehen mit einem klaren Ziel an den Start, den Gesamtsieg", sagte Froome-Helfer Christian Knees, der seine insgesamt 14. Grand Tour bestreitet. Bei den Buchmachern wird der Kolumbianer Quintana, der zum Tour-Ende immer stärker wurde und Froome noch richtig Angst einjagte, am höchsten gehandelt.

DIE DEUTSCHEN: Degenkolb gewann die hochkarätigsten Eintagesrennen, kam beim Giro und der Vuelta bisher auf zehn Etappensiege - nur bei der Tour hat es noch nicht geklappt. Das wurmt den ehrgeizigen Wahl-Frankfurter, der sich ab Samstag auf bevorzugtem Terrain wieder austoben kann. Die Kilometer in Spanien dienen dem 26 Jahre alten Thüringer auch als Vorbereitung auf die WM in Richmond vom 19. bis 27. Oktober. Sein Teamkollege Johannes Fröhlinger träumt vom Geschke-Effekt. Wie der Berliner bei der Tour will der Gerolsteiner eine Etappe gewinnen.

DIE STRECKE: Ein Team-Zeitfahren zum Auftakt vom Jachthafen Puerto Banus, ein 39 Kilometer langes Einzelzeitfahren in Burgos vier Tage vor dem Finale in Madrid und neun Bergankünfte: Die Vuelta-Veranstalter lassen es zum 70. Geburtstag mächtig krachen. Auf der Königsetappe in Andorra mit dem Ziel in Cortals d'Encamp müssen fünf Pässe erklommen werden. Nach einem Jahr Pause endet die Vuelta am 13. September wieder in der Hauptstadt.

DIE WM: Die Titelkämpfe in Virginia mehr als einen Monat nach dem Vuelta-Finale werfen ihre Schatten voraus. Mit Blickrichtung Richmond feiert der vierfache Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara nach dem schweren Tour-Sturz und einer erneuten Wirbelverletzung sein Comeback. Auch der Slowake Peter Sagan, dem wie Degenkolb bei der Tour kein Etappensieg vergönnt war, will langsam auf die richtige Betriebstemperatur für die Titelkämpfe in den USA kommen. Genau wie Degenkolb, dem die Kapitänsrolle im deutschen WM-Team vom vierfachen Tour-Etappensieger André Greipel streitig gemacht werden könnte.
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