Vugar Gashimov
In Memoriam

DNT_1SR_06062015_VPZ_56-B_0930.jpg
Dass schon gut ein Jahr nach seinem Tod bereits zum zweiten Mal ein Gedenkturnier ausgetragen wird, ist mehr als außergewöhnlich und doch geschehen. Vor kurzem ging in Shamkir/Aserbaidschan wieder das Gashimov-Memorial über die Bühne. Dass zehn Weltklassespieler, darunter Weltmeister Magnus Carlsen, der das Turnier vor einem Jahr gewann, und Exweltmeister Viswanathan Anand, an den Start gingen, zeigt die überaus hohe Wertschätzung, die der allseits beliebte aserbaidschanische Großmeister Vugar Gashimov genoss. Und dies nicht zu Unrecht. Als eine Seele von Mensch war er gegen jedermann freundlich und hilfsbereit, Attribute, die auf eine Reihe von Großmeisterkollegen nicht immer zutreffen.

Durch dieses Turnier mit einem Elo-Durchschnitt von 2774 ehrten die Teilnehmer abermals den mit 27 Jahren viel zu früh an einem Gehirntumor Verstorbenen, der sechs Jahre alt war, als ihm sein Vater das Schachspiel beibrachte. Schon bald erkannte man sein Talent. Durch Förderung namhafter Trainer wurde er 1996 Vize-Weltmeister der U-10, mit 13 Jahren Internationaler Meister und mit 16 Jahren Großmeister. Als einer der stärksten Spieler seines Landes hatte er am hervorragenden EM-Abschneiden Aserbaidschans (2007 dritter, 2009 erster und 2011 zweiter Platz) wesentlichen Anteil.

Der für sein kreatives Spiel und seinen dynamischen Spielstil bekannte Gashimov spielte seit 2005 international in verschiedenen Vereinsmannschaften, in Deutschland seit der Spielsaison 2009/10 für Werder Bremen. Mit seiner höchsten Elo-Zahl von 2761 nahm er Platz 9 der Weltrangliste ein.

Im Gashimov-Memorial konnte Weltmeister Carlsen seinen Vorjahressieg mit 7 aus 9 eindrucksvoll wiederholen. Allerdings war in Runde 1 das Glück auf seiner Seite, als es Anand, mit 6 aus 9 guter Zweiter, nicht gelang, ein Endspiel mit Mehrbauer zu gewinnen.

Hier ein feiner Sieg des Exweltmeisters gegen den starken Philippino Wesley So, der in der Endabrechnung hinter Carlsen, Anand und Caruana den 4. Platz belegte. Und So ist kein Fallobst. Der heute 21-Jährige wurde mit 14 Jahren Großmeister und qualifizierte sich bereits dreimal (2009, 2011 und 2013) für den Welt-Pokal.

Weiß: Viswanathan Anand

Schwarz: Wesley So

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.d3 b5 7.Lb3 0-0 8.Sc3 d6 9.a3 Sb8 10.Sg5 Sc6 11.La2 Sd4 12.Se2 Sxe2+ 13.Dxe2 h6 14.f4! hxg5 15.fxg5 Sg4 16.g6 Lg5?! 17.h3 Lxc1 18.Taxc1 Sh6 19.Dh5 Le6 20.Lxe6 fxe6 21.g4 c6 22.Txf8+ Dxf8 23.Tf1 De7 24.g5 Tf8 25.gxh6 Txf1+ 26.Kxf1 Df8+ 27.Ke2 gxh6 28.Dg4 Df6 29.h4 d5 30.h5 d4 31.b4 Kg7 32.Df3 De7 33.Kd1 Kg8 34.Df2 Kg7 35.c3 dxc3 36.Kc2 Dc7 37.Dc5 Kg8 38.De3 a5 39.Dh3 axb4 40.Dxe6+ Kf8 41.axb4 Da7 42.Kxc3 Da3+ 43.Kc2 Da4+ 44.Db3 Da7 45.d4 1-0

Tagesnotizen: Die Taktikaufgabe Nr. 98a kam bei der in diesem Jahr in Jerusalem ausgetragenen Europameisterschaft zwischen dem ukrainischen Super-GM Pavel Eljanov und dem russischen GM Evgeny Romanov aufs Brett. Schwarz hatte sich im Vertrauen auf seine sichere Königsstellung gerade mit 0...Sd4xf3 seinen Bauern zurückgeholt. Damit lag er jedoch nicht richtig. Wie kann Weiß am Zug die Partie für sich entscheiden?

Mit dem Siebenzüger in Aufgabe Nr. 98b legt uns der Flensburger Internationale Meister für Schachkompositionen Dr. Baldur Kozdon wieder eine Miniatur mit schwarzer Dame vor. Die Aufgabe zeigt recht anschaulich, dass dem Löser vor Mehrzügern nicht bange zu sein braucht, sind diese oftmals nicht schwerer zu lösen als mancher Dreizüger. Wie hat Weiß gegen den ins Eck gedrängten schwarzen König dabei vorzugehen?

Lösungen: In Taktikaufgabe Nr. 97a (Brunner-Fressinet, W: Kh2, Df3, Tc1, Te7, Ba2, b3, c4, f4, h3 [9], S: Kh8, Dg6, Td4, Tg8, Ba5, b6, c7, d6, f5 [9]) aus einer 2012 bei der französischen Teammeisterschaft gespielten Partie erscheint auf den ersten Blick unklar, welcher der beiden Könige gefährdeter steht. Schwarz am Zug wies mit 1...Td3! nach, dass es der weiße König ist. Der Textzug zielt darauf ab, die Dame vom Mattfeld g2 abzulenken. Deshalb kommt 2.Dxd3?? wegen des sofortigen Matts 2...Dg2# nicht in Betracht. 2.Df1? deckt zwar das Mattfeld g2, ließe aber 2...Dg3+ 3.Kh1 Dxh3+ 4.Dxh3 Txh3# zu.

Dass Weiß absolut verloren ist, zeigt die Folge 2.Df2. Immerhin muss Schwarz das Turmopfer 2...Txh3+! finden, nach dem sich Schwarz geschlagen gibt: 3.Kxh3 Dg4+ 4.Kh2 Dh5+ 5.Dh4 Dxh4#.

Eine leichte Übung, oder?!

Mit dem Dreizüger in Aufgabe Nr. 97b (von Holzhausen, W: Kh4, Dd5, Ld2, Bf3 [4], S: Kf4, Te3, Be5, f5 [4]) kam ein Verfechter der "Neudeutschen Problemschule" zu Wort, die 1903 mit der Schachstudie "Das indische Problem" von Kohtz und Kockelkorn ihren Anfang nahm und die alte Schule um Johann Berger revolutionierte, die großen Wert auf Figurenopfer und Variantenreichtum legte.

Wie bei den Begründern der "Neudeutschen Schule" standen auch bei von Holzhausen Logik und Zweckreinheit des Schlüsselzuges im Vordergrund. Daraus folgt, dass auch der Schlüssel unseres Dreizügers logisch und zweckrein sein wird. Analysieren wir die Ausgangsstellung, erkennen wir, dass der Turm gefesselt und der schwarze König zugunfähig ist. Jedoch besitzt Schwarz das starke Satzspiel 1...e4, das dem schwarzen König das Fluchtfeld f3 und eine Option auf die Flucht nach e5 (bei einem entsprechenden Wegzug der Dame) liefert. Eine solche Flucht würde zudem den Turm e3 entfesseln. Gesucht wird also ein Schlüsselzug, der die Fluchtfelder e5 und f3 und zudem das Feld d4 im Auge behält. Dies leistet nur der Entfernungsschlüssel 1.Da8!, mit dem Zugzwang eintritt. Nach dem erzwungenen 1...e4 folgt 2.Da1!. Von hier aus kontrolliert die Dame das Fluchtfeld e5 und hat die Felder d4 und f3 im Visier. Schwarz kann nur zwischen 2...exf3 3.Dd4# mit Fesselmatt oder 2...Kxf3 3.Df1# wählen.

Ein schön gebauter "logischer" Achtsteiner!
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.