Wald erobert Weiler zurück

Am nördlichen Waldrand der Einöde stand nach einer historischen Karte Haus Nummer 3. Das Gebäude wurde als erstes abgerissen. Ein paar Sandsteine markieren noch den Standort.

Der Weiler Königskron existiert nur noch auf der Landkarte. Das letzte Gebäude, Königskron Haus Nr. 1, wurde vor einigen Jahren abgebrochen. Es gehörte der Forstverwaltung. Was auf die einstige Einöde unterhalb des 818 Meter hohen Geißbergs hinweist, ist ein Marterl.

Immenreuth. (bkr) Es erinnert an Johann Fick. Der Obergefreite war am 12. Oktober 1944 bei Straßenkämpfen in Muodas, Litauen, gefallen.

Aufmerksame Wanderer werden aber noch eines finden: Alte Gartensäulen und auch etwas Restmüll auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom ehemaligen Anwesen Königskron 1. Dieses Gebäude wurde 1781 als Holzhaus erbaut und in den Jahren 1817/18 durch einen Steinbau ersetzt, schreibt Heimatforscher Werner Veigl aus Haidenaab in seinen Aufzeichnungen.

Die "Churfürstliche Hofkammer Kanzleystelle" in München hatte am 6. Februar 1778 dazu dem Schuhmachermeister Joseph Fick aus Muckenreuth (Gemeinde Kirchenpingarten) die Erlaubnis zum Bau eines Häusls erteilt. Den Erbbrief stellte dazu das Kastenamt Kemnath am 26. April 1779 aus.

Ein Bach, drei Namen

In Königskron existierten einst drei Anwesen, eingesäumt von großen Wiesenflächen, die bis ins Tal der Haidenaab reichten. Die Haidenaab allerdings heißt heute Tauritzbach und trug früher den Namen Heinersbach. Ein Schicksal, das vermutlich auf mundartunkundigen Geographen zurückzuführen ist und noch bis 1997 zu einigen volkstümlichen Streitigkeiten führte. Je nach Alter von Landkarten sind heute noch die drei Namen zu finden, wobei der Tauritzbach auch im Haidenaabmoor entspringen kann.

So wie die Haidenaab ihren falschen Namen erhielt, erging es auch Königskron. Mundartlich wird der Flecken heute noch als "Pechwies'n" bezeichnet. Dies rührt davon, dass dort früher Pech gewonnen wurde. Einer dieser Pechbrenner, auch Kiener genannt, soll der Überlieferung nach in eine solche Pechgrube gefallen sein. Die Pechgrube wurde zu seinem Grab, ist auf der Homepage der Gemeinde Immenreuth zu erfahren. Aus diesem Grund sprach man auch von "Ka'inersgro", dem Grab des Kieners.

Seit 1967 verlassen

Die letzten zwei Bewohner verließen Königskron 1967. Ein Grund war sicherlich die schlechte Verkehrsanbindung, die gerade im Winter oft sehr problematisch war. Für Wanderer und Forstleute war das Haus mit seiner Gaststube eine willkommene Einkehrstätte für ein Bier nach Feierabend.
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