Wald übersteht Reform bestens

Forstbetriebsleiter Stefan Bösl (rechts) und Servicestellenleiter Ingo Greim sehen sich als Verwalter des Staatsforstes der Tradition und Nachhaltigkeit verpflichtet. In ihren Augen ist das Konzept der vor zehn Jahren heftig umstrittenen Forstreform für alle Funktionen des Waldes aufgegangen. Bild: ui

Die Oberpfälzer mögen wie die meisten Deutschen ihren Wald. 2005 tobte im Vorfeld der Forstreform ein heftiger Sturm mit fast erfolgreichem Volksbegehren. Bei der Bilanz zehn Jahre später sprechen die Bayerischen Staatsforsten über Buchen und Fichten, aber auch über Kraniche und Fischotter.

"Wir haben noch nie so viel Geld für Aufforstung, Wege und andere Aufgaben wie den Naturschutz zur Verfügung gehabt, wie seit der Forstreform", freut sich der Chef des Betriebs Flossenbürg der Bayerischen Staatsforsten, Stefan Bösl. Die Mitarbeiter böten die Gewähr, dass am Wald kein Raubbau getrieben werde. "Förster zu sein ist kein Job, sondern eine Berufung", bekräftigt Bösl, der aus Schneeberg (Winklarn) stammt. Es gebe eine emotionale Bindung auch an das, was man vor zehn Jahren gemacht habe, ergänzte Ingo Greim, der Servicestellenleiter des Forstbetriebs. "Wir fühlen uns der Tradition und Nachhaltigkeit verpflichtet."

Uhu und Luchs zurück

Noch nie habe der Staatswald die Anforderungen, die die Gesellschaft an ihn stelle, so gut erfüllt wie heute, urteilt Bösl. Es sei gelungen, einen Gleichklang von ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen herzustellen. Bösl spricht von gleichzeitiger nachhaltiger Bereitstellung von Bau- und Brennholz, dem Boden-, Luft-, Wasser- und Klimaschutz, dem Wald als Erholungsraum für Einheimische und Touristen, aber auch die Bewahrung und Wiederherstellung als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. "Über all unserer Arbeit steht der Grundsatz Schützen und Nutzen auf ganzer Fläche im Sinne einer multifunktionalen Forstwirtschaft!"

Nur die aktive Bewirtschaftung der bayerischen Wälder unter Berücksichtigung aller Funktionen hält Bösl für zukunftsfähig. Dazu gehöre selbstverständlich auch der Erhalt der biologischen Vielfalt. "Ich möchte aber auch nicht verhehlen, dass wir in Bayern uns mit diesem Grundverständnis unserer Arbeit im Widerspruch zu nationalen Biodiversitätsstrategie befinden." Doch wie dort gefordert zehn Prozent der Flächen komplett für den Naturschutz aus der Nutzung herauszunehmen hält Bösl für falsch. "Das sind im Freistaat 500 000 Festmeter Holz oder 20 000 Lastwagenladungen weniger als derzeit", rechnet Greim vor. Diese Menge müsste man von andernorts holen. "Wäre das sinnvoll, zumal unsere Standards nicht überall eingehalten werden?"

Den Erfolg des bayerischen Weges sehe man mit der erstaunlich schnellen Rückkehr vieler seltener Arten wie Uhu, Kranich, See- und Fischadler, aber auch Luchs, Fischotter und einer Vielzahl von Fledermausarten, die im Bereich der von Flossenbürg aus verwalteten Wälder wieder heimisch wurden. Ein problematisches Tier im relativ dicht besiedelten Bayern werde der Wolf sein, der sich von Osten her ausbreitet, kündigt Bösl an. "Das hat aber nichts mit der Waldbewirtschaftung zu tun." Natürlich gebe es auch immer Konflikte, wenn beispielsweise ein Radweg, der gleichzeitig Forststraße zum Abtransport von Holz ist, nicht unmittelbar nach einem Hieb wieder komplett instandgesetzt ist. Oder, wenn Wanderer die gespurten Skilanglaufloipen begehen und beschädigen. "Wir bekommen auch immer wieder Beschwerden, dass es bei uns im Wald so schlampig aussieht, weil wir abgestorbene Bäume aus Naturschutzgründen bewusst stehen oder liegen lassen." Manch ein Brennholzinteressent wolle es nicht verstehen, dass ein solcher Biotop-Baum als Wohnung für den Specht im Wald bleiben müsse, obwohl man daraus mindestens drei Ster Holz machen könne.

Viele Interessen beachten

Das Naturschutzkonzept des Forstbetriebs ist im Internet für jeden nachlesbar: "Die Naturschützer sehen den Wald als Arche Noah, die Sägewerke als riesiges Rohstofflager und die Erholungssuchenden als Kulisse für Freizeitaktivitäten und jeder ausschließlich unter seinem Blickwinkel", zitierte Bösl eine Kollegen. "Diese unterschiedlichsten Interessen unter einen Hut zu bekommen, das ist die Kunst, die einen wesentlichen Teil unserer Arbeit am Forstbetrieb ausmacht."

Auf örtlicher Ebene gebe es ein gutes Verhältnis zum Landesbund für Vogelschutz und den Bund Naturschutz, zu Kommunen, Wegewarten und OWV, mit Touristikern, Naturschützern und Jägern. "70 Prozent aller Abschüsse auf unseren Flächen werden von privaten Jägern getätigt." Bösl wünscht sich, dass alle Beteiligten weiterhin so konstruktiv mit den Staatsforsten zusammenarbeiten wie bisher. "Nur im Miteinander schaffen wir es, den vielfältigen Anforderungen an den Wald gerecht zu werden."
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