Wanderung durchs Lauterachtal gewährt Einblicke
Von Hundsbierln und Wognroifala

Als die Wanderer die Hohenburg erreichten, nahm ihnen ein plötzlich heraufziehendes Gewitter die Sicht in die Ferne. Bild: schß
(schß) 25 Wanderer trotzten dem Regen: Als Bayern-Tour Natur boten Ursensollens Heimatpfleger Josef Schmaußer und das Seniorennetzwerk Ammerthal-Ursensollen einen Ausflug ins Lauterachtal an. Dieser gewährte interessante Einblicke in Natur, Kultur und Heimatgeschichte.

Ausgangspunkt in Allersburg war die Michaelskirche auf dem Weinberg - schon vor über 1000 Jahren Mittelpunkt einer Urpfarrei, die von Pielenhofen im jetzigen Übungsplatz Hohenfels bis nach Erlheim reichte. In der Zeit der Hussiten-Einfälle (15. Jahrhundert) wurde der Gottesacker zum Wehrfriedhof befestigt.

Das bestimmende Motto der bayernweiten Wanderaktion erlebten die Naturfreunde auf einem Teilstück des beliebten Wacholderweges in Richtung Hohenburg. Zahlreiche Stöcke des geknäuelten Enzians, verblühte Orchideen, Rote Licht- und viele Pechnelken zeigten den Artenreichtum dieser Region. Auch die prägenden Wacholderstauden mit ihren Früchten, im Dialekt lautmalerisch Krampatbierlschtaudn, der Hartriegel (Hundsbierl), reife Hagebutten (Wognroifala) und Pfaffenhütchen waren zu entdecken. Die 83-jährige Erika Reichhart konnte anhand einer Frucht erklären, dass die Hagebutte wirklich eine Ähnlichkeit mit einem Wagenrad hat. Außerdem wusste sie, dass die Samen des Breitwegerichs heute noch als Vogel- und Flohsamen bei Verdauungsproblemen helfen können.

Ein trauriges Schicksal erlebte noch in den 1970er-Jahren die ehemalige Martinskirche mit Einsiedlerklause oberhalb von Hohenburg: Das jahrhundertealte Kirchlein wurde sinnlos zerstört. Eine bedeutende Leonhardi-Wallfahrt zog bis in die 1930er-Jahre eine große Zahl von Pilgern an. Die Lage erinnert sehr an das vom Archäologen Dr. Mathias Hensch freigelegte Ermhof bei Neukirchen. Heimatfreunde bemühten sich bereits um eine Grabungserlaubnis bei den US-Amerikanern, denn das St.-Martins-Patrozinium verweist wie Ermhof in die Zeit der Franken.

Gerade als die Teilnehmer der Exkursion die Hohenburg erklommen hatten, trübte ein plötzlich heraufziehendes Gewitter mit etwas Regen die Sicht in die Ferne. Die Erklärungen zur Geschichte des Truppenübungsplatzes Hohenfels musste Schmaußer deshalb bei einer abschließenden Einkehr in der Hammermühle geben. (Blickpunkt)
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