Warum Griechenland wieder boomt - Interview mit dem Tourismus-Experten René Herzog
"Die Deutschen haben es vermisst"

Mit der Schuldenkrise kamen Finanzkontrolleure nach Griechenland, und die deutschen Touristen blieben fern. Doch inzwischen ist Griechenland als Urlaubsziel wieder gefragt, der Tourismus boomt, wie der Deutsche Reiseverband bestätigt. Über das Ende der Flaute freuen sich auch die deutschen Reiseveranstalter. Im Interview erläutert René Herzog, Sprecher der Geschäftsführer der DER Touristik Köln, die aktuelle Entwicklung.

Die Deutschen haben Griechenland als Reiseziel wiederentdeckt. Woran liegt das?

Die Deutschen haben es einfach vermisst. Die innenpolitische Krise Griechenlands hatte sich leider auf das Buchungsverhalten ausgewirkt. Das Land ist aber speziell und einzigartig. Auch die Krisen in anderen Zielgebieten spielen eine Rolle. Vielen Reisenden ist bewusst geworden, dass politische Umbrüche nicht mit den Problemen in Griechenland vergleichbar sind. Fahre ich in ein Land, für das es Reisewarnungen gibt? Oder reise ich in ein Land, das mit einer Wirtschaftskrise zu kämpfen hat? Das ist ein Unterschied.

Man hatte den Eindruck, das Verhältnis zwischen Deutschen und Griechen war während der Krise angespannt. Spielt das noch eine Rolle?

Nein. Die Griechen sind sehr gastfreundlich. Vorbehalte gab es besonders in den Touristengebieten nie. Und sollte es wirklich jemals Ressentiments seitens der Deutschen gegeben haben, sind diese auf jeden Fall weg.

Werden jetzt wieder Hotels in Griechenland neu gebaut oder modernisiert?

In den letzten Jahren wurden natürlich wenige Hotels gebaut. Es gab keine Infrastrukturinvestitionen im touristischen Bereich. Die bestehenden Hotels freuen sich sehr über die hohe Auslastung. Der wiederkehrende Tourismus ist ein toller Motor für die griechische Wirtschaft. Aber es werden keine Massenmodernisierungen vorgenommen.

Was sind die beliebtesten Ziele?

Die griechischen Inseln boomen. Sie profitieren am meisten. Hier ist Kreta das beliebteste Ziel. Nach einer Krise kommen meist die Stranddestinationen zuerst zurück. Die Nachfrage nach Athen steigt zum Beispiel nicht im gleichen Maße.
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)Herzog (3)November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.