Wasser marsch

Alles andere als leer sind die Tiefbrunnen und die Wasserspeicher in Kemnath. Den 18 Meter tiefen Brunnen hat die Trockenheit der vergangenen Wochen nichts ausgemacht. Auch die Nitratbelastung liege unter dem Grenzwert versichern die Verantwortlichen. Archivbild: stg

Die Oberpfalz weist in der Trinkwasserversorgung nach Unterfranken die höchste Nitratbelastung Bayerns auf (wir berichteten). Die Versorger sehen das aber recht gelassen. Entwarnung gibt es deswegen aber nicht.

Kemnath/Neusorg/Pullenreuth/Grafenwöhr. (esc) Die langanhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen hat auch an den Wasservorräten genagt. Der Regen der letzten Tage hat die Lage etwas entspannt. "Bei uns ist Gott sei Dank nichts gewesen", ist Manfred Plannerer beruhigt. Der Wasserwerksleiter weiß um die gute Lage der Tiefbrunnen im Wasserversorgungsunternehmen Kemnath (WVU): "Die sind über 18 Meter tief." Deshalb hatte auch die lange Hitzeperiode keine Auswirkungen auf die Wasserversorgung.

Auf Vernunft setzen

Nitratbelastung spielt in Kemnath keine Rolle. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter - "bei uns erreicht der Wert nur 21 Milligramm pro Liter", weiß Plannerer. "Trotzdem achten wir darauf, unser Wasser zu schützen." Bauern macht er nicht für die Nitratbelastung verantwortlich: "Der Landwirt macht, was ihm die Obrigkeit sagt", weiß er. "Von oben" kämen die Vorgaben, nach denen sich die Bauern zu richten hätten.

Und dennoch: "Dieses Wasser trinkt auch der Landwirt." Also solle er auch aufpassen. "Die Vernunft sollte eine Rolle spielen", appelliert Plannerer. Er ist seit 20 Jahren im Amt und weiß: "Das Nitrat-Problem ist nicht neu." Dennoch seien die Bauern in Kemnath kooperativ und erhielten außerdem - wie andernorts auch - eine Entschädigung dafür, wenn sie weniger düngen.

Er verlangt schonenderen und bewussteren Umgang. "Wo geht das noch hin? Als nächstes werden Arzneimittel zum Problem - das kommt bestimmt." Der umsichtige Umgang mit Wasser sei außerdem wichtig, weil auch "unsere Enkel" reines und gesundes Grundwasser brauchen. "Aufbereiten kann man das Wasser schon immer wieder", sagt er. "Aber was bleibt dann noch übrig?" Auch für den Menschen wichtige Mineralien würden dann herausgefiltert. "Die Natur braucht uns nicht - aber wir die Natur."

Als Vorsitzender des Zweckverbands zur Wasserversorgung Oberes Fichtelnaabtal und Bürgermeister der Gemeinde Neusorg weiß Peter König um die Bedeutung der Ressourcen: "Es gab keine Schwierigkeiten. Wir haben im Zweckverband ausschließlich Tiefbrunnen." Einer der drei sei derzeit wegen Sanierung geschlossen, die anderen beiden wiesen auch während der Trockenzeit volle Kapazitäten auf. Auch in Neusorg als eigenständiger Wasserversorger hätte es keine Probleme gegeben. "Wir fahren hier zweigleisig", erklärt König. Zwei Tiefbrunnen und vier Oberflächenquellen versorgen die Gemeinde. Letztere seien "schwer zurückgegangen", erstere waren "verstärkt gefordert". Nichtsdestotrotz sei das Wasser aber zu keiner Zeit knapp geworden.

Zufrieden zeigt sich der Rathauschef und Verbandsvorsitzende auch mit den verschwindend geringen Nitratwerten: Die Neusorger Tiefbrunnen liegen ausschließlich in Waldgebiet, Landwirte seien lediglich "Angrenzer". Der Nitratgehalt im Wasser liegt dort bei 1,27 Milligramm pro Liter. Auch im Zweckverband liegt er deutlich unter dem Grenzwert: Hier sind es 16 Milligramm.

Wald schützt vor Gülle

Auch die Stadtwerke Grafenwöhr standen während der Hitzeperiode gut da. "Wir haben Tiefbrunnen", erklärt Vorstand Helmut Amschler. Die sind 150, 160, und 120 Meter tief. Wasser war also niemals knapp? "Im Gegenteil", lacht er. "Wir hätten sogar noch was abgeben können." Auch die Nitratbelastung liegt "wahnsinnig weit unter dem Wert". Es gebe "keinerlei Probleme". Für die nächsten 50 Jahre seien die Stadtwerke "gut aufgestellt".

"Weil wir eine Art Oberflächenquelle und keine Tiefbrunnen haben, war es schon etwas knapp", heißt es aus dem Pullenreuther Rathaus. "Aber es wird langsam wieder", weil es in den vergangenen Tagen geregnet hat. Trotzdem sollten die Bewohner sparsam mit Wasser umgehen. "Das Wasser war für den Wald", sagt zweite Bürgermeisterin Gabriele Hawranek. Der Wasserwart habe sie informiert, dass der Wald den Regen für sich selbst gebraucht habe, und deswegen die Oberflächenquellen nichts davon hatten. Mit Nitrat im Wasser gab es "bisher keine Probleme". Auch nicht mit den Landwirten. "Wir haben Glück, weil da, wo Quellen sind, keine Bauern hinkommen." Die Quellen liegen im Wald und gehören zu den Staatsforsten.
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