Weg mit dem Wust von Papier

Am Jägerhof in Schönsee zeigte Cathleen Nowak (Mitte) exemplarisch, wie sich der Papierkram in der Pflege entschlacken lässt. Bild: mhö

"Was nicht dokumentiert ist, ist nicht durchgeführt worden": So lautete bis vor kurzem der vermeintliche Grundsatz bei der Pflege in sozialen Dienstleistungseinrichtungen. Ein neues Konzept soll den BürokratieAbbau unterstützen: die "Ein-Step"-Initiative.

(mhö) Das Projekt zur "Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation" - das bedeutet "Ein-Step" ausgeschrieben - wird seit heuer vom Bundesministerium für Gesundheit deutschlandweit angeboten, um soziale Dienstleister vom bürokratischen Aufwand zu entlasten und den Fokus wieder verstärkt auf die Pflege an sich zu legen. Eine der drei zuständigen Fachkräfte im Landkreis Schwandorf ist Cathleen Nowak. Sie ist bei Dr. Loew Soziale Dienstleistungen für die Umsetzung der Initiative zuständig und schult unter anderem das Pflegepersonal im Jägerhof in Schönsee.

"Der Praxistest im Jahr 2013 hat gezeigt, dass sich im Vergleich zum bisherigen Dokumentations-Modell 25 bis 30 Prozent Zeitersparnis ergeben", schildert Nowak. Zeit, die durch die neuen Maßnahmen verstärkt in die direkte Betreuung der pflegebedürftigen Personen investiert werden könne. Mussten vorher im Bereich der Grundpflege selbst regelmäßige Versorgungsabläufe wie Zähneputzen, Kämmen, Waschen und Essen täglich separat dokumentiert werden, wird dies nun alles in einem Maßnahmenplan zusammengefasst. Dieser zeigt die individuellen Bedürfnisse jeder betreuten Person. Lediglich Abweichungen werden zusätzlich dokumentiert und je nach Bedarf evaluiert und angepasst.

Wieder mehr Zeit

Waren vorher bei Dr. Loew Soziale Dienstleistungen jeweils 34 verschiedene Themenfelder auszufüllen, wie beispielsweise die Zubereitung einer Zwischenmahlzeit, der Umgang mit Wäsche, Kommunikation und Mobilität, werden diese Einzelheiten nun in sechs übergeordneten Lebensbereichen verdichtet.

"Die Pflegefachkräfte wissen ja über den jeweiligen Gesundheitszustand und die individuell benötigte Betreuung Bescheid", erklärt Nowak. "Jetzt gewinnt die fachliche Kompetenz wieder an Bedeutung, vorher musste man das quasi permanent beweisen - durch Aufschreiben." Dadurch wird sowohl die Pflegedokumentation an sich als auch die daraus resultierende zunehmende Fülle an Daten und Dokumenten wesentlich komprimiert.

Schub für Motivation

Um eventuell auftretenden haftungsrechtlichen Problemen vorzubeugen, basieren die Ansätze im neuen Strukturmodell auf einer genauen juristischen Prüfung und sind in der "Kasseler Erklärung" festgehalten. So wird durch die "Ein-Step"-Initiative nach Nowaks Einschätzung nicht nur die Qualität der Pflege verbessert, sondern auch die Motivation und Fachlichkeit der Pflegekräfte gefördert.

Die schrittweise Umstellung begleiten im Landkreis neben Cathleen Nowak als weitere Multiplikatoren Manuela Meier für die Seni-Vita-Unternehmensgruppe und Wolfgang Straßburger für Einrichtungen, die nicht im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienstleistungen Mitglied sind.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.