Weihnachtsgruß aus dem Krieg

Maria Regn und ihr Mann Hubert haben zu Weihnachten wieder einen besonders kostbaren Schatz aufgeblättert. In einem alten Fotoalbum liegen Weihnachtskarten aus dem Jahr 1914. Der Großvater von Hubert Regn, Franz Regn, hat diese als Feldpost gekennzeichneten Weihnachtsgrüße im Dezember 1914 an seine junge Frau Anna geschrieben, die daheim mit dem kleinen Sohn Hans zurückblieb. Bilder: swt

Weihnachten 2014, geprägt von Wohlstand und Gemütlichkeit, aber auch von Krisenherden in Nahost und in der Ukraine. Viele Weihnachtsbriefe oder Karten werden geschrieben, gute Wünsche gehen um die Welt. Das war auch vor 100 Jahren so, allerdings war es damals das erste Jahr des 1. Weltkrieges.

Während man heute gute Gaben, große Päckchen und Gutscheine verschickt, reduzierten sich die Weihnachtswünsche vor einem Jahrhundert auf das Wesentliche. Gesundheit, Gottes Hand über die Männer in den Schützengräben und die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den Daheimgebliebenen waren die Hauptaussagen auf den kostbaren Feldpostkarten, die Familie Regn in Michelfeld hütet wie einen Schatz. Hubert Regn und seine Frau Maria haben die Alben aufbewahrt, in denen die besonderen Weihnachtswünsche liegen.

Franz, der Großvater von Hubert Regn, war 31 Jahre alt, als er diese Karten das erste Mal aus den Stellungen in den Vogesen schrieb. Erst seit zwei Jahren verheiratet mit Anna Regn und Vater eines einjährigen Sohnes musste der junge Landwirt 1914 einmarschieren. Wie für viele seiner Kameraden im 14. Reserve Infanterie Regiment des 15. Armeekorps in der 30. Division, so steht es auf dem Absender, war vor allem Weihnachten eine schmerzliche Zeit.

Statt die heimatlichen Bräuche und Besonderheiten zum Christfest zu feiern, mussten die Soldaten in winterlichen Grabenstellungen ausharren. Die Feldpost war die einzige Möglichkeit, Kontakt mit den Lieben daheim zu halten. Ein Satz prägt jede Karte: "Gott sei Dank sind wir gesund!" Zwischen den Zeilen ist die Angst spürbar, nicht mehr heimzukehren und die Sehnsucht nach der Familie und dem Heim. Es waren schwere Zeiten für die Familie Regn. Aber auch für viele andere. So erhielt Anna Regn auch Feldpost von ihrem Bruder Johann Härtl, der in Brüssel stationiert war.

Eng beschrieben in altdeutscher Schrift, sind die Karten colorierte Aufnahmen von Mädchen im Engelsgewand, mit Flitter bestreut, um ein wenig den Glanz des Weihnachtsfestes zu überbringen. Vier Jahre war Franz Regn im 1. Weltkrieg, schickte nicht nur zu Weihnachten Karten, sondern auch während des Jahres. Oft beschrieben mit Gebeten, die die Verzweiflung der jungen Soldaten widerspiegelten.

Heute steht Europa wieder vor schwierigen Zeiten, die Russlandkrise oder die Bedrohung durch die Terrormiliz IS hängt wie eine Dunkle Wolke über den Völkern. Pegida, Fremdenfeindlichkeit und Flüchtlingsströme kennzeichnen Weihnachten 2014. In Erinnerung an die jungen Männer, die vor 100 Jahren zu Weihnachten im Krieg waren, sollte man sich auch heute besinnen und versuchen, aufeinander zu zugehen. Die Familie Regn weiß aus den Erzählungen von Großvater und Vater, wie schlimm es ist, im Kriegseinsatz zu sein. Sie hoffen, dass Kinder und Enkel dies nicht noch einmal erleben müssen. In diesem Sinne wünschen sie ein friedvolles Fest. Diesem Wunsch schließt sich die SRZ-Redaktion an und wünscht ihren Lesern friedvolle Feiertage.
Weitere Beiträge zu den Themen: Michelfeld (1339)Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.