Weit weg vom Gründer

Leiter der Eschenbacher Pfarrmission ist Pater Martin Baranowski. Seit seiner Priesterweihe im Jahr 2009 ist der Ordensmann in der katholischen Jugendarbeit in Bayern tätig. In verschiedenen Bistümern begleitete und leitete er neun Pfarrmissionen. Bild: do

Die Legionäre Christi sollen in Eschenbach den Glauben stärken. Was steckt hinter dem Zusammenschluss, der vor allem außerhalb der Kirche nicht den besten Ruf hat. Pater Martin Baranowski beantwortet Fragen - auch zum Ordensgründer, auf dem die Mitglieder heute nicht mehr stolz sind.

Älteren Pfarrangehörigen sind die sogenannten Volksmissionen aus der Jugendzeit geläufig. In der Regel zogen Ordensleute durch die Pfarrei und riefen in Vorträgen und Predigten zur Glaubenserforschung auf. Heute haben die Volksmissionen ein ganz neues Gesicht und neuen Charakter bekommen und sie heißen auch anders: Pfarrmissionen. Geblieben sind das Engagement und der Versuch, durch geistliche Angebote das Glaubenswissen zu vertiefen und die Glaubenspraxis zu beleben.

Für Verwunderung sorgte dabei, dass das Bistum dafür Mitglieder der Legionäre Christi in die Stadt schickt. Im Vorfeld der Volks/Pfarrmission beantwortet der Leiter der Pfarrmission im NT-Interview Fragen zu seiner bisher in der Region wenig bekannten Ordensgemeinschaft.

Legionäre Christi klingen für eine Ordensgemeinschaft gewöhnungsbedürftig. Warum dieser Name?

Martin Baranowski: Als "Missionare des Allerheiligsten Herzen Jesu" wurde die Ordensgemeinschaft 1941 in Mexiko gegründet. Barmherzigkeit ist seitdem der Mittelpunkt unseres Wirkens. Später inspirierte Papst Pius XII. die Gemeinschaft dazu, den Namen zu ändern.

Können Sie verstehen, dass Menschen heute damit Probleme haben?

Baranowski: Natürlich! In einer Zeit, in der Religion zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht wird, kann ein solcher Name befremden. Zu jeder Zeit erfordert es Mut und Entschlossenheit, sein Evangelium der Liebe, der Barmherzigkeit und Vergebung, des Friedens, der Aufgeschlossenheit und des Respekts voreinander zu verkünden. Der heilige Paulus resümiert seinen Lebensweg am Ende wohl deshalb als den "guten Kampf des Glaubens", als einen "Wettkampf". Darin steckt der Verständnisschlüssel für unseren Namen.

Und wofür genau kämpfen die Legionäre Christi?

Baranowski: Wir wollen die Gläubigen ermutigen, aus dem christlichen Glauben Kraft für das persönliche Leben zu schöpfen. Gleichzeitig wollen wir dazu einladen, die christlichen Werte und Überzeugungen durch ein persönliches Engagement für die Mitmenschen und für die Gesellschaft fruchtbar zu machen.

Was heißt das konkret?

Baranowski: In vielen Ländern leiten die Legionäre Christi Schulen und Universitäten und wirken auch in der Priesterausbildung sowie im Jugend- und Familienpastoral. In Mexiko hat Papst Paul VI. der Gemeinschaft ein Missionsgebiet anvertraut, im Heiligen Land leitet sie seit 2004 ein Pilgerzentrum des Heiligen Stuhls.

Und in Deutschland?

Baranowski: In Deutschland bieten meine Mitbrüder und ich Exerzitien, Eheseminare, Jugendfreizeiten, Familientage und eben auch Pfarrmissionen an. Im Juni letzten Jahres weihte der Passauer Bischof Stefan Oster unsere neue Niederlassung in Alzgern bei Altötting ein. Neben der Station in Regensburg ist dies ein guter Ausgangspunkt für das Wirken in Bayern.

Und wer gehört zum Regnum Christi?

Baranowski: Das Regnum Christi ist eine der vielen neuen geistlichen Gemeinschaften in der katholischen Kirche, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstanden sind und die Papst Johannes Paul II. einmal als den "Frühling der Kirche" bezeichnet hat. Im Regnum Christi engagieren sich weltweit Laien auf verschiedene Weise in der Kirche, vor allem ehrenamtlich.

In verschiedenen Medien ist zu lesen, die Legionäre Christi seien "erzkonservativ"?

Baranowski: Mit meinen 39 Jahren liege ich bereits drei Jahre über dem Durchschnittsalter im Orden, dem Mitbrüder aus 40 verschiedenen Nationen angehören. Diese Vielfalt erfahre ich als große Bereicherung. Es ist uns ein großes Anliegen, auf die Menschen von heute zuzugehen, ihnen zuzuhören und mit ihnen gemeinsam den Glauben zu entdecken. Ich hoffe, dass dies bei der Volksmission erfahrbar wird. Wer Glauben lebt, ist noch lange kein Erzkonservativer.

Nach dem Tod des Gründers Pater Marcial Maciel im Jahr 2008 wurde bekannt, dass dieser mit verschiedenen Frauen mehrere Kinder gezeugt, Seminaristen sexuell missbraucht und sich auch weiterer Vergehen schuldig gemacht hat. Wie gehen Sie damit um?

Baranowski: Das war für uns alle ein großer Schock. Persönlich war ich vollkommen überrascht und enttäuscht. Als Orden haben wir uns klar vom Verhalten unseres Gründers distanziert und bitten die Opfer um Vergebung. Als junger Mann bin ich bei den Legionären Christi eingetreten, um Gott und den Menschen zu dienen. Das bleibt auch weiterhin mein Ideal.

Kann denn eine Gemeinschaft gut und gesund sein, wenn sie einen solchen Gründer hat?

Baranowski: Genau das ist seit fünf Jahren intensiv geprüft worden. Zunächst haben fünf Bischöfe alle Niederlassungen besucht. Daraufhin hat ein Kardinal als Päpstlicher Delegat die Revision der Konstitutionen begleitet. Abschließend approbierte Papst Franziskus im November letzten Jahres die Überarbeitung. Das bedeutet, dass die Legionäre Christi als Gemeinschaft in der Kirche bestätigt wurden und ihr Wirken für die Kirche gewünscht wird.

Was möchten Sie konkret mit der Pfarrmission in Eschenbach erreichen?

Baranowski: Im Hirtenwort zur Fastenzeit greift Diözesanbischof Voderholzer das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr des geweihten Lebens (Jahr der Orden) auf und wünscht sich von den Ordensleuten ein Mitbeten und Mitwirken, dass Menschen neu zu Gott und zur Kirche finden. Das scheint mir ein passendes und anspruchsvolles Programm für die Volksmission. Ich freue mich auf zahlreiche Begegnungen mit den Menschen und möchte etwas von meiner Glaubensfreude weitergeben. (Hintergrund)
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