Weiter Horizont

Als älteste und bedeutendste Stätte benediktinischer Kultur im bayerischen Nordgau wurde die Klosterburg Kastl schon bezeichnet. Sie ist der kunsthistorische Höhepunkt der Wanderung. Aber auch der Weg selbst bietet so manche Überraschung.

Von Günter Moser

Der Rundwanderweg beginnt direkt am alten Bahnhof in Kastl. Eine Infotafel, die auch schon bessere Zeiten gesehen hat, informiert über die Umgebung. Neben einer alten Dampfmaschine aus einem Sägewerk führt die Markierung Gelbkreuz am Wiesen- und Waldrand entlang den Berg hinan, bevor man ein Stück Weg durch schattenspendenden Buchenwald marschiert.

Bei genauem Hinsehen findet man neben dem Weg die Frühlings-Platterbse, die Sternmiere oder bereits die Akelei. Nach etwa 20 Minuten kommt man an einer kleinen Ölbergkapelle vorbei. Sie wurde um 1860 zeitgleich mit dem Kreuzweg zum Kalvarienberg errichtet, wohin man einen Abstecher unternehmen kann. Mächtige Linden säumen den Anstieg, auf halbem Weg eine verschlossene Kapelle mit einem Heiligen Grab und auf der Anhöhe eine Kreuzigungsgruppe. Leider ohne Aussicht. Da wäre eine Sichtschneise hinunter ins Mühlhausener Tal eine feine Sache.

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Wieder zurück auf dem Wanderweg, geht es mit Gelbkreuz an Hecken entlang. Eine Bank lädt zur Rückschau ein und man kann hier darüber sinnieren, wie die Landschaft mit dem weiten Horizont früher ohne Windräder und Mobilfunkmasten ausgesehen hat. Nach der Kuppe geht es einige hundert Meter durch den Wald, bevor der Rundweg nach rechts mit Blauring in den Wald abbiegt. Später treffen wir auf eine Forststraße, der wir ein kurzes Stück folgen. Dann links ab und nach einer Dreiviertelstunde liegt die Schweppermannsburg vor uns. Es handelt sich um eine sogenannte Frontturmanlage, denn der Eingang zur Burg war früher ostseitig mit vorgelegtem Halsgraben. Die mächtigen Buckelquader sind noch ohne Zangenlöcher. Damit lassen sie sich auf die Zeit vor 1220 datieren. Seyfried Schweppermann hatte sich in der letzten großen Ritterschlacht 1322 bei Mühldorf wacker für König Ludwig den Bayern geschlagen. Legendär ist der Ausspruch: Jedem Mann ein Ei, dem frommen Schweppermann aber zwei. Steht der Wanderer vor verschlossenem Tor, so ändert sich dies jeweils zum Burgfest der Amberger Sektion des Deutschen Alpenvereins (in diesem Jahr am 21. Juni) mit Feldmesse und anschließender Bewirtung.

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Fränkische Gründung

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Ein Teersträßchen führt nun steil hinab in den Ort Pfaffenhofen mit seiner dem Heiligen Martin geweihten Kirche. Die Namensgebung deutet dabei auf eine fränkische Gründung um 800 hin. Sehenswert ist der romanische Türbeschlag. Eine doppelköpfige Schlange umschließt eine Erdkugel und soll Dämonen abwehren. Der Karner mit dem romanischen Kleeblattbogen über der Türe ist leider nicht zugänglich. Eine Infotafel mit der Baugeschichte und einer Abbildung der Fresken im Kapellengeschoß wäre hier hilfreich.

Nun wird die B 299 und die Lauterach überquert. Auf schmalem Sträßchen, das für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, geht es nun Richtung Kastl mit schönem Blick auf die Klosterburg. Rechts das plätschernde Flüsschen, links steil aufragende Felsen, da werden die eineinhalb Kilometer auf der Teerstraße nicht langweilig. Auf halbem Wege ein mittelalterliches Sühnekreuz rechts in der Wiese. Durch den Ort sollte man bewusst schauend schlendern, denn einige schön und mustergültig renovierte Altbauten sind zu sehen, bevor man auf den Marktplatz mit dem Rathaus und seinem Treppengiebel aus dem Jahre 1552 kommt.

Rechts am Rathaus vorbei, führt nach etwa hundert Metern der Weg steil die Klosterbergstraße hinan. Durch den neuen Torturm aus dem frühen 16. Jahrhundert betritt man die weitläufige Klosterburg, deren kunsthistorisch bedeutsamster Teil sicherlich die Kirche St. Peter ist. Einzigartig in Deutschland ist der Wappenfries, sehenswert die Fresken und das Chorgestühl, übrigens das älteste in unserer Region, die Stifterfiguren, die Grabmäler und Epitaphien in der Vorhalle und die Mumie von Prinzessin Anna. Sie war die Tochter Kaiser Ludwigs des Bayern und verstarb in Kastl im Jahre 1319. Für diese Kirche sollte man viel Zeit mitbringen.

Nach dem Verlassen des Torzwingers führt links eine Treppenanlage wieder zum Ausgangspunkt zurück.
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